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Ungewolltes Aus für FCL-Urgestein Hausi Eberhard

Hausi Eberhard (60) war 33 Jahre lang Trainer beim FC Luzern. Ende letzter Saison ging seine Ära zu Ende. Dem Nachwuchscoach sowie Sport- und Geografielehrer an der Kanti Alpenquai fiel der Abschied schwer.
Daniel Wyrsch
Der Fussball ist eigentlich sein liebster Ball: Hausi Eberhard auf dem Sportplatz der Kanti Alpenquai. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 20. Dezember 2018))

Der Fussball ist eigentlich sein liebster Ball: Hausi Eberhard auf dem Sportplatz der Kanti Alpenquai. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 20. Dezember 2018))

Für Hausi Eberhard geht ein fussballerisch schwieriges Jahr zu Ende. Zwar durfte er im Frühling mit seinem Sohn und Assistenten Cyrill (28) das Double der FE-12 feiern: Cupsieger und Meister­titel in der D-Regionalmeisterschaft mit dem FC Luzern. Cyrill Eberhard war selber 14 Jahre Spieler und 10 Jahre lang Trainer, bevor auch er im Sommer keine Aufgabe mehr beim FCL fand. Mit dem Abpfiff der letzten Begegnung ging eine insgesamt 35-jährige Tätigkeit von Hausi Eberhard beim grössten Fussballverein der Zentralschweiz zu Ende. Obwohl der Abschied bereits über sechs Monate zurückliegt, ist im persönlichen Gespräch zu spüren, dass Hausi Eberhard das ungewollte Aus beim FCL getroffen hat.

Hausi Eberhard war schon einmal während zwei Jahren nicht mehr in der Luzerner Nachwuchsabteilung tätig. Das war, als der brasilianische Ex-Profi Rathino nach seiner Spielerzeit einen Trainerjob in der Juniorenabteilung des FCL brauchte. Präsident Walter Stierli entschied, dass Eberhard seinen Teilzeitposten Rathino zur Verfügung stellen soll. Schliesslich ist Eberhard im Hauptamt Sport- und Geografielehrer an der Kantonsschule Alpenquai, argumentierte Boss Stierli. «Damit hatte er ja recht», sagt der berufene Pädagoge in der Retrospektive.

Der heutige SFV-Direktor holte ihn zurück

Darum trainierte Eberhard zwei Saisons im Frauenfussball, ehe er vom heutigen Technischen Direktor des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), Laurent Prince, zum FCL zurückgeholt wurde. Prince war zu dieser Zeit Nachwuchschef in Luzern. Hausi Eberhard war wieder zurück bei seinem Herzensverein, den er bis zum heutigen Tag als solchen bezeichnet. Dabei ist der gebürtige Grenchner beim FC Wettingen zum Nationalliga-A-Fussballer gereift, für den FCL hat er nie gespielt. Durch seine langjährige Tätigkeit wurde er zum Blauweissen. In seinem Abschiedsschreiben an die Eltern seiner Junioren, an seine Mitarbeiter und alle Trainer sowie den Präsidenten Philipp Studhalter stellte er fest: «Mein Fussballherz bleibt blauweiss.» In Anlehnung an den FCL-Slogan schrieb er: «Mein FCL. Seit 1983. Für immer.»

Schliesslich ist es dem erfahrenen Nachwuchscoach gleich ergangen wie Peter Hauser. Der 74-jährige ehemalige Radio-Pilatus-Sportreporter war beim FCL ebenfalls über drei Jahrzehnte als Trainer, Scout und schliesslich als Berichterstatter für die Medien im Nachwuchs tätig. In der vereinsinternen Verabschiedung der beiden langjährigen Mitarbeiter schreibt der Leiter Nachwuchs, Genesio Colatrella, über Eberhard: «Als Leiter Kinderfussball und FE-12-Trainer machte er über Jahre hinweg einen Topjob für den FC Luzern.»

