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Und jetzt stellt sich die Frage: Wäre Petkovic der richtige Trainer für die Barrage?

Die Schweizer Nationalmannschaft steht vor dem wegweisenden EM-Qualifikationsspiel gegen Irland. Es ist für Vladimir Petkovic ein Endspiel. Gewinnt die Schweiz nicht, ist seine Zukunft als Nationaltrainer höchst ungewiss.
Etienne Wuillemin
Nati-Trainer Vladimir Petkovic (links) im Gespräch mit Granit Xhaka. (Bild: Georgios Kefalas / Keystone, Kopenhagen, 12. Oktober 2019)

Nati-Trainer Vladimir Petkovic (links) im Gespräch mit Granit Xhaka. (Bild: Georgios Kefalas / Keystone, Kopenhagen, 12. Oktober 2019)

Fussball kann faszinierend sein. Aufregend. Voller Emotionen und Glück. Fussball kann unbeschreibliche Gefühle auslösen. Und manchmal weiss eine Mannschaft gar nicht so recht, warum sie immer gewinnt.

Genauso kann Fussball aber auch frustrierend sein. Ärger auslösen. Oder Ernüchterung. Wenn sich Negativerlebnisse stetig wiederholen. Und es kaum nachvollziehbare Erklärungen dafür gibt. So fühlen sich die Schweizer Nationalspieler derzeit.

Wie nur konnte das passieren? Wie konnte dieser eigentlich gute Auftritt in Dänemark in einer 0:1-Niederlage enden? Und warum ist es wieder zum späten Kollaps gekommen? Zu einem Gegentor in den letzten Minuten, wie sich das zum Schweizer Kennzeichen entwickelt hat? Das sind die Fragen, welche die Schweizer auf der Rückreise von Kopenhagen nach Genf beschäftigen.

Es fehlt der kühle Kopf – wegen Petkovics Prinzipien?

Vor dem EM-Qualifikationsspiel in Dänemark konnte Nationaltrainer Vladimir Petkovic noch auf Zufall oder individuelle Aussetzer zur Unzeit verweisen. Nun aber verdichten sich die Anzeichen eines grundsätzlichen Problems. Innert eines Jahres hat die die Schweiz fünf Mal in der Schlussphase eine Partie noch aus den Händen gegeben. Worin liegen die Gründe dafür?

Es hatte etwas Erstaunliches, wie offen und direkt Dänemark-Trainer Age Hareide – ungefragt – über die Schweiz sprach. «Wir wussten: Irgendwann brechen sie immer ein.» Um dann zu präzisieren: «Wenn ein Team immer wieder späte Gegentore kassiert, dann beginnt jeder Spieler darüber nachzudenken, es ist ein mentales Problem.» Petkovic gab sich alle Mühe, gegen ein grundsätzliches Problem zu argumentieren. «Ich denke, niemand von uns hat daran gedacht, dass wir wieder ein spätes Gegentor erhalten könnten», sagte er. Es klang mehr verteidigend denn überzeugend. Aber was wollte er denn auch anderes sagen?

Auch die Spieler waren in der Aufarbeitung sachlich und nüchtern. Der Frust war zwar allen anzusehen, in der Kabine nach dem Spiel war es sehr ruhig, war zu hören. Aber kollektiv niedergeschlagen? Nein, das waren die Schweizer nicht.

Wer dem Trainer und der Nati milde gestimmt ist, mag ein erfreuliches Muster erkennen: Petkovic hat seinem Team die Philosophie verinnerlicht, jedes einzelne Spiel unter allen Umständen gewinnen zu wollen. Egal, wie der Gegner heisst. Abwarten, Taktieren, Resultat halten – das widerstrebt ihm zutiefst. Nur hat das vielleicht die Folge, dass es diese Mannschaft verlernt hat, in den entscheidenden Momenten kühlen Kopf zu bewahren. Wer stets das eigene Tor im Sinn hat, wird schneller leichtsinnig.

Noch nie stand der Trainer so sehr unter Druck

Fakt ist: Irgendetwas ist mit dieser Mannschaft passiert. Sie hat etwas verloren. Lange war die Selbstverständlichkeit des Gewinnens zu spüren. Die natürliche Überzeugung, dass am Ende schon alles gut kommt. Diese Gewissheit ist vorbei. Die Frage ist nun, ob das wirklich nur mit Pech, Zufall und tollen Torhüterleistungen des Gegners zu erklären ist. Oder ob die Probleme tiefer liegen. Und bald erneut zur Unzeit wieder zum Vorschein kommen. Es ist abschliessend noch nicht zu beurteilen.

Ob Krise oder Betriebsunfälle, gefordert ist nun in erster Linie der Trainer. Als Vladimir Petkovic die Schweiz im Sommer 2014 übernahm, startete er gleich mit zwei Niederlagen. Die Reaktion danach war überzeugend. Doch seither war Petkovic nie mehr so sehr unter Druck wie jetzt. Und es fragt sich, ob es ihm nochmals gelingt, sein Team aufzurichten.

Der Erfolg war es, der Petkovic bisher vor heftiger Kritik schützte. Mit ihm nahmen die Schweizer an der EM 2016 und der WM 2018 teil. Stets führte der Weg in den Achtelfinal. Das ist eine gute Bilanz. Und lässt die vielen Misstöne neben dem Platz etwas erträglicher erscheinen.

In guten Zeiten gelang es Petkovic häufig, mit Inputs von der Bank auf das Spielgeschehen zu reagieren. Auch das hat sich jüngst verändert. Seit dem feurigen 5:2 gegen Belgien Ende des letzten Jahres haben seine unglücklichen Entscheidungen zugenommen. Natürlich, die Schweiz konnte auch in Dänemark nicht verbergen, wie wichtig die Kreativität eines Xherdan Shaqiri ist. Auch die Absenz von Steven Zuber hat einen erstaunlichen Einfluss. Captain Lichtsteiner hatte bei seiner Rückkehr nicht die Luft für 90 Minuten – und fehlte darum in den fatalen Schlussminuten.

Und was bedeutet das nun für das Spiel gegen Irland vom Dienstag? Es ist der vorgezogene Final für die EM-Qualifikation. Ein überzeugender Sieg könnte einiges nochmals in gute Bahnen lenken. Ein Misserfolg – und das wäre bereits ein Unentschieden – würde die Position von Petkovic so heftig wie noch nie zur Diskussion stellen. Die Frage nach seiner Zukunft würde gar eine neue Dringlichkeit erhalten. Zwar betonte Natidirektor Pierluigi Tami, die Schweiz würde die Barrage im März 2020 selbstverständlich mit Petkovic bestreiten. Wahrscheinlich wäre es aber besser, mit einem neuen Trainer frische Energie und damit einen Umschwung heraufzubeschwören.

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