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Motocrossfahrer Flavio Wolf gibt trotz verletztem Knie Vollgas

Malters wird am Wochenende wieder zur Hochburg des Motocrosssports. Der 19-jährige Luzerner Flavio Wolf steht für Spektakel pur.
Stephan Santschi
Flavio Wolf schont weder sich noch seine Konkurrenten. (Bild: Philipp Simon (Broc, 21. Juli 2019))

Flavio Wolf schont weder sich noch seine Konkurrenten. (Bild: Philipp Simon (Broc, 21. Juli 2019))

Wenn Flavio Wolf die bisherige Saison Revue passieren lässt, scheint er die Schlüsselmomente klar vor seinem geistigen Auge zu haben, so detailliert erzählt er davon. Zum Beispiel ist da der dramatische Zusammenstoss in Broc. Ein Konkurrent klemmte dabei sein Bein zwischen Rad und Heck von Wolfs Yamaha-Maschine ein. Der bemerkte dies nicht, gab Gas und erst, als er nicht vom Fleck kam, schaute er nach hinten und erkannte das Malheur des Pechvogels. «Ich befreite sein Bein, die Haut war wegen der Reibung ziemlich verbrannt.»

Flavio Wolf

Flavio Wolf

Eine andere Szene, die er deutlich wiederzugeben vermag, ist eine, in der er selber die tragische Hauptrolle einnimmt. Noch vor dem ersten Wettkampf stürzte er in Italien im Training und verdrehte sich unglücklich das Knie. «Ich hatte starke Schmerzen», erzählt der 19-jährige Neudorfer aus dem Kanton Luzern. Kurz darauf in einem Vorbereitungswettkampf stürzte er nochmals heftig, der Töff fiel auf sein ohnehin schon lädiertes Knie, auch der Arm wurde in Mitleidenschaft gezogen. «Motocross ist eine Risikosportart, dem bin ich mir durchaus bewusst. Im Rennen muss ich dies aber ausblenden können, denn Angst darf ich auf dem Motorrad keine haben.»

Bereits vier Mal das Schlüsselbein gebrochen

Weshalb in dieser Einführung Stürze und Verletzungen im Zentrum stehen, hat gute Gründe. Zum einen ist Flavio Wolf grundsätzlich ein Fahrer, der sich selber «eher als Draufgänger» bezeichnet. «Ich kann manchmal nicht abwarten, dann schiesse ich drein. Ich gebe 100 Prozent, das ist mein Stil. Für mich muss es vorwärts gehen.» Stürze sind bei ihm deshalb keine Seltenheit, vier Mal bereits brach er sich das Schlüsselbein.

Und dann ist da eben die jüngste Verletzung, welche die aktuelle Saison von Beginn weg geprägt hat – jene, die er sich beim erwähnten Trainingssturz in Italien zugezogen hatte, wie später ein MRI klarmachte. «Mein Kreuzband war angerissen und das Innenband komplett gerissen.» Wolf musste sechs Wochen pausieren, auf eine Operation konnte vorderhand aber verzichtet werden. «In der Schweiz gibt es mittlerweile viele Motocross-Profis. So eine Pause wirft dich brutal zurück», erklärt der ausgebildete Sanitärinstallateur, der nun eine Zusatzlehre zum Heizungsinstallateur absolviert.

Flavio Wolf hat zwar alle Rennen der Schweizer Meisterschaft des FMS-Verbands bestritten, so richtig auf Touren kam er aber nicht. Im Gesamtranking der Kategorie MX2 (250 ccm), welche hinter der Königsklasse MX Open (450 ccm) als zweitgrösste gilt, ist er zwar der beste Zentralschweizer. Doch vor den abschliessenden Wettkämpfen am Wochenende in Malters belegt er nur Platz zwölf. «Alles ist wegen dem Knie etwas dumm gelaufen», sagt er. Was in Vollbesitz seiner Kräfte möglich gewesen wäre, zeigte ihm das zweite Race in Broc, als er auf den fünften Patz fuhr. «Ein Platz in den Top 5 des Rankings wäre ursprünglich mein Ziel gewesen. Den Speed dazu habe ich.»

Und so soll der Anlass vor heimischem Publikum so etwas wie ein versöhnlicher Abschluss werden. Die Vorfreude bei Flavio Wolf auf den Auftritt in Malters ist jedenfalls gross. «Für den Veranstalter habe ich riesigen Respekt. Gewaltig, was für einen mega Event hier aus dem Boden gestampft wurde.» 1600 Meter lang ist der Rundkurs zwischen Malters und Hellbühl, gespickt mit Aufstiegen, Sprüngen und knackigen Kurven. Bereits vor drei Jahren, als Malters erstmals Gastgeber in der FMS-Meisterschaft war, stand Wolf am Start, damals noch in der Junioren-Kategorie.

Eine klare Zielsetzung für die letzten Saisonrennen hat Flavio Wolf nicht, er möchte sich einfach von seiner besten Seite präsentieren. Konkrete Vorstellungen, wohin ihn seine Karriere noch führen soll, hat er aber durchaus. «Ich möchte Schweizer Meister werden, internationale Rennen fahren und über allem steht eine WM-Teilnahme.» Für Letzteres brauche es neben dem fahrerischen Können aber auch viel Geld.

Operation wird wohl doch noch nötig sein

Unterstützt wird Flavio Wolf von seinen Eltern Erwin und Sonja, sowie einigen Sponsoren, «ihnen verdanke ich sehr viel». Seit dem fünften Lebensjahr fährt er Töff, aktuell bestreitet er seine 14. Saison. Viermal wurde er im Nachwuchs Vizemeister (50 ccm, 65 ccm, 85 ccm, 125 ccm), letztes Jahr klassierte er sich in seiner ersten MX2-Saison auf dem starken neunten Schlussrang. «Kondition, Kraft, das fahrerische Können und die Einstellung des Fahrwerks – für den Erfolg muss viel zusammenpassen. Das ist faszinierend.»

Nach dem letzten Rennen wird er sich schliesslich wohl doch noch einer Operation am Knie unterziehen, das Innenband nämlich sei nicht gut verheilt. Und dann sollen nächstes Jahr nicht Stürze, sondern Spitzenklassierungen im Zentrum seiner Erzählungen stehen.

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