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Velos mit Hilfsmotoren verkaufen sich gut

Luc Geysen ist ein viel beschäftigter Mann. Er fahndet an der diesjährigen Tour de France nach clever versteckten Motoren.
Tom Mustroph, Angers
Am vergangenen Samstag in Mont-Saint-Michel: Ein Kontrolleur sucht die Rennvelos mit seinem Tablet nach versteckten Motoren ab. (Bild: Getty/Bryn Lennon)

Am vergangenen Samstag in Mont-Saint-Michel: Ein Kontrolleur sucht die Rennvelos mit seinem Tablet nach versteckten Motoren ab. (Bild: Getty/Bryn Lennon)

Tom Mustroph, Angers

Vor jedem Start einer Tour-Etappe nimmt Luc Geysen, der Kommissar des Weltradsportverbands UCI, der im normalen Leben Unternehmensberater ist, seinen Tablet-Computer. Disen fährt er entlang an Rahmen und Tretlager der Velos, die noch auf den Begleitfahrzeugen montiert sind oder bereits an den Bussen lehnen.

Etwa 100 Kontrollen macht Geysen vor dem Start, etwa 50 sind es im Ziel. Nur wenige Sekunden dauert so ein Scan, der magnetische Schwingungen misst, und so Motoren aufspüren soll. Gefunden hat Geysen bei der Tour bisher nichts, versichert er. «Ich habe auch niemals geglaubt, etwas zu finden, bis es dann doch passierte», sagt er.

Das «dann doch» geschah im Frühjahr, als die UCI im Rad der belgischen Crossfahrerin Femke Van den Driessche einen Elektromotor fand. Wer den Scanner damals in der Hand hielt, war ausgerechnet Geysen. Seitdem glaubt er nicht mehr, dass die Kontrollen, die er durchführt, sinnlos sind oder bestenfalls der Abschreckung dienen.

Auch Cancellara wurde beschuldigt

Gerüchte über Velos mit Hilfsmotoren im Profi-Peloton gibt es seit mindestens sechs Jahren. Der Berner Fabian Cancellara war der erste, der dieser Art von Betrug bezichtigt wurde. Bewiesen ist bisher nichts, zumindest nicht im Velosport der Männer. Dass ausgerechnet eine junge Frau wie Van den Driessche die Erste sein soll, die solcherart Betrugstechnologie einsetzt, glaubt niemand.

Zwischen 20 000 und 50 000 Euro

Rennräder mit Hilfsmotoren werden viel verkauft. Bei Bhoss Bikes im italienischen Empoli bauen die Mechaniker Motoren der Marke Vivax in Rennradrahmen, die sie selbst aus Karbon herstellen. Die Batterie bringen sie ebenfalls im Rahmen unter. Darauf ist Geschäftsinhaber Alessandro Bartoli besonders stolz. Andere Anbieter müssen die Batterie noch in der Trinkflasche oder in der Werkzeugtasche unterbringen. «Das sieht man von aussen, und hier in Italien wirst du beschimpft, wenn die Batterie zu sehen ist», erzählt er. Bei ihm sieht man weder Motor noch Batterie. Bartoli versichert, dass er nur an Radamateure verkaufe. Aber wer weiss schon, ob ein Profi nicht seinen Onkel, Neffen oder Cousin für den Kauf vorschickt, gibt er zu.

Ein Vivax-Motor wurde dann auch bei Femke Van den Driessche gefunden. Etwa 15 Zentimeter sind diese Motoren lang, der Durchmesser ist kleiner als der eines Velorahmens. Auf solche Motoren schlägt die Scantechnik der Rad-Welverbandes an.

Es sind aber noch andere Motoren im Umlauf. Die, die Istvan Varjas, genannt «Stefano», herstellt, sind nur etwa 5 cm lang. Bei Bike Express in Budapest sind die Motoren gerade nicht auf Lager, als der Reporter im Juni dort vorspricht. Aber die Verkäufer bestätigen, dass Varjas über sie seine Motoren vertreibt. Er schneidet die Rahmen der Kunden auf und baut dort die Motoren ein. Preise von 20 000 bis 50 000 Euro wurden in der Vergangenheit für diesen Service kolportiert. Hätte der Reporter sein Velo mit dabei gehabt, wäre es auch für 7000 Euro zu machen gewesen, offeriert zumindest der Händler. Das ist billiger, als früher eine ausgedehnte Epo-Kur. Motordoping droht, zumindest von den Preisen her, zu einem Massengeschäft zu werden.

Plötzlich war Varjas verschwunden

Dass Motoren von Varjas auch bei den Profis eingesetzt werden – davon ist der Händler in Budapest überzeugt. Namen nennt er nicht. Bekannt immerhin ist sein Geschäft in der Szene. Eddy Merckx kaufte vor ein paar Wochen ein Velo, Greg Lemond hinterliess ein Autogramm. Und von Alexander Winokurow hängt ein Ersatzrahmen aus seiner Zeit bei T-Mobile als Museumsstück im Geschäft. Mit Rückschlüssen auf Motoren soll man allerdings auch vorsichtig sein. Das Hauptgeschäft sind immer noch konventionelle Rennvelos.

