FCL-Sportchef Meyer: «Uns fehlen Typen mit Ausstrahlung»

FCL-Sportkoordinator Remo Meyer kritisiert die Leistung der Mannschaft bei der 1:3-Heimniederlage gegen Sion. Der frühere Bundesliga-Profi hat bei den Luzerner Spielern die wichtigsten Tugenden vermisst.

Interview: Daniel Wyrsch
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FCL-Sportkoordinator Remo Meyer findet klare Worte. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 27. Mai 2018)

FCL-Sportkoordinator Remo Meyer findet klare Worte. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 27. Mai 2018)

Der FC Luzern verlor am Sonntag zu Hause gegen das bisherige Tabellenschlusslicht Sion deutlich mit 1:3. Wie haben Sie die Leistung der eigenen Mannschaft gesehen?

Für mich war das ein enttäuschender Auftritt. Die Bilanz der englischen Woche hätten wir nach zwei Niederlagen noch mit einem Sieg versöhnlich abschliessen können. Bei vielen Spielern sah ich zu wenig Emotionen und Biss in diesem Match. Wir haben verdient verloren – es hat einiges nicht zusammengepasst.

Welche Gründe führten dazu?

Uns fehlten die Leadertypen, welche die Mannschaft in die richtige Richtung ziehen können. Die ganze Mannschaft ist nicht auf den Punkt parat und die Spieler sind zu langsam im Kopf gewesen. Der Gegner war abgeklärter und bissiger. Das sind alles Tugenden, die uns stark machen sollten. Feuer und Emotionen haben gefehlt. Dieser Mannschaft fehlen derzeit Typen mit Ausstrahlung.

Was müssen Führungsspieler auf den Platz bringen?

Ich erwarte, dass sie sich wehren, dagegenhalten, sich mehr zeigen. Wir haben Spieler, die ins Ausland gehen möchten. Wenn sie in einer Topliga spielen wollen, sind Persönlichkeit, Winnermentalität und schnelle Handlungsfähigkeit ein Muss.

Der FCL hat im Sommer Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu und Torhüter Jonas Omlin an die Liga-Konkurrenten Zürich und Basel abgeben müssen, beide waren Leistungsträger. Hat das Team mit Kryeziu und Omlin so viel Persönlichkeit und Siegeswillen verloren?

Stand heute hat Goalie Mirko Salvi noch nicht die Ausstrahlung und Präsenz, aber auch Jonas Omlin musste zuerst in diese Position hineinwachsen. Hekuran Kryeziu hatte bestimmt Kämpferqualitäten, aber auch ihn müssten wir ersetzen können.

Trainer René Weiler hat im Vorfeld der Partie gegen Sion wiederholt in Interviews gesagt, dass sein Team mittelmässig sei. Er hat in der Sache recht, doch demotiviert er mit solchen Aussagen nicht die Spieler?

Diesen Aussagen messe ich nicht viel Gewicht bei. Neun Mannschaften – zählt man Basel dazu – sind in der Super League Mittelmass. Das kann unsere Chance sein, wenn wir wieder leidenschaftlich Fussball spielen. Wir haben eine neue Führung und Spielidee. Da wächst etwas zusammen, ich bin voll und ganz überzeugt, dass sich die Mannschaft entwickelt und der Trainer eine gute Arbeit macht. Mit der Rückkehr der Verletzten entsteht endlich Konkurrenzkampf, zuvor war man zu lieb untereinander.

Nächster Gegner ist am Samstag in Bern YB mit der Bilanz: 9 Spiele, 9 Siege, 32:6-Tore.

Als einziger Verein ist YB unantastbar. In Sachen Speed und Robustheit spielen die Berner fast in einer eigenen Liga. Wir müssen frech sein, an uns glauben, unsere kleine Chance nutzen.