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US SPORTS: Clint Capela, der Überflieger im Basketball

Der Genfer Basketballer Clint Capela (23) mischt mit den Houston Rockets die amerikanische NBA-Liga auf. Dass die Rockets zu den Titelkandidaten zählen, ist auch das Verdienst des jungen Centers.
Nicola Berger
Der Schweizer Basketballprofi Clint Capela skort am Weihnachtstag für die Houston Rockets. (Bild: Layne Murdoch/Getty (Oklahoma City, 25. Dezember 2017))

Der Schweizer Basketballprofi Clint Capela skort am Weihnachtstag für die Houston Rockets. (Bild: Layne Murdoch/Getty (Oklahoma City, 25. Dezember 2017))

Nicola Berger

sport@luzernerzeitung.ch

Es war im Sommer 2014, als die Houston Rockets in der ersten Runde des NBA-Drafts Clint Capela auswählten, einen schlaksigen 20-Jährigen aus Genf, den die Analysten aufgrund seiner Herkunft einen Exoten nannten. Mit Thabo Sefolosha hatte es seit der Liga-Gründung 1946 zuvor ein einziger Schweizer in die NBA geschafft. Kein Wunder, herrschte Skepsis. Dwight Howard, der damalige Center der Rockets, erinnert sich: «Alle sagten: Was wollen die denn mit dem? Er ist viel zu dünn. Aber es war immer klar, wie viel Potenzial er hat.»

Howard sagt, er habe am Können Capelas nie gezweifelt. Andere brauchten länger, um sich so sicher zu werden. Aber jetzt, im Dezember 2017, liegt Capela die Liga zu Füssen. Nicht primär aufgrund seiner Körpergrösse von 2,08 Metern. Sondern aufgrund seiner famosen Darbietungen. In seinem vierten Jahr in der texanischen Metropole hat Capela sich unverzichtbar gemacht. Er verwandelt fast 70 Prozent seiner Wurfversuche in Punkte, überzeugt als Rebounder und mit Spielintelligenz. Dass die imposante Serie der Rockets von 14 Siegen in Serie zuletzt just in jener Partie riss, in der Capela verletzt aussetzen musste – es ist kein Zufall. Denn der Genfer ist hinter den Lichtgestalten James Harden und Chris Paul zum drittwichtigsten Profi aufgestiegen. Es ist auch sein Verdienst, dass die Rockets hinter den Golden State Warriors und Cleveland Cavaliers als Titelfavorit gehandelt werden. Mit einer Bilanz von 25 Siegen und 7 Niederlagen ist Houston kein Geheimtipp mehr – und Capela ist es auch nicht. Jarrett Allen, der junge Center der Brookyln Nets, sagte jüngst, Capela sei sein Vorbild, er schaue sich viel von ihm ab. Die Aussage steht symbolisch für die rasante Verwandlung Capelas: vom Nobody zum Idol.

Die Wurzeln sind in Genf

Allen ist nicht der Einzige, der für Capela schwärmt. Daryl Morey, der General Manager Houstons, sagt, Capela sei der «Prototyp des perfekten Rockets-Center». Was einer Art Ritterschlag gleichkam, weil Houston für seine reiche Center-Tradition bekannt ist: Hakeem Olajuwon, Moses Ma­lone, Yao Ming. In einem Atemzug mit diesen Granden genannt zu werden – es ist eine Ehre. Einer, der das gerechtfertigt findet, ist der Trainer Mike D’Antoni. Er sagte der NZZ schon im Vorjahr, aus Capela könne auf seiner Position einer der besten Spieler der Liga werden.

Der Weg dahin war weit. Capela sagt, er habe sich erst an die Gepflogenheiten der NBA gewöhnen müssen, an die Anforderungen, den Zirkus, daran, dass Film- und Musikstars am Spielfeldrand sitzen. Und auch, dass er selber zur populären Figur geworden sei, die erkannt werde in den Restaurants der Stadt.

