US SPORTS: Generationenduell der Quarterbacks

Die 50. Super Bowl steht im Zeichen des Duells Peyton Manning gegen Cam Newton. Für den verblüffenden Routinier Manning dürfte der Vergleich gleichbedeutend mit seiner Dernière sein.

Nicola Berger
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Peyton Manning von den Denver Broncos. (Bild: AP Photo/David Zalubowski)

Peyton Manning von den Denver Broncos. (Bild: AP Photo/David Zalubowski)

Nicola Berger

San José an diesem Dienstag, die NFL hat zum Medientermin geladen. Und zwar nicht nur die 5500 akkreditierten Journalisten, sondern auch einige tausend zahlende Besucher. Man muss sich das vorstellen: Menschen entrichten Eintritt, 27.50 Dollar, um dabei zuhören zu können, wie Medienschaffende für ein paar Minuten lang Allerweltsfragen stellen. Es ist der ganz normale Wahnsinn der Super Bowl.

Oben auf dem Podium steht Cam Newton (26), der Quarterback der Carolina Panthers und die grosse Entdeckung der Saison. Newton ist ein Meister der Selbstinszenierung. Zur Begrüssung legt er eine Rap-Einlage ein. Peyton Manning (39), der Kontrahent Newtons, präsentiert sich da nüchterner. Manning hat wenig Flair für Firlefanz – und aufgrund seines fortgeschrittenen Alters ein paar gesundheitliche Probleme. Die Schlagzeile der Woche liefert er mit dieser Aussage: Sein Doktor habe ihn darauf hingewiesen, dass er mittelfristig ein künstliches Hüftgelenk brauchen werde.

Der Kontrast könnte extremer nicht sein: Hier der vife Newton, dort das Fossil Manning, es trennen sie 13 Jahre – noch nie war der Altersunterschied zwischen zwei Super-Bowl-Quarterbacks so gross. Die Ausgangslage scheint entsprechend klar; der Favorit heisst Carolina. Allein: Bedeuten muss das nichts – im American Football sind Prognosen wenig wert, zu viel kann geschehen in diesem rasanten Sport, bei dem jeder Spielzug plötzlich alles auf den Kopf stellen kann.

Der Abschied aus Indianapolis

Niemand weiss das besser als Manning, der in diesen Tagen nicht zum ersten Mal abgeschrieben wird. Im Mai 2011, damals noch in Diensten der Indianapolis Colts, musste er sich einer Genickoperation unterziehen und fiel ein ganzes Jahr aus. Die Colts verpflichteten mit Andrew Luck einen Ersatz – und Manning zog zu den Denver Broncos weiter, wo er mit einem 96 Millionen Dollar schweren Fünfjahresvertrag ausgestattet wurde. Das Manöver schien riskant: Niemand wusste, ob Manning je wieder würde spielen können – geschweige denn sein altes Rendement erreichen. Doch die Gelegenheit war einmalig; es ist sehr selten, dass ein Mann vom Format Mannings auf dem freien Markt landet.

Bereuen musste Denver den Schritt nie. 2013 führte Manning die Broncos, diesen schlafenden Riesen, in die Super Bowl, nach 15 Jahren Abstinenz. Und inzwischen gehören ihm fast alle Passrekorde in der NFL.

Was ihm fehlt, ist die Krönung – und das ist kein Zufall. Seine Bilanz im Playoff ist durchwachsen (13 Siege, 13 Niederlagen), und das Verhältnis zur Super Bowl ist zwiegespalten: Von vier Endspielen gewann er nur eines, 2006 mit Indianapolis gegen Chicago. Mit dieser Ausbeute hat er sogar familienintern das Nachsehen: Der als weniger begabt geltende jüngere Bruder Eli, Quarterback der New York Giants, holte bereits zwei Titel.

Für Peyton Manning dürfte der Vergleich mit Newton die letzte Chance sein, mit seinem Bruder immerhin gleichzuziehen. Denn gemeinhin wird angenommen, dass er nach dem Schlusspfiff seinen Rücktritt verkündet.

Mannings miserable Saison

Doch Manning als Champion? Es ist schwer vorstellbar, vor dem grossen Showdown in Santa Clara (Kalifornien). In der Qualifikationsphase war er statistisch gesehen der schlechteste Nummer-1-Quarterback der Liga: 9 Touchdowns, 17 Interceptions, ein Rating von unterirdischen 67,9. Nachdem Kansas City im November vier seiner Pässe abfing, wurde er auf die Bank gesetzt und fiel danach wochenlang verletzt aus. Erst im Playoff kehrte er zurück, und obwohl ihm bei den Siegen über Pittsburgh und New England solide Darbietungen gelangen, muss man festhalten: Die Broncos stehen nicht wegen Manning in der Super Bowl. Sondern trotz ihm. Und in erster Linie dank ihrer überragenden Defensive.

Für Manning steht gegen Carolina darum viel auf dem Spiel. Es geht auch darum, wie das Vermächtnis seiner Karriere dereinst beurteilt werden wird. Kann man ihn mit gutem Gewissen als besten Quarterback aller Zeiten bezeichnen, wenn Tom Brady doch drei Super-Bowl-Ringe mehr an den Fingern stecken hat?

Es ist eine ewige Debatte, aber Manning würde seinen Befürwortern in der 50. Super Bowl gerne ein paar zusätzliche Argumente liefern. Die letzte Mission seiner gloriosen Karriere wird gleichzeitig die schwierigste. Denn der perfekte Abgang, der Abschied auf dem Höhepunkt, er ist nicht vielen vergönnt im Profisport.