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Unwichtige Testspiele gibt es nicht mehr

Kommentar zur Schweizer Fussball-Nationalmannschaft
Raphael Gutzwiller
Sportredaktor Raphael Gutzwiller. (Bild: Manuela Jans)

Sportredaktor Raphael Gutzwiller. (Bild: Manuela Jans)

Das Länderspieljahr 2018 startet heute mit einem Testspiel in Griechenland. Am Dienstag folgt in Luzern das Duell zwischen der Schweiz und Panama. Die Testspiele simulieren die WM-Gruppenspiele gegen Serbien und Costa Rica.

Zwar geht es nicht wie üblich um drei Punkte pro Spiel, dennoch ist die Woche für die Schweizer Mannschaft wichtig. Vor zwei Jahren bekundete sie genau in dieser Phase grosse Mühe. Damals stand die Europameisterschaft 2016 in Frankreich vor der Tür. Viele Spieler waren jedoch wegen Verletzungen oder wenig Einsatzzeit in ihren Vereinen unzufrieden. Darunter soll mitunter der Teamgeist gelitten haben. Medial war in der damaligen Qualifikationskampagne sogar von einem «Balkangraben» die Rede. Ob es diesen wirklich gab, ist bis heute unklar. Tatsache ist: Die Schweiz verlor in der Folge die Testspiele gegen Irland (0:1) und Bosnien-Herzegowina (0:2). Die Stimmung im und rund um das Nationalteam sank rund zwei Monate vor der EM auf den Nullpunkt.

Man habe daraus gelernt, sagen Petkovic und Captain Lichtsteiner vor den erneuten Testspielen unisono. Und das ist auch zu hoffen, denn die heutige Personalsituation ist mit derjenigen von vor zwei Jahren direkt zu vergleichen. Schär, Seferovic, Zuber, Drmic, Fernandes und Moubandje spielten zuletzt nur wenig, Djourou und Behrami waren lange verletzt, Sommer und Xhaka sind mit ihren Vereinen unter Druck. Und selbst Captain Lichtsteiner ist in einer schwierigen Situation, steht bei Juventus vor einer ungewissen Zukunft.

Dass Petkovic dennoch an diesen Spielern festhält, ist richtig. Die unter seinem Vorgänger Ottmar Hitzfeld aufgestellte Maxime, dass nur Spieler aufgeboten werden, die im Verein regelmässig spielen, gilt schon lange nicht mehr. Für ein kleines Land wie die Schweiz ist sie nicht konsequent umsetzbar. Es gibt keine Shaqiris, Sommers und Xhakas im Überfluss. Nicht einmal Seferovics.

In der unmittelbaren Vorbereitung auf die EM-Endrunde konnte Petkovic, der ehemalige Sozialarbeiter, das Team gerade noch rechtzeitig zusammenschweissen. Als die EM startete, war der Teamgeist intakt. Dennoch sagte Petkovic später, das Nationalteam hätte an der EM mehr erreicht, wenn es sich im Jahr davor ausschliesslich auf den Fussball hätte konzentrieren können.

Deshalb ist es Petkovic so wichtig, dass sich die Spieler in der Schweizer Nationalmannschaft wohl fühlen. So gesehen gibt es keine unwichtigen Testspiele mehr. Die Nati ist zur «Wohlfühloase» geworden, in der Spieler Selbstvertrauen tanken und das Vertrauen des Trainers spüren können. Es lohnt sich: Schär, Seferovic und Djourou spielen in der Nati seit Jahren besser als im Klub.

Deshalb akzeptiert Petkovic auch die Absage seines Starspielers Xherdan Shaqiri, der angeschlagen auf die beiden Testspiele verzichtet. Mit Stoke City steckt Leistungsträger Shaqiri im Abstiegskampf. Klar hätte ihn Petkovic gegen Griechenland und Panama gerne dabeigehabt. Er weiss aber auch, dass er seinen Flügelspieler bei Laune halten muss. Dass er im Sommer einen fitten Shaqiri in Spiellaune braucht, ist unbestritten.

Für andere Spieler können die Testspiele aber von entscheidender Bedeutung sein: etwa für Seferovic und Schär, die zeigen wollen, dass sie es noch können, für Drmic, der sich nach langer Verletzungspause im Nationalteam zurückmelden will, und für Oberlin, der noch auf den WM-Zug aufspringen will.

Die Testspiele sind nicht zu unterschätzen, schon jetzt kann die Nationalmannschaft das Fundament für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft legen. 1994, 2006 und 2014 schied die Schweiz im Achtelfinal aus, in diesem Jahr will sie in den Vier- tel­final. Anpfiff ist am 17. Juni gegen Brasilien. Bis dahin gibt es nur noch wichtige Termine für die Schweizer Fussballer.

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

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