Hausi Eberhard bereut es nicht, sich beim FCL engagiert zu haben. Von den F-Junioren bis zur U15 coachte er. «Eine höhere
Altersstufe als die 15-Jährigen wollte ich nicht trainieren.» Im Kinderfussball fühlt er sich am wohlsten. «Kinder sind begeisterungsfähig, einzigartig und leben leidenschaftlich für den Sport.» Für sich persönlich war die Zeit beim FCL eine «Lebensschulung», wie er die vielfältigen positiven Erfahrungen bezeichnet. So hatte er um die Jahrtausendwende hautnah erlebt, wie der Verein unter Präsident Albert Koller in akuter Konkursgefahr schwebte. «Ich habe zu dieser Zeit meine Arbeit geleistet, ohne Lohn zu bekommen», erzählt er. Zu Beginn seiner Tätigkeit hatten dem regionalen E-Juniorenteam Spieler gefehlt. «Präsident Romano Simioni schickte mich auf Schulhausplätze in der Stadt, um
künftige Spieler zu finden.» Aus
heutiger Sicht kann man dieses «Scoutingsystem» fast nicht mehr nachvollziehen, haben doch die meisten Clubs zu viele Anfragen von interessierten Jungkickern.

Unzählige FCL-Junioren hat Hausi Eberhard mitgeformt. Zwei sind ihm besonders in Erinnerung geblieben: die späteren Profis Ronny Hodel (Luzern, Young Boys, Basel) und Fabian Lustenberger (Luzern, Hertha Berlin). «Ronny ist mit 5 zu uns gekommen, er war ultraschnell. Als 8-Jähriger wechselte ich ihn in einem SM-Finalspiel ein, und er schoss uns zum Titel.» Bei Fabian Lustenberger hat Eberhard die enorme Entwicklung beeindruckt: «Fäbu ist für mich ein Beispiel für eisernen Willen, er ist ein enorm fleissiger Arbeiter.»

Auf dem Sportplatz der Kanti Alpenquai: Hausi Eberhard. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 20. Dezember 2018))

Auf dem Sportplatz der Kanti Alpenquai: Hausi Eberhard. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 20. Dezember 2018))

Hausi Eberhard ist all die Jahre ebenfalls fleissig geblieben. Ihm war wichtig, immer auf dem neusten Stand der Ausbildung zu sein. Dazu zählten unter anderem die Laufschule, die Koordination, polysportive Trainings sowie der wichtiger gewordene mentale Bereich. Ganz wichtig ist ihm gewesen, die Spieler in ihrem Bestreben, besser zu werden, immer mal wieder zu loben. «Etwas, das meiner Ansicht nach heute zu wenig gemacht wird.»

Strategiewechsel beim FCL-Nachwuchs

Die Luzerner Verantwortlichen begründeten die Trennung von Peter Hauser und Hausi Eberhard mit dem Strategiewechsel im Nachwuchs. In der internen FCL-Mitteilung heisst es: «Die Strategie des SFV sieht vor, die jungen Talente nicht allzu früh in die Struktur des Profivereins einzubinden, sondern möglichst lange bei ihren Stammvereinen zu belassen und mit diesen einen engen Austausch zu pflegen. Der FC Luzern unterstützt diesen Weg und hat deshalb auch die Löwenschule gegründet, die in der ganzen Region ihre Satelliten hat und den Talenten kurze Wege zu den Trainings und langsames
Herangewöhnen an die höheren Fussballstufen ermöglicht. Nach der Löwenschule beginnt die Footeco-Stufe, und ab der U15 wird schliesslich Spitzenfussball gespielt.»

Unter dem Strich würden alle davon profitieren – der FCL, die Region und die jungen Fussballer, ist Nachwuchschef Genesio Colatrella überzeugt. Allerdings ohne Eberhard und Hauser. «Um diese Strategie konsequent umsetzen zu können, hat sich der FC Luzern entschieden, diesen Weg mit neuen Ausbildnern zu gehen.» Hausi Eberhard akzeptiert diesen Entscheid, obwohl er immer noch gerne beim FCL tätig gewesen wäre. Er stört sich vor allem daran, dass er nicht persönlich und respektvoll verabschiedet worden ist.

Für ihn gilt, was einmal eine Unbekannte gesagt hat: «Leben ist das Ausatmen der Vergangenheit und das tiefe Einatmen der Gegenwart, um genügend Luft für die Zukunft zu haben.»

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