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UNSPUNNEN: 60 Sekunden vom Titel entfernt

Joel Wicki (20) sorgt mit einem vermeintlich gestellten Gang gegen Kilian Wenger für den Aufreger des Vormittags. Am Nachmittag erbt der Sörenberger um ein Haar den Festsieg. Und am Abend ist er unsicher, ob sein zweiter Platz ein Erfolg ist.
Claudio Zanini, Interlaken
Feierte bei seinen sechs Einsätzen fünf Siege: der Sörenberger Joel Wicki. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Interlaken, 27. August 2017))

Feierte bei seinen sechs Einsätzen fünf Siege: der Sörenberger Joel Wicki. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Interlaken, 27. August 2017))

Claudio Zanini, Interlaken

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Man wusste im Moment des Triumphes von Christian Stucki nicht so recht, was man aus Innerschweizer Sicht zu denken hatte. Sollte man jauchzen über den zweiten Platz von Joel Wicki? Oder enttäuscht sein, weil er ­wegen einer knappen Minute ­ am Unspunnen-Titel vorbeischrammte? (Und knapp 60 Sekunden sind eine kümmerliche Grösse im Vergleich zu den sechs langen Jahren bis zum nächsten Unspunnen.) Vielleicht müsste man sich auch echauffieren über die beiden Berner im Schlussgang, die bei der letzten Gelegenheit doch noch einen Sieger fanden. Hätten sie die 16-minütige Gangdauer ohne Resultat verstreichen lassen, der Sörenberger Wicki wäre zum oft zitierten lachenden Dritten geworden. Es wäre ein besonders humorvoller lachender Dritter gewesen. Denn Wicki hat in diesem Sommer verletzungsbedingt sechs Wochen pausiert, die Unspunnen-Teilnahme stand auf dem Spiel.

Vielleicht einigt man sich besser auf eine besonders umsichtige Cleverness der beiden Berner Teamkameraden Christian Stucki und Curdin Orlik, die den Sieg nicht leichtsinnig an einen anderen Verband herschenkten. Zwei Innerschweizer, zwei Nordost-, zwei Nordwest- oder zwei Südwestschweizer, ja wir alle hätten wohl ebenso ein Unentschieden vermieden in derselben Situation.

Ob durch die Innerschweizer Brille das Abschneiden nun ein freudiges oder leidiges ist, wusste dafür Peter Achermann. Schliesslich ist er Präsident des Innerschweizer Schwingerverbands. Der Urner aus Sisikon ordnete, während Stucki noch auf dem Festplatz gefeiert wurde, bereits sachlich ein. «Ich bin stolz auf unsere Truppe, wir können zufrieden sein, wir haben dieses Fest mitgeprägt.» Die Analyse von Achermann ist nicht geschönt. Für Aufsehen sorgte man vor allem im vierten Gang, was sich in der Zwischenrangliste ­folgendermassen niederschlug: Hinter den ersten beiden Plätzen (Stucki und Orlik – dort war Armon noch besser klassiert als Bruder Curdin) folgten drei Innerschweizer auf dem dritten Rang – Wicki, Reto Nötzli und Sven Schurtenberger. Wicki hatte soeben den Brünig-Co-Sieger Bernhard Kämpf auf den Rücken gelegt, Nötzli tat Gleiches mit König Matthias Sempach, Schurtenberger bodigte Thomas Sempach. Ein Innerschweizer Paukenschlag. «Wir werden kämpfen bis zum Ende», sagte Wicki hinterher in der Mixed Zone. Man wollte sich auch als Unbeteiligter warm anziehen.

Doch dann musste sich eben der eine oder andere opfern. Vorderhand Sven Schurtenberger, der Christian Stucki zugeteilt wurde. Es gibt wohl keinen Menschen in der Schweiz, dem Schurtenberger nicht ein Unentschieden abringen könnte. Und der Schwinger aus Buttisholz tat dies auch mit Stucki, wie bereits am Innerschweizerischen in Alpnach. In der Endabrechnung liess Stucki nur gegen Schurtenberger Punkte liegen, sonst sind da lauter Maximalpunktzahlen auf dem Notenblatt.

«Damit darfst du dich nicht beschäftigen»

Die Standfestigkeit von Schurtenberger ist mit ein Grund, dass Joel Wicki in die verlockende Situation kam, den Sieg zu erben. Der andere Grund war Wicki selbst. Gegen fünf Eidgenossen trat er an, viermal gewann er. Nur gegen Kilian Wenger musste er sich mit einem Gestellten abfinden. Das Duell sorgte für den Aufreger des Vormittags. Denn eigentlich schien der Schwingerkönig von 2010 geschlagen. Nach einem Kurzzug von Wicki drehte sich Wenger vor dem Bodenkontakt noch heraus. Die Kampfrichter sahen kein Resultat, die TV-Bilder zeigten hinterher, dass sie sich irrten. Doch zum Lamentieren war Wicki nicht in Stimmung. «Mit solchen Dingen darfst du dich nicht beschäftigen. Das bringt nichts.»

Ob er nun glücklich sei mit der Spitzenklassierung, wird Wicki gefragt. «Doch, doch. Eigentlich bin ich schon zufrieden.» Es spricht für Wickis Ehrgeiz, dass er bei dieser Aussage nicht besonders ehrlich wirkt.

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