VERTRAG: Handballer auf dem Sprung ins Fernsehen

Ab kommender Saison findet die Handballmeisterschaft der Nationalliga A auch im frei empfangbaren TV statt. Live-Spiele aus Kriens gibt es aber nicht zu sehen.

Cyril Aregger
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Die beiden Heimspielorte des HC Kriens-Luzern (Luca Spengler am Ball in der Maihofhalle) entsprechen nicht den geforderten Standards für Live-Übertragungen im TV. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 17. April 2017))

Die beiden Heimspielorte des HC Kriens-Luzern (Luca Spengler am Ball in der Maihofhalle) entsprechen nicht den geforderten Standards für Live-Übertragungen im TV. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 17. April 2017))

Cyril Aregger

cyril.aregger@luzernerzeitung.ch

In Sachen TV-Präsenz fristete Handball in der Schweiz bisher ein Schattendasein. Doch das ändert sich nun. Ab der kommenden Saison wird auf dem neuen Sportkanal MySports regelmässig NLA-Handball der Männer zu sehen sein. Dies teilte gestern der Schweizerische Handball-Verband (SHV) mit. Wie Matthias Schlageter, Mediensprecher der Swiss Handball League (SHL), erklärt, sieht der Vertrag vor, mindestens 20-mal pro Saison hauptsächlich donnerstags Live-Spiele zu übertragen – im Basisangebot und somit frei empfangbar im Kabelnetz.

MySports ist ein Sender des Kabelnetzbetreibers UPC. Rund 3 Millionen Kunden von UPC und weiteren Kabelnetzbetreibern in der Schweiz werden gemäss SHV Zugriff auf das Angebot haben. Kunden von Swisscom-TV werden die Übertragungen hingegen voraussichtlich nicht zu sehen bekommen. Über handballtv.ch haben aber auch sie weiterhin die Möglichkeit, Handballspiele live zu verfolgen (siehe Box).

Vom neuen Vertrag, der vorerst über drei Jahre läuft, verspricht man sich beim SHV viel. Der Abschluss passe sehr gut in die TV- und Medienstrategie des SHV, wird Geschäftsführer Jürgen Krucker in der Mitteilung zitiert. «Er ermöglicht neue kommerzielle Verwertungsmöglichkeiten auf Ebene Ligasponsoring.» Die professionell produzierten TV-Spiele ergänzten das Live-Streaming und die TV-Live-Übertragungen der Herren-Nationalmannschaft ideal.

Geld für die Übertragungsrechte erhält der SHV von MySports nicht. Im Gegenzug muss aber auch der Verband nichts für die TV-Präsenz bezahlen. SHL-Mediensprecher Schlageter spricht von einer Win-win-Situation: «Der Handball erhält eine Plattform, um sich zu präsentieren, und MySports attraktive Programminhalte.» Dennoch sei es mittelfristig natürlich ein Ziel des SHV, die Übertragungsrechte verkaufen zu können. «Ein weiteres Ziel ist aber auch, die Infrastruktur und das Gesamterscheinungsbild der Sporthallen zu verbessern. Hierbei hilft der Vertrag mit MySports», sagt Schlageter.

Kriens-Luzern hofft auf die Pilatus-Arena

Aus der Krauerhalle in Kriens oder der Maihofhalle in Luzern, den beiden Spielorten des HC Kriens-Luzern, wird es jedoch keine Live-Übertragungen geben. Laut CEO Nick Christen entsprechen die Hallen nicht den geforderten Standards für die Live-Übertragungen. «Es fehlt an ganz vielen Orten. Angefangen beim Licht über die einseitigen Tribünen bis zur fehlenden Infrastruktur für Moderation und Technik.» Für den Handball in unserer Region sei dies «eine Tragödie», so Christen.

Live-Übertragungen wird es zu Beginn aus Schaffhausen, Winterthur, Thun, St. Gallen, Aarau und der Zürcher Saalsporthalle geben. TV-Bilder von Heimspielen des HC Kriens-Luzern dürften erst in die Wohnzimmer flimmern, wenn der Klub seine Partien in der geplanten Pilatus-Arena im Krienser Mattenhof austragen wird. «Dies zeigt einmal mehr, wie wichtig diese Arena für uns ist», unterstreicht Christen. Läuft alles nach Plan, soll die Halle 2020 eröffnet werden. Der Bebauungsplan soll im kommenden Jahr erarbeitet werden.

Trotzdem ist Nick Christen froh um den TV-Deal: «Der Vertrag ist eine Riesenchance für unsere Sportart.» Nun gehe es darum, den Handball im Fernsehen zu etablieren. «Und darauf hinzuarbeiten, dass auch unser Sport einmal von TV-Geldern für die Übertragungsrechte profitieren kann.» Zum Vergleich: Für die Übertragungsrechte der Eishockey-NLA während fünf Jahren hat MySports 177 Millionen Franken bezahlt. Und die TV-Rechte der Fussball-Super-League und der Challenge League bis 2021 dürften die Swisscom-Tochter Teleclub gemäss Schätzungen über 120 Millionen Franken kosten.