Triumph und Tragik eines eidgenössischen Schwingerkönigs

Rudolf Hunsperger war seit mehreren Jahren gesundheitlich schwer angeschlagen. Nun ist der Berner, der dreimal den Königstitel holte, im Alter von 72 Jahren verstorben.

Klaus Zaugg
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Feiert beim Eidgenössischen in Schwyz seinen dritten Triumph: der Berner Rudolf Hunsperger. (Bild: Keystone (Schwyz, 25. August 1974))

Feiert beim Eidgenössischen in Schwyz seinen dritten Triumph: der Berner Rudolf Hunsperger. (Bild: Keystone (Schwyz, 25. August 1974))

Dies ist eine Geschichte über sportliche Triumphe und menschliche Tragik. Über Aufstieg und Fall eines grossen Sportlers und liebenswerten Menschen. Rudolf «Rüedu» Hunsperger ist der kompletteste, beste Schwinger aller Zeiten. Er wird 1966, 1969 und 1974 König und verlässt nach der dritten Krönung in Schwyz die Arena unbesiegt. 1966 hatte er als Rekrut in Frauenfeld den eigentlich unbesiegbaren Titanen Karl Meli, den König von 1961 und 1964, gestürzt und eine Epoche beendet.

Seine Popularität ist beim Rücktritt in den 1970er Jahren mit jener von Bernhard Russi vergleichbar. Eine bessere Basis für ein weiterhin erfolgreiches Leben ist kaum denkbar. Aber der König kann sein Glück nicht festhalten.

Er heiratet die Emmentalerin Margrit Wittwer. 1972 kommt Tochter Fränzi zur Welt, später Bäuerin auf dem legendären Minger-Hof in Schüpfen. Ein Jahr später Sohn Remo. Er wird ein guter Kranzschwinger. Auch beruflich läuft’s. Aus dem Automechaniker Hunsperger wird ein Garagist. Der Rubel rollt in den Goldgräberjahren des bernischen Immobilienhandels. Da fliegt «der Rüedu» schon mal nach England, um für einen Kunden einen Jaguar einzukaufen.

Der Niedergang kommt nicht mit einem Donnerschlag. Eher schleichend. Unmerklich. 1987 die erste Scheidung. Finanzielle Engpässe. Das Geschäft gibt nicht mehr genug her. Vielleicht ist er manchmal zu gutmütig. Vielleicht auch etwas zu leger in geschäftlichen Dingen. Item, er muss aus dem Autobusiness aussteigen. Doch es kommt noch einmal eine Chance. In der richtigen Erkenntnis, dass der Namen Hunsperger ein Magnet sein würde, erhält er Mitte der 1990er Jahre den Zuschlag als Pächter der «Linde» in Habstetten. Die Gäste kommen in Scharen. Jetzt hätte «Rüedu» eine Frau gebraucht wie Margrit, die heute erfolgreich im «Bellevue» in Ittigen-Eyfeld wirtet. Zusammen mit seiner zweiten Frau Maya, der ehemaligen Chefsekretärin des legendären YB-Bosses Ruedi Bär, klappt das mit dem ländlichen Gasthof nicht. Auch diese Ehe und das Engagement auf der «Linde» enden im Debakel. 1996 muss Hunsperger Konkurs anmelden.

Sein schwerster Schicksalsschlag

Im Sommer 2000 ist er drauf und dran, wieder Tritt zu fassen. Er gibt sein Leben als Wirt auf und will wieder in die Umgebung von Bern zurück. In diesem Moment ereilt ihn der schwerste Schicksalsschlag, von dem er sich nie mehr erholen wird. Im Juli 2000 bekommt er wegen Rückenschmerzen eine Spritze. Sie löst eine Blutvergiftung aus. Ein ärztlicher Kunstfehler.

Wenig später müssen «Rüedus» Kinder Remo und Fränzi ihre Unterschrift geben, um in einer letzten Operation das Leben ihres Vaters zu retten. Die Ärzte geben ihm noch 20 Prozent Überlebenschancen. Fünf Kilo infiziertes Gewebe werden ihm herausgeschnitten. Er liegt zwei Wochen im Koma und zwei Monate auf der Intensivstation – und er kommt noch einmal davon. Letzte Woche hat er einen Schlaganfall erlitten und am Samstagmorgen ist er verstorben. Wegen einer Beinverletzung, die nicht heilte und schliesslich zu heftigen Komplikationen führte, lag er vorher mehrere Monate im Spital.