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Unberechenbarkeit auf Kroatisch

Auf dem Weg ins WM-Final zeigten die kroatischen Offensivspieler Mario Mandzukic, Ivan Perisic und Ante Rebic ihr Können. Drei Spieler, die immer wieder unterschätzt wurden – und werden.
Raphael Gutzwiller, Moskau
Mario Mandzukic (links) und Ivan Perisic gehören zu den Leistungsträgern des kroatischen Teams. (Bild: Franck Robichon/EPA)

Mario Mandzukic (links) und Ivan Perisic gehören zu den Leistungsträgern des kroatischen Teams. (Bild: Franck Robichon/EPA)

Im Jubel über den historischen Finaleinzug der Kroaten schnappte sich Mario Mandzukic von mitgereisten Anhängern im Luschniki-Stadion eine kroatische Fahne. Nicht irgendeine Fahne. Der Siegtorschütze in der Verlängerung gegen England wollte jene, auf der «Slav Brod» stand. Die Abkürzung für Mandzukics Heimatort Slavonski Brod. Er, der 32-jährige Stürmer, der immer wieder abgeschoben wurde, erinnert sich in seinem grössten Erfolg an seine Heimat.

Als Kind war er aus Slavonski Brod nach Deutschland geflohen, vier Jahre später musste er mit seiner Familie zurück. Als Fussballprofi kam er zurück, wurde aber wieder abgeschoben, wenn auch auf eine andere Art. Bei Bayern München wurde ihm Robert Lewandowski vor die Nase gesetzt, er wechselte zu Atletico Madrid. Und dort holte man ein Jahr später den verlorenen Sohn Fernando Torres zurück. Für Mandzukic blieb kein Platz.

Perisics spezielles Verhältnis zu Frankreich

Nun droht sich die Geschichte für Mandzukic bei seinem aktuellen Verein Juventus Turin zu wiederholen. Während er sich mit Kroatien auf den Halbfinal vorbereitete, hat sein Club Cristiano Ronaldo verpflichtet. Erste Gerüchte, wonach Mandzukic nach der WM zu Dortmund wechseln soll, machen bereits die Runde. Der Stürmer äussert sich im Moment zu nichts, er lief nach dem Spiel an den Reportern vorbei.

Mandzukic ist Teil eines kroatischen Offensivtrios, das unberechenbar scheint. Dazu gehört auch Ivan Perisic. Sein Ausgleich hauchte den Kroaten im Halbfinal gegen England neues Leben ein, und das Siegtor in der Verlängerung durch Mandzukic bereitete Perisic mit dem Kopf vor. Verdient wurde er zum Mann des Spiels gewählt. «Keiner könnte glücklicher sein als ich, gegen Frankreich im Finale zu spielen», sagte Perisic im Hinblick auf das Spiel am Sonntag.

Für ihn ist das Aufeinandertreffen mit dem Weltmeister von 1998 aussergewöhnlich. Als 17-Jähriger verbrachte er zwei Jahre in Sochaux – aus familiären Gründen. Darüber sprechen will er nicht. Nach Medienberichten soll er mit seinem Gehalt als Profifussballer geholfen haben, weil die Hühnerfarm des Vaters vor der Pleite stand. Später machte Perisic seinen Weg über Brügge in die Bundesliga zu Dortmund und Wolfsburg, heute spielt er bei ­Inter Mailand. Dass es nicht zu einem noch grösseren Verein reichte, liegt wohl vor allem daran, dass Perisic keine eindeutige Stärke besitzt. Er ist schnell, aber kein Kylian Mbappé, er ist abschlussstark, aber kein Harry Kane, er ist technisch gut und beidfüssig, aber kein Neymar. Er zählt in allem zu den Besten, ist aber nicht der Beste. Und deshalb wird er von vielen unterschätzt. Als vor einem Jahr Manchester United an einer Verpflichtung Perisics interessiert war, staunte der englische Boulevard. Ein Jahr später dürften die englischen Journalisten um dessen Qualität wissen.

Ante Rebic vor Wechsel zu Bayern München?

Und da ist da noch der dritte des Offensivtrios, das Kroatien so unberechenbar macht: Ante Rebic. Auch im Halbfinal gegen England zeigt er, welche Qualitäten im 24-jährigen Flügelspieler von Eintracht Frankfurt stecken. Noch zum Abschluss der Saison hatte er Frankfurt mit einem Doppelpack im Final zum Cupsieg geschossen, ehe er mit starken Auftritten in den Testspielen vor der WM einen Stammplatz im kroatischen Team erkämpfen konnte. Dabei hatte er in der gesamten WM-Qualifikation nur zwanzig Minuten gespielt.

Nun ist er aber an der WM in Topform. Dass Eintracht Frankfurt ihn wohl nicht halten kann, scheint festzustehen. Allen voran Bayern München mit dem ehemaligen Frankfurt-Trainer Niko Kovac hat die Fühler ausgestreckt. Zuletzt riet Rebic auch der kroatische Assistenztrainer Ivica Olic zu einem Wechsel nach München. Das ist aber Zukunftsmusik. Rebic will zuerst noch am Sonntag Weltmeister werden.

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