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Unerträgliche Doppelmoral: Wie sich Rafael Nadal und Novak Djokovic für Millionen zum Spielball Saudi-Arabiens machen

Rafael Nadal und Novak Djokovic inszenieren sich als Wohltäter und moralische Instanzen. Dass sie sich für eine Millionengage vor den Wagen des Königs von Saudi-Arabien spannen lassen, entlarvt ihre beschämende Doppelmoral. Eine Analyse.
Simon Häring

Kürzlich ging dieses Bild um die Welt: Rafael Nadal, knietief im Schlamm stehend, mit Gummistiefeln, verdreckt und verschwitzt, in der Hand eine Schaufel. Er half mit, die Trümmer einer verheerenden Sturzflut zu beseitigen, die in seiner Heimat Mallorca Anfang Oktober 13 Menschen das Leben gekostet hatte.

Nach dem Unwetter in Mallorca packte Tennisprofi Rafael Nadal mit an bei den Aufräumarbeiten. (Bild: Key/Mayka Navarro)

Nach dem Unwetter in Mallorca packte Tennisprofi Rafael Nadal mit an bei den Aufräumarbeiten. (Bild: Key/Mayka Navarro)

Als selbstverständlich taxierte er das. Und seien wir ehrlich: Das ist es auch. Wer würde nicht helfen, wenn vor seiner Haustür die Apokalypse ausbricht? Wenn Kinder, Freunde, Familie und Bekannte in Not geraten? Später rief Nadal zu Spenden auf. Er, der mit einer Stiftung seit zehn Jahren versucht, benachteiligte Kinder vor sozialer Exklusion zu bewahren.

Kürzlich ging dieses Bild um die Welt: Novak Djokovic persönlich hatte ein Video aufgenommen, im fernen Schanghai. Er sagte: «Buenos Dias. Ich habe von den schrecklichen Ereignissen gehört. In dieser schwierigen Zeit möchte ich allen Betroffenen Kraft und Zuversicht wünschen.» Er umarme alle. «Und ich grüsse Rafael Nadal. Gut gemacht, Amigo.» Man kauft ihm diese Botschaft ab. Denn Novak Djokovic, auch er betreibt eine Stiftung zur Förderung von Kindern, ist in einer Region aufgewachsen, die während eines Jahrzehnts Schauplatz der Jugoslawienkriege gewesen war, bei denen Hunderttausende starben. Djokovic weiss, was Not und Elend bedeuten.

Das mit der Doppelmoral

Wäre da nicht diese unerträgliche und beschämende Doppelmoral. Ebenfalls Anfang Oktober gaben Nadal und Djokovic bekannt, dass sie im Dezember einen Schaukampf in Dschiddah bestreiten. Auf Einladung des saudiarabischen Sportministers Abdul Latif al-Sheihk. Die beiden Sportler schrieben: «Ich freue mich, dieses schöne Land zu besuchen.» Saudi-Arabien, das am Tag zuvor eine 15-köpfige Truppe nach Istanbul geschickt hatte, um den Journalisten Jamal Khashoggi im Konsulat zu exekutieren. Das Land, das die Welt glauben lassen wollte, der Tod sei bloss ein «Versehen» gewesen.

Saudi-Arabien, das Frauen unterdrückt, das steinigt, Homosexuelle foltert, Dissidenten ermordet. Das Land, das auf dem Al-Safah-Platz in der Hauptstadt Riad, im Volksmund «Kopf-ab-Platz», so viele Menschen öffentlich enthauptet, dass man unlängst per Online-Anzeige Henker von Königs Gnaden suchte.

Saudi-Arabien, das tut, was viele Autokratien zuvor schon getan haben: den Sport für Propaganda missbrauchen. Man veranstaltet ein Formel-E-Rennen, ist mit der europäischen Golftour und der Wrestling-Federation WWE einen Deal eingegangen. Der italienische Supercup 2019 soll mit Cristiano Ronaldo dort stattfinden. Und das Königreich soll auch hinter einem ominösen 25-Milliarden-Dollar-Angebot an die Fifa stehen. Gemäss der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» will Fifa-Präsident Gianni Infantino am Freitag bei einem Treffen in Kigali den Weg für eine Aufwertung der Klub-WM ebnen. Und sich damit auch Stimmen für die anstehenden Neuwahlen sichern.

Schweigende Tennis-Cracks

Rafael Nadal und Novak Djokovic schweigen zur Kritik. Auszuschliessen ist, dass sie davon nichts mitbekommen haben. Sie haben viele Berater und Einflüsterer. Vielleicht bleiben diese stumm, weil es auch für sie um viel Geld geht. Je eine Million Dollar sollen die Tennis-Spieler für den Auftritt erhalten. Nadal und Djokovic müssen nicht zu allem eine Meinung haben. Doch wer sich öffentlich als Wohltäter und moralische Instanz inszeniert, muss Haltung zeigen und darf sich nicht von Autokraten für deren Propaganda instrumentalisieren lassen.

Jüngst philosophierte Djokovic: «Sag niemals nie. Denn Limiten sind wie Ängste: oft eine Illusion.» Wie das Mäntelchen des Sports, unter dem sich Nadal und Djokovic noch immer verstecken. Auch das ist: Illusion. Den Fall Khashoggi hätte es nicht einmal gebraucht, um diese unerträgliche Doppelmoral zu entlarven.

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