Volleyball

Viel Denkarbeit und Prüfungsstress für Luzerns Topskorer Tim Köpfli

Volley Luzern gastiert am Sonntag in Genf. Gelingt dem NLA-Team wie am Mittwoch in Amriswil eine Überraschung?

Stephan Santschi
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Luzerns Topskorer Tim Köpfli (rechts) in Aktion gegen Chênois Genève.

Luzerns Topskorer Tim Köpfli (rechts) in Aktion gegen Chênois Genève.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. Oktober 2020)

Die Luzerner lassen aufhorchen: Am letzten Mittwoch reichte es in Amriswil zwar nicht zum Sieg, doch gegen den bis dahin tadellosen Tabellenführer der NLA resultierte bei der 2:3-Niederlage immerhin ein Punktgewinn. «Es war wie zuletzt: Der Start gelang uns nicht, doch dann haben wir bewiesen, dass wir uns nach einem Rückstand finden können», resümiert Luzerns Aussenangreifer Tim Köpfli.

0:2 lagen die Luzerner zurück, praktisch chancenlos waren sie bis dahin, doch dann fanden sie gegen den aufschlagstarken Kontrahenten zu mehr Sicherheit in den Annahmen. «Im dritten Satz gingen wir schnell 4:0 in Führung, wir glaubten ans Comeback, das hat man auf dem Platz gemerkt», erzählt Köpfli. Luzern gewann die hart umstrittenen Durchgänge drei und vier mit 25:23 und 26:24, glich damit nach Sätzen zum 2:2 aus und liess sich im Tiebreak auch von einem zwischenzeitlichen 6:12-Rückstand und drei Matchbällen des Gegners nicht aus dem Konzept bringen.

Luzerner Treffen mit früheren Teamkollegen

Tim Köpfli, Aussenangreifer bei Volley Luzern.

Tim Köpfli, Aussenangreifer bei Volley Luzern.

Bild: pd

Die Zentralschweizer glichen sogar zum 14:14 aus, hatten Chancen auf Matchbälle, verloren letztlich aber gegen das mit den Ex-Luzernern Edvarts Buivids und Mathis Jucker bestückte Amriswil knapp mit 16:18. «Klar hätten wir gerne gewonnen, doch dieser eine Punkt ist eine gute Sache», betont Köpfli. «Wir finden allmählich zu unseren Leistungen. Wir bringen uns in die Position, um Spiele zu gewinnen – egal wer auf der anderen Seite steht.» Und so reisen die Luzerner am Sonntag (17 Uhr) trotz der Aussenseiterrolle mit Zuversicht zum Spiel bei Chênois Genève. Zwar belegen die Genfer mit dem ehemaligen Luzerner Liga-Topskorer Strahinja Brzakovic den zweiten Platz, verloren am Donnerstag allerdings bei Tabellenschlusslicht Jona überraschend mit 1:3. Tim Köpfli:

«Wir haben klare Vorstellungen, wie wir dort spielen werden. Wir können uns wieder gegen einen vermeintlich stärkeren Gegner beweisen.»

Klare Vorstellungen zum eigenen Spiel kristallisieren sich auch bei ihm selbst immer deutlicher heraus. Die Arbeit mit dem neuen Trainer Alessandro Lodi fordert ihm wie dem gesamten Team viel ab, scheint sich aber allmählich auszubezahlen. «Ich spiele seit mehr als zehn Jahren Volleyball. Wenn du dann plötzlich die Hände anders halten musst, fühlt sich das zunächst fremd an», erzählt der 24-jährige Freiämter. Angesprochen ist die Technik bei den Annahmen, die bei Köpfli den Schwachpunkt ausmacht.

Köpfli steht auf Platz 2 der Topscorerliste

Entsprechend oft suchen ihn die Gegner mit ihren Services, entsprechend viele Receptions tauchen jeweils in Köpflis persönlichen Matchstatistiken auf. Es stecke mehr Denkarbeit hinter jeder Bewegung, «ich lasse nicht alles über mich ergehen. Neue Techniken und neue Bewegungsabläufe bedürfen vieler Repetitionen, damit das Muskelgedächtnis neu trainiert wird». Das brauche Zeit, Lodi bringe gewiss die richtigen Inputs ein, viele seien es sich aber nicht gewohnt gewesen, so technisch zu trainieren.

Und so ist Tim Köpfli, der aktuell in seinem Wirtschaftsstudium im Semester-Prüfungsstress steckt, auf gutem Weg, seine Leaderrolle bei Volley Luzern zu festigen. Nach dem Abgang von Buivids im Sommer übernahm er im Angriff mehr Verantwortung, «ich fülle eine Lücke, bin noch mehr für die Punkte zuständig», wie er sagt. Mit seiner Entwicklung ist er zufrieden, in der Topskorerliste der NLA steht er hinter dem Genfer Brzakovic auf dem zweiten Platz. In Genf wollen Köpfli und das ganze Team von Volley Luzern nun die Fortschritte in ein weiteres respektables Ergebnis ummünzen.