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Ex-FCL-Spieler Nicolas Haas kann am Samstag mit Palermo aufsteigen

Am Samstag kommt es in der italienischen Serie B zum grossen Showdown im Kampf um den direkten Aufstieg. Mittendrin: Der 23-jährige Luzerner Nicolas Haas, der sich in Palermo zu einer Stammkraft gemausert hat.
Stephan Santschi
Will den Aufstieg im Palermo-Dress: Nicolas Haas. (Bild: Danilo Di Giovanni/Getty (Ascoli Piceno, 4. Mai 2019))

Will den Aufstieg im Palermo-Dress: Nicolas Haas. (Bild: Danilo Di Giovanni/Getty (Ascoli Piceno, 4. Mai 2019))

Die 86. Minute läuft, als Nicolas Haas im Strafraum an den Ball kommt. Der 23-jährige Mittelfeldspieler verzögert kurz den Abschluss und trifft dann über den am Boden liegenden Goalie von Ascoli zum 2:1-Siegestreffer ins Netz. In dieser Szene vom letzten Samstag erzielte Haas das erste Tor, seit er 2017 den FC Luzern Richtung Italien verlassen hatte. Er erzählt:

«In der laufenden Saison hatte ich viele Chancen und immer eine klare Idee, wie ich sie verwerten soll. Die Ausführung war jeweils mangelhaft. Diesmal handelte ich aber instinktiv. Was folgte, waren wunderschöne Emotionen. Im ersten Moment realisierte ich gar nicht, was ich ausgelöst hatte.»

Dank diesem Sieg wahrte sich das drittrangierte Palermo vor dem letzten Serie-B-Spieltag am Samstag nämlich die Chance auf die direkte Promotion. Die beiden Erstklassierten steigen auf, die Dritt- bis Achtplatzierten hingegen müssen anschliessend in die eigentümlichen Playoffs.

Auf Palermo wartet ein «Spiel bis zum Tod»

Das Problem: Palermo hat sein Schicksal nicht in den eigenen Händen. Ein Punkt beträgt der Rückstand auf das zweitplatzierte Lecce, womit die Sizilianer nicht nur Cittadella schlagen, sondern gleichzeitig auch auf Schützenhilfe von Spezia in Lecce hoffen müssen. Geschenkt wird dabei keinem etwas, denn Cittadella (7.) und Spezia (6.) haben beide die Teilnahme an den Playoffs noch nicht auf sicher. «Zwei Spiele bis zum Tod», so umschreibt ein ehemaliger Palermo-Trainer die Ausgangslage vor dem Showdown martialisch.

Die Vorfreude in der Stadt an der Mittelmeerküste ist jedenfalls gewaltig. «Die Leute sind generell sehr geladen. Entweder sind wir die Könige und überall gerne gesehen. Oder das Gegenteil», erzählt Haas. Seit dem letzten Sommer spielt er leihweise in Palermo, nachdem er sich bei A-Ligist Bergamo nicht durchsetzen konnte. Mehr Spielpraxis erhoffte er sich vom Wechsel. Nun stellt er fest:

«Der Plan hat funktioniert. Ich habe einen Schritt vorwärts gemacht.»

Nicolas Haas, der 55 Super-League-Spiele für den FCL absolvierte, ist in Palermo nämlich zur Stammkraft gereift. Im zentralen Mittelfeld auf halblinker Position verrichtet er als Achter viel Laufarbeit, hilft in der Defensive aus und schaltet sich auch in den Angriff ein. «Eine Rolle, die mir sehr gefällt», wie er sagt. Mit dem Toreschiessen hatte es bis vor Kurzem zwar nicht geklappt, dafür bereitete der Mauenseer neun Treffer vor. Der Blick auf den Platz allein vermag seine Entwicklung aber nicht ganzheitlich zu umschreiben. «Weitergekommen bin ich auch als Mensch», betont er. «Denn hier, in diesem Klub, läuft vieles nicht so, wie ich es mir gewohnt bin.»

Die US Palermo ist mit über 20 Millionen Euro verschuldet. «Die Lohnzahlungen kommen immer auf den letzten Drücker.» Bis vor Kurzem hiess der Besitzer Maurizio Zamparini, der sich einen Ruf als «Trainerkiller» machte und damit dem «Trainerfresser» aus dem Wallis echte Konkurrenz bereitet. Zamparini hat in 15 Jahren 40 Mal den Übungsleiter gewechselt, FC Sion-Präsident Christian Constantin kommt in 21 Jahren auf rund 50. Letztmals musste mit Roberto Stellone vor knapp drei Wochen ein Palermo-Chefcoach den Hut nehmen. Für die restlichen vier Partien hat Delio Rossi das Zepter an der Seitenlinie übernommen.

Im Februar fürchteten die Spieler den Konkurs

Vor Kurzem hat Zamparini den Klub an neue Besitzer übergeben, nachdem ein anderer Investor abgesprungen war. Punkteabzüge drohten, «im Februar wussten wir nicht, ob der Klub sogar Konkurs gehen würde. All das wirkt sich negativ auf die Stimmung und die Leistungen der Mannschaft aus», sagt Haas und hält fest: «Diese Umstände neutral zu betrachten, daraus sogar Kraft zu schöpfen – darauf bin ich stolz.» Zumal er in Palermo allein lebt, Familie und Freundin sind weiter weg als jemals zuvor.

Die Stadt allerdings, die hat er lieb gewonnen. «Ich lebe ausserhalb des Zentrums nur fünf Gehminuten vom Strand entfernt. Fantastisch!» Auch sein Italienisch lasse sich hören, der palermitanische Dialekt sei aber wie eine andere Sprache. Ob er nach Bergamo, bei dem er bis 2021 unter Vertrag steht, zurückkehrt und dort vielleicht sogar in der Champions League spielt, weiss Haas noch nicht.

«Ich habe die besseren Argumente als vor einem Jahr. Sowohl für Bergamo, als auch für andere Möglichkeiten, die sich ergeben könnten. Für die Zukunft bin ich sehr zuversichtlich.»

Den Fokus möchte er vorderhand aber auf Palermo und den «Final» vom Samstag richten. Über 20000 Zuschauer werden erwartet und somit weit mehr als die 8200, die sich im Schnitt im Renza Barbera einfinden.

In den Playoffs warten vier weitere Spiele

Schafft Palermo den Vorstoss auf Platz zwei, steigt es auf. Bleibt es Dritter, beginnen die Playoffs mit sechs Teams, von denen nur eines promoviert wird. Für Palermo stünden dann maximal zwei weitere Runden mit Hin- und Rückspielen, also vier zusätzliche Partien auf dem Programm. Für Nicolas Haas steht darum fest: «Wir müssen nun siegen und hoffen.» Hoffen, das Lecce stolpert.

Letzter Spieltag. Samstag 15 Uhr: Palermo (mit Nicolas Haas) – Cittadella. Lecce – Spezia.

Ranglistenspitze (alle 35 Spiele): 1. Brescia 67. 2. Lecce 63. 3. Palermo 62. 4. Benevento 57. 5. Pescara 52. 6. Spezia 51. 7. Cittadella 50. 8. Cremonese 49.

Modus: Top 2 steigen direkt auf. 3. bis 8. spielen Playoffs, der Gewinner steigt ebenfalls auf.

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