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Mauricio Pochettino: Ungewöhnlich erfolgreich - und begehrt

Tottenham Hotspur hat sich in der Spitzengruppe der Premier League etabliert. Mit einem ungewöhnlichen Transferverhalten und einem Trainer, der auch bei anderen Clubs Interesse weckt.
Carsten Meyer
Tottenham total: Trainer Maurizio Pochettino. (Bild: Clive Brunskill/Getty (Birkenhead, 4. Januar 2019))

Tottenham total: Trainer Maurizio Pochettino. (Bild: Clive Brunskill/Getty (Birkenhead, 4. Januar 2019))

Gary Neville ist keiner, der es sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst beliebt in der Fussballbranche zu werden. Der ehemalige englische Nationalspieler ist mittlerweile als TV-Experte unterwegs. Und wie früher auf dem Platz scheut er auch in dieser Funktion vor keiner Grätsche zurück. Kaum jemand weiss das besser als Xherdan Shaqiri, der von Neville schon mehrmals verbal von den Beinen geholt wurde. Als Shaqiri vergangenes Jahr zum FC Liverpool wechselte, hielt Neville das jedenfalls nicht gerade für einen Transfercoup. Sein Urteil: «Ich bin ehrlich gesagt kein Shaqiri-Fan. Er ist einfach faul und unprofessionell, das kann man nicht anders ausdrücken.» Rumms. Thema erledigt, der Nächste bitte.

Der Nächste wären dann früher recht oft die Spurs aus Tottenham gewesen. Auch von ihnen ist Neville eigentlich kein Anhänger. Aber erst kürzlich verblüffte er seine Zuhörerschaft mit der Analyse: «Tottenham ist nicht mehr so weich, rückgratlos und lächerlich wie in den 30 Jahren zuvor.» Und schon mal in Schwung empfahl er seinem ehemaligen Arbeitgeber Manchester United auch gleich, er möge sich doch bitte um Spurs-Trainer Mauricio Pochettino als neuen Coach bemühen: «Für mich der ideale Kandidat.»

Pochettino will «20 Jahre hierbleiben»

Der Argentinier hat in den letzten Jahren tatsächlich Erstaunliches geleistet. Er führte den Londoner Club hintereinander auf die Plätze fünf, drei, zwei und drei. Vor dem Spiel heute in Fulham (17 Uhr) steht die Mannschaft wieder auf dem dritten Rang. Mit attraktivem Fussball und deutlich geringerem finanziellen Aufwand als die Konkurrenz. Das hat sich rumgesprochen, neben Manchester United macht sich angeblich auch Real Madrid Gedanken um den Argentinier. Allerdings müssten die Verantwortlichen vorher noch mal einen kurzen Blick in den Geldbeutel werfen. Manchester United soll laut britischen Medien angeblich bereit sein, knapp 50 Millionen Franken Ablöse für den 46-Jährigen auf den Tisch zu blättern. Momentan sieht es jedoch so aus, als könnten sich die Herren den Gang zum Geldspeicher schenken.

Pochettino hat seinen Vertrag im vergangenen Jahr erst um fünf Jahre verlängert. Und bisher macht er nicht den Eindruck, als sei das eine Kurzschlusshandlung gewesen. Ganz im Gegenteil: «Ich wünsche mir, 20 Jahre hierbleiben zu dürfen.»

Dabei pflegt der Club eine Transferpolitik, die der Konkurrenz bestenfalls ein spöttisches Lächeln entlockt. Manchester City hat seit Pep Guardiolas Antritt als Coach 2016 über eine halbe Milliarde Pfund in neue Spieler investiert. Liverpool war vor dieser Saison bereit, 70 Millionen Franken für den Goalie Alisson (AS Rom) zu überweisen. Tottenhams Konter im Sommer 2018 war beeindruckend: Sie verpflichteten keinen einzigen Spieler. Nicht einen! Das gab es in der Premier League seit Einführung des neuen Transfersystems 2003 noch nie. Stattdessen wird in ein neues Trainingsgelände, ein neues Stadion und die Nachwuchsarbeit investiert. «Unsere Akademie ist sehr wichtig», sagt der Vorstandsvorsitzende Daniel Levy, «hier können wir unsere eigenen Spieler hervorbringen.»

Ein Romantiker auf der Trainerbank

So wie den aktuell verletzten Harry Kane, der gleichzeitig Captain, Torjäger und Gesicht des Vereins ist – und mit 25 Jahren sogar noch Entwicklungspotenzial hat. Auch andere Schlüsselspieler Eric Dier (25), Christian Eriksen (26) und Dele Alli (22) zählen noch nicht zu Rentenanwärtern. Zusammen spielen sie einen teilweise hinreissenden Fussball. Ganz so wie es Pochettino gefällt, der zu den seltenen Romantikern auf der Trainerbank gehört. Sein Motto: «Fussball ist ein Spiel, das soll Spass machen.»

Das macht es zweifellos, allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler: Der ganz grosse Erfolg in Form von Titeln ist bisher ausgeblieben. «Wir sind nicht perfekt und müssen uns noch verbessern», weiss auch Alli, «aber ich fühle, dass wir nicht mehr weit von einer Trophäe entfernt sind.» Die Ausgangslage dafür ist aktuell gar nicht so schlecht. In der Liga Dritter, im FA Cup in der vierten Runde, in der Champions League im Achtelfinal und im League Cup in der Runde der letzten vier.

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