Ernster stimmt, dass Varjas im letzten Jahr bei der Tour de France gesehen wurde – und schnell verschwand, als ein UCI-Mitarbeiter ihn über Dritte über eine Ermittlung der französischen Polizei informierte, in deren Rahmen eben auch Varjas vernommen werden sollte.

Seitdem traut Frankreich der UCI in Sachen Motorkontrollen nicht mehr recht über den Weg. Die Atomenergiekommission des Landes hat im Auftrag von Sportministerium und Tourorganisator ASO nun Wärmebildkameras entwickelt, die während des Rennens eingesetzt werden können. Wie viele Motorräder mit diesen Kameras unterwegs sind, verriet die französische Antidopingagentur AFLD nicht. UCI-Kommissar Geysen ist froh über diese Kontrollkonkurrenz. «Je mehr man sucht, desto besser», sagt er.

Cavendish wie einst Hinault

3. ETAPPEsda. Zwei Tage nach seinem Sieg zum Auftakt der 103. Tour de France triumphierte Mark Cavendish auch im Massensprint in Angers. Der Brite fing in der 3. Etappe auf den letzten Metern noch um Reifenbreite André Greipel ab. Weltmeister Peter Sagan behielt das Leadertrikot.
Auf der breiten, leicht ansteigenden Zielgeraden im Zentrum von Angers sah André Greipel lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Dies glaubte auch der Deutsche selbst, der nach dem Überqueren der Ziellinie siegesgewiss jubelte. Doch Greipel hatte die Rechnung ohne Mark Cavendish gemacht. Der 31-Jährige aus Grossbritannien hatte lange am Hinterrad seines zwei Jahre älteren Konkurrenten gelauert. Als Cavendish schliesslich antrat und seine Topgeschwindigkeit erreichte, konnte er Greipel noch hauchdünn abfangen.

Greipel muss Fehler zugeben
«Bei Sprints geht es oft eng zur Sache. Ich wusste, dass Greipel vor mir beschleunigen würde, da er am Samstag nicht gewonnen hatte», sagte Cavendish, der Weltmeister von 2011. «Doch ich konnte ihn aus dem Windschatten überholen.» Greipel seinerseits gab zu, dass er einen Fehler gemacht habe. «Aus Reflex hatte ich den höchsten Gang reingelegt, doch der war am Ende zu hoch», so der Deutsche selbstkritisch.
Insgesamt ist Cavendish bei der «Grande Boucle» bei 28 Tagessiegen angelangt. Damit egalisierte er die Marke des fünffachen französischen Gesamtsiegers Bernard Hinault.

103. Tour de France. 3. Etappe, Granville– Angers (223,5 km): 1. Cavendish (GBR) 5:59:54. 2. Greipel (GER). 3. Coquard (FRA). 4. Sagan (SVK). 5. Theuns (BEL). 6. Holst Enger (NOR). 7. Kittel (GER). 8. Laporte (FRA). 9. McLay (GBR). 10. Groenewegen (NED). 11. Kristoff (NOR). 12. Matthews (AUS). 13. Degenkolb (GER). 14. Cimolai (ITA).
15. Alaphilippe (FRA).

Ferner: 19. Nibali (ITA). 22. Froome (GBR).
23. Quintana (COL). 29. Aru (ITA). 31. Barguil (FRA). 36. Valverde (ESP). 47. Hollenstein (SUI). 52. Frank (SUI). 59. Reichenbach (SUI). 64. Pinot (FRA). 77. Contador (ESP). 79. Schär (SUI).
95. Morabito (SUI). 103. Elmiger (SUI). 109. Rast (SUI), alle gleiche Zeit. 150. Cancellara (SUI) 0:44 zurück. 152. Albasini (SUI), gleiche Zeit.

Gesamtklassement:1. Sagan 14:34:36. 2. Alaphilippe 0:08. 3. Valverde 0:10. 4. Froome 0:14. 5. Barguil. 6. Quintana. 7. Kreuziger (CZE).
8. Gallopin (FRA). 9. Aru. 10. Martin (IRL).
11. Rolland (FRA). 12. Matthews. 13. Dumoulin (NED). 14. Kelderman (NED). 15. Van Avermaet (BEL), alle gleiche Zeit.

Ferner:27. Frank 0:24. 28. Nibali 0:25. 30. Reichenbach. 31. Pinot, beide gleiche Zeit. 50. Morabito 0:49. 57. Contador 1:02. 70. Cavendish 1:39. 78. Hollenstein 1:59. 83. Cancellara 2:26. 85. Albasini 2:37. 94. Rast 3:06. 124. Schär 6:10. 162. Elmiger 8:29.

4. Etappe (heute): Saumur–Limoges (237,5 km).

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