Reaktionen

Verkauf nach Hong Kong: GC ist jetzt «ein kleines Rädchen in einer gewaltigen Maschinerie»

Die Übernahme der Grasshoppers durch die in Hongkong ansässige Champion Union HK Holdings Limited löst kontroverse Reaktionen aus. Ein paar Hintergründe werfen Fragen auf.

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(Symbolbild)

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watson.ch

Soll man sich freuen, dass die mittelfristige Zukunft der Grasshoppers dank dem auf zehn Jahre angelegten Deal mit der im Februar gegründeten Firma der chinesischen Kunsthändlerin Jenny Wang gesichert ist? Dass der Klub über neue Mittel verfügt, um nach dem Absturz in die Challenge League wieder eine Adresse im Fussball zu werden und dass es sich um scheinbar seriöse Investoren handelt? Oder sind die Gefahren des Fremdeinflusses zu gross und hat der Grasshopper Club Zürich seine Seele verkauft?

Der Einstieg der mit dem Premier-League-Klub Wolverhampton und dem mächtigen portugiesischen Spielerberater Jorge Mendes verbandelten Firma der neuen GC-Besitzerin Jenny Wang spaltet die Gemüter.

Andy Egli: "So gesehen muss man dankbar sein"

Im «SonntagsBlick» bedauern ehemalige GC-Grössen, dass sich keine Schweizer Investoren mehr finden liessen. Den Besitzerwechsel werten sie aber alle überwiegend positiv. Andy Egli etwa, einst viermal Meister mit den Grasshoppers und heute Fussball-Experte beim SRF, sagt: «Man kennt die Menschen hinter diesem chinesischen Unternehmen ja nicht, die kommen von weit her. Was sie aber zuletzt bei den Wolverhampton Wanderers erreicht haben, ist grossartig. So gesehen muss man dankbar sein, dass bei GC jemand in die Bresche springt und damit wesentlich dazu beiträgt, dass der Klub weiterbestehen und hoffentlich bald wieder in der höchsten Liga spielen kann.»

Das Geflecht, das hinter der Übernahme steckt, sorgt indes für Skepsis, ebenso wie die Gefahr eines Identitätsverlusts und die Befürchtung, dass auf dem Campus kein Platz mehr für junge Schweizer Talente sein könnte. «GC hat endlich einen Besitzer mit erheblicher Finanzkraft gefunden, der Klub bezahlt aber auch einen Preis dafür. Er setzt seine Identität und seine Tradition quasi als Pfand ein», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung» in ihrer Samstagausgabe. Treffend fasst sie die neue Situation zusammen: «Die Zeiten, als GC aus gesellschaftspolitischen Gründen und Gönnerhaftigkeit aus der Zürcher Wirtschaft unterstützt wurde, sind vorbei. Dieser Kulturwandel wird zur grössten Herausforderung. Denn GC gerät als kleines Rädchen in die gewaltige Maschinerie und den Einflussbereich eines chinesischen Grosskonzerns.»

Besonders kritisch beäugt die «Sonntagszeitung» die Übernahme. «Der grosse Plan mit dem kleinen GC» lautet der Titel eines Hintergrund-Artikels, der sich auf Informationen der Football Leaks stützt. Detailliert werden darin die Verflechtungen der neuen Besitzer ausgeleuchtet und Argumente gelistet, die das chinesische Investement als Teil eines globalen Systems zur Wertvermehrung von Spielern darstellen. Es wird beschrieben, wie sich der Milliarden-Konzern Fosun 2014 anschickte, mit Fussball Geld zu verdienen, namentlich mit dem Handel von Spielerrechten. Wie der Plan von der FIFA durch ein Verbot von Drittbeteiligungen (Third Party Ownership) durchkreuzt wurde. Wie daraus die alternative Strategie eines weltumspannenden Systems mit Klubs und Trainingseinrichtungen auf verschiedenen Stufen reifte, ohne dass dabei gegen die FIFA-Regularien verstossen wird. Wie Foyo, eine Tochtergesellschaft von Fosun, im Folgejahr 15 Prozent der Anteile von Jorge Mendes' Firma Gestifute kaufte und Fosun seinerseits 2016 für 60 Millionen Franken die Wolverhampton Wanderers. Wie die handelnden Personen der Firmen verbandelt sind. Dass GC zum zweiten Verein wird im geplanten weltweiten Netzwerk von Fosun und Gestifute.

Das Geflecht mag juristisch wasserdicht sein und ist im Fall des von der zweiten Liga auf Platz 6 der Premier League aufgestiegenen Wolverhampton bislang überaus fruchtbar. Es wirft aber Fragen auf, die bislang stehen gelassen wurden. Die lückenhafte Kommunikation der Grasshoppers, etwa das Nicht-Erwähnen der Verbindung zu Fosun, stimmt auch die NZZ misstrauisch. Sie fordert Transparenz und meint abschliessend: «Bis jetzt haben die neuen Besitzer noch nicht genug dafür getan, um Vertrauen zu schaffen und den Vorbehalten zu begegnen. Die Grasshoppers haben zwar finanzielle Perspektiven gewonnen. Alles andere müssen sich die Neuen erst verdienen.»