Die Glitzerwelt der NBA, sie ist neu für Capela. Er wuchs in einfachen Verhältnissen an der Genfer Rue des Délices auf, unweit der Charmilles, des früheren Fussballstadions des Servette FC. In Obhut einer alleinerziehenden Mutter, die mit dem Lohn einer Fabrikarbeiterin eine vierköpfige Familie durchbringen musste. Capela spielt Fussball als Kind, er ist Stürmer bei Versoix und träumt sanft von einer Profikarriere. Doch der ältere Bruder Landry schreibt ihn bei Meyrin Basket ein, mit 13 Jahren. Basketball wird seine Berufung. Der Sport bietet genug Stoff, damit er sich nicht ablenken lässt, nicht in die Fänge falscher Freunde gerät. Was keine Selbstverständlichkeit ist, wie der Fall seines Cousins Tshery Capela zeigt. Tshery Capela, fast zwei Meter gross, hat kürzlich seine Memoiren veröffentlicht, er hat einiges zu erzählen: 2006 wurde er für ein Tötungsdelikt zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt, nach acht Jahren und acht Monaten kam er frei; gute Führung. Clint Capela geht Problemen aus dem Weg, auch in Houston, einer Stadt, über die der Football-Profi Josh Huff kürzlich sagte, er könne sich in ihr nicht sicher fühlen, ohne eine Schusswaffe zu tragen.

Der grosse Reibach winkt

Capela hat all das hinter sich gelassen. Und er hat gute Chancen, bald zum bestverdienenden Schweizer Team-Sportler aufzusteigen. Derzeit verdient er 2,34 Millionen Dollar pro Jahr, was viel Geld ist, aber für den NBA-Standard ein Butterbrot. Seit die Liga einen milliardenschweren TV-Vertrag unterschrieb, fliesst das Geld in Strömen. Der Durchschnittslohn beträgt über 5 Millionen Dollar. Und bei Capela dürfte der Reibach deutlich grösser werden. Sein Agent Darren Matsubara handelte im Herbst 2016 einen mit 100 Millionen Dollar dotierten Vierjahresvertrag für Steve Adams aus, den Center der Oklahoma City Thunder, der ein Jahr älter als Capela ist. Auch der Schweizer könnte bald vergoldet werden, die Rockets haben jedenfalls ein Interesse daran, ihr Juwel langfristig zu binden.

Denn Capelas Bedeutung für Houston geht über das Werfen von Körben hinaus. Eines der Erfolgsgeheimnisse der Rockets ist die Chemie im Team – was auch das Verdienst Capelas ist. Er freundete sich früh mit James Harden an, dem Aushängeschild der Organisation, dessen markanter Bart im Toyota-Center als Fan-Utensil verkauft wird. Harden und Capela verbindet ein ausgeprägter Glaube an Gott, ihnen sind ähnliche Dinge wichtig im Leben, siegen und beten. Letzteres ist vielleicht kein schlechter Ratgeber: Angesichts der erdrückenden Dominanz der Golden State Warriors können Clint Capela und die Houston Rockets jeden Beistand gebrauchen.

NBA-Basketball

Denver – Utah (ohne Sefolosha/Ersatz) 107:83. Detroit – Indiana 107:83. Dallas – Toronto 98:93. Miami – Orlando 107:89. Milwaukee – Chicago 106:115. San Antonio – Brooklyn 109:97. Phoenix – Memphis 99:97. Los Angeles Clippers – Sacramento 122:95.

Western Conference: 1. Golden State 27/7 (79,4). 2. Houston (Capela) 25/7 (78,1). 3. San Antonio 24/11 (68,6). 4. Minnesota 21/13 (61,8). 5. Denver 19/15 (55,9), Oklahoma City 19/15 (55,9). 7. New Orleans 17/16 (51,5), Portland 17/16 (51,5). 9. Utah (Sefolosha) 15/20 (42,9). 10. Los Angeles Clippers 14/19 (42,4). 11. Phoenix 13/23 (36,1). 12. Los Angeles Lakers 11/21 (34,4). 13. Sacramento 11/22 (33,3). 14. Memphis 10/24 (29,4). 15. Dallas 10/25 (28,6).

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