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Triumph nach Turbulenzen

Novak Djokovic hat sich zuletzt wegen seiner umstrittenen Aktivitäten als Chef des ATP-Spielerrats nicht mehr voll auf den Sport fokussiert. Aber nach seinem besten Sandplatzauftritt steht er im Final von Madrid.
Jörg Allmeroth, Madrid
Novak Djokovic: «Es war ein Koloss, den ich aus dem Weg räumen musste.» (Bild: Rodrigo Jimenez/EPA (Madrid, 11. Mai 2019))

Novak Djokovic: «Es war ein Koloss, den ich aus dem Weg räumen musste.» (Bild: Rodrigo Jimenez/EPA (Madrid, 11. Mai 2019))

Gerade hat Novak Djokovic noch einmal zugegeben, wie sehr er sich gewundert hat. Über sich selbst. Über seinen vorübergehenden Absturz aus höchsten Tennis-Höhen. Über seine tiefe Krise. Über die öffentlichen Mutmassungen, warum er in die Tiefe rauschte. Und auch über sein formidables Comeback, über die letzten Grand-Slam-Siege, über die Rückkehr auf Platz 1 der Weltrangliste. «Ich war die Nummer 22 im Ranking und dachte: Du kommst nie mehr zurück», sagte Djokovic in einem Interview. «Die Leute denken, wir sind ­Roboter. Aber das sind wir nicht. Wir sind Menschen.»

Djokovic hat nicht nur in den letzten drei Jahren, sondern auch in den letzten Wochen erhebliche Turbulenzen erlebt. Sportlich und sportpolitisch. Er verlor plötzlich wieder Spiele, die er lange Zeit nicht mehr verloren hatte – gegen Gegner, die er vorher ­dominiert hatte. Und er erzeugte massive Kritik, als er zunächst massgeblich am Abgang von ATP-Chef Chris Kermode zum Jahresende beteiligt war und danach eine eher indifferente Position zum Fall des Problemfunktionärs Justin Gimelstob einnahm. Erst unter öffentlichem Druck trat der wegen einer Prügelattacke zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Gimelstob als ATP-Funktionär zurück, nicht etwa aber auf internes Drängen seines Freundes Djokovic.

Es lohnt sich nicht, solche Spieler abzuschreiben

Zwischendurch bekundete Djokovic selbst, dass er wegen seiner umstrittenen Aktivitäten als Chef des ATP-Spielerrates die notwendige Konzentration auf das Wesentliche verloren habe, auf Spiel, Satz und Sieg auf dem Centre Court. Aber einen wie Djokovic abzuschreiben, hat sich noch nie gelohnt. So, wie es sich auch bei Rafael Nadal oder Roger Federer nicht gelohnt hat in langen Karrierejahren. Als Djokovic gestern Nachmittag gegen den Österreicher Dominic Thiem auf den Centre Court in Madrid schritt, zum mit Spannung erwarteten Halbfinal-Duell bei diesem Masters-Spektakel, da hätte man Thiem die eher grösseren Siegaussichten eingeräumt – zumal nach seinem Erfolg gegen Federer tags zuvor. Doch am Ende triumphierte Djokovic – über Thiem, den bisher eindrucksvollsten Sandplatzspieler dieser Saison. Und ein wenig auch über sich selbst und die klammheimlichen Zweifel. «Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Erfolg geschafft habe», sagte der 32-jährige Serbe nach der 7:6 (7:2), 7:6 (7:4)-Endabrechnung, «es war ein Koloss, den ich da aus dem Weg räumen musste.» Djokovic, schon zwei Mal ­Madrid-Champion, wird im Endspiel auf den Sieger aus der Partie zwischen Lokalmatador Nadal und dem Griechen Stefanos Tsitsipas treffen.

Federer sagt für Turnier in Rom zu

Djokovics bester Sandplatzauftritt weckte auch schon allgemein hohe Erwartungen für das French Open, das Ende Mai in Paris beginnt. Dort ist mit einem der spannendsten Titelkämpfe der jüngeren Vergangenheit zu rechnen. Djokovic könnte dort den vierten Grand Slam-Titel hintereinander holen, zum zweiten Mal in seiner Karriere wäre er dann im Besitz aller vier Major-Pokale zugleich. Aber klar ist auch: Die Konkurrenz ist gross. Und breit. Und nicht nur Nadal und Thiem sind als Rivalen stark zu beachten, sondern eben auch der unbelastet, frei aufspielende Federer. Gegen Thiem deutete der Maestro im Madrid-Viertelfinal an, wozu er auf schnellen Ascheplätzen in der Lage sein kann – kein Wunder, dass er nach dem insgesamt couragierten Gastspiel in Spaniens Hauptstadt nun auch beim Masters in Rom antreten wird. «Ich fühle mich gut, frisch und motiviert. Und alle im Team waren auch der Meinung, dass der Start okay ist», sagte Federer.

Rom ist dann das letzte Sandplatz-Masters der Saison, aber auch der letzte grosse Testlauf für alle Asse vor Paris. Im vergangenen Jahr hat Nadal in der italienischen Hauptstadt gewonnen, in drei umkämpften Endspielsätzen gegen den Deutschen Alexander Zverev. Federer trifft nun in seiner Auftaktpartie der zweiten Runde (er hat zunächst ein Freilos) entweder auf den Amerikaner Francis Tiafoe oder auf den Portugiesen Joao Sousa. Verliefe alles nach Plan für Federer, käme es im Viertelfinal zum ersten brisanten Duell, nämlich mit dem Next-Generation-Star Tsitsipas.

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