Remis gegen Thun
Eine Minute vor Schluss führt Kriens-Luzern 23:21 – dann entgleitet den Innerschweizern die Partie

Kriens-Luzern kämpft aufopferungsvoll, zeigt sich klar verbessert. Und muss gegen Wacker Thun trotzdem ein bitteres 23:23-Remis hinnehmen.

Stephan Santschi
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Der Krienser Aljaz Lavric stellt sich Ron Delhees in den Weg.

Der Krienser Aljaz Lavric stellt sich Ron Delhees in den Weg.

Bild: Hardy Konzelmann (Kriens, 13. Februar 2022)

So richtig fassen kann es keiner nach Spielschluss im Lager der Krienser. Bis eine Minute vor Schluss führen sie mit 23:21. Hleb Harbuz geht in den Abschluss, kann alles klarmachen– und sieht den Ball von der Latte ins Feld zurückprallen. Wacker Thun geht in den schnellen Gegenangriff, verkürzt vom Flügel auf 23:22. Dann wieder der Gastgeber, auf der Suche nach einem Weg durch die 3:3-Abwehr der Berner Oberländer. Janus Lapajne wird von hinten zu Boden gezerrt, verliert den Ball, doch die Schiedsrichter sehen keine Regelwidrigkeit. Und Nicolas Suter gleicht zum 23:23 aus.

Doch noch immer ist nicht Schluss, bleiben ein paar Sekunden. Schnelle Mitte, Harbuz hat den Ball, wirft in den Block und übersieht dabei den besser postierten Ramon Schlumpf am Flügel. Dann ertönt die Schlusssirene, die Thuner feiern, die Krienser hadern und die Zuschauer, die bereits zu stehenden Ovationen angesetzt haben, setzen sich wieder. «Es fühlt sich an wie eine Niederlage, ich finde kaum Worte. Das ist schwer zu realisieren», befindet Rückraumspieler Tim Rellstab.

Der erste Sieg im neuen Jahr war in Griffweite und entglitt den bedauernswerten Kriensern auf bittere Art und Weise. Trainer Goran Perkovac spazierte gleich nach Schlusspfiff auf die Tribüne, begrüsste seine Frau und seine Tochter mit einem Küsschen und machte sich hernach an die Aufarbeitung der nächsten Enttäuschung. «Wir haben gut gekämpft, doch unser Spiel braucht mehr Kopf. Am Ende mangelte es uns an Cleverness», sagte Perkovac und meinte damit nicht nur die Fehlentscheidungen in der geschilderten Schlussphase.

Schon unmittelbar nach dem Seitenwechsel verlor sein Team kurzzeitig den Faden, verspielte den hart erkämpften 12:10-Vorsprung aus der ersten Halbzeit innerhalb von nur fünf Minuten und geriet mit 12:15 in Rückstand. Fehlwürfe, technische Fehler, ein verschossener Penalty, sogar ein Wechselfehler mit folgerichtiger Zweiminutenstrafe – innert Kürze erreichten die Unzulänglichkeiten ein auf diesem Niveau nicht akzeptables Ausmass. Doch Kriens-Luzern liess sich nicht entmutigen, bewies Leidenschaft, Kampfgeist und Solidarität, vermochte die Abwärtsspirale wieder zu stoppen.

«Vielleicht hilft uns dieser Punkt»

In vielen Bereichen waren sie an diesem Sonntagabend verbessert. Die Abwehr wirkte beweglich und aggressiv, Goalie Rok Zaponsek war grossartig, und selbst der Angriff, die Achillesferse des Krienser Spiels, kam so beschwingt daher wie schon lange nicht mehr. Kriens-Luzern liess den Ball laufen, anstatt sich in 1:1-Situationen aufzureiben, zog geduldig lange Spielzüge auf, fand aus dem Rückraum und über den Kreis gute Lösungen. Die Thuner, ebenfalls noch sieglos in diesem Jahr, waren aber nicht minder engagiert am Werk und lieferten den Zentralschweizern ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die Führung wechselte stetig, vier Minuten vor Schluss stand es 21:21, ehe Milos Orbovic und Harbuz die entscheidende Distanz zu schaffen schienen. Thun aber stellte auf eine offensive Deckung um, generierte beim Gegner die erwähnten Fehler und fand zum glücklichen Remis. «Wir müssen nun das Positive aus diesem Spiel herausnehmen, wir dürfen uns nicht runterziehen lassen», mahnte Rückraumspieler Rellstab, und mit Blick auf das nächste Spiel vom kommenden Donnerstag in Bern hielt er fest: «Wir müssen dort mit der gleichen Einstellung ans Werk gehen und uns belohnen. Vielleicht hilft uns dieser Punkt, um auf eine bessere Spur zu finden.»

Kriens-Luzern – Wacker Thun 23:23 (12:10)
Krauerhalle. – 450 Zuschauer. – SR Brunner/Salah. Strafen: je 4-mal 2 Minuten.
Kriens-Luzern: Zaponsek (19 Paraden); Idrizi (2 Tore), Orbovic (5), Lapajne (4/1), Harbuz (2), Langenick (1), Sikosek Pelko (2), Delchiappo (1), Lavric (1); Rellstab (3), Oertli, Schlumpf (2), Buob.
Thun: Winkler (3 Paraden)/Wick (4); Dähler (1 Tor), Delhees (2), Suter (5/2), von Deschwanden (3), Linder, Sorgen (1), Huwyler (1); Raemy (5), Gruber (1), Schwab, Dannmeyer (1), Felder (2), Guignet (1).
Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Gavranovic (rekonvaleszent) und Vekic (Vertrag aufgelöst), Thun komplett. Wick pariert Penalty von Harbuz (35./12:13).