Handballerin Seline Ineichen tritt nach vier Titeln und einem Aufstieg zurück

Seline Ineichen tritt vom Profihandball zurück. Die 29-jährige Ruswilerin spielte zuletzt in der deutschen Bundesliga.

Michael Wyss
Drucken
Teilen
Seline Ineichen verabschiedet sich aus der Bundesliga und dem Profihandball.

Seline Ineichen verabschiedet sich aus der Bundesliga und dem Profihandball.

Bild: PD/Neckarsulmer Sport-Union

«Ich habe die letzten 15 Jahre für den Handball gelebt. Er hat mir sehr viel gegeben, gleichzeitig aber auch einiges abverlangt, körperlich wie auch mental», sagt Kreisläuferin Seline Ineichen rückblickend. «Eine Lebensschule war es, für die ich sehr dankbar bin und nicht missen möchte.» Der Ruswilerin, die seit ihrem sechsten Lebensjahr Handball spielt, wurde das Handball-Gen in die Wiege gelegt. Vater Walter Ineichen hatte diesem Sport schon seine grosse Leidenschaft als Torhüter verschrieben, genauso ihr um fünf Jahre jüngerer Bruder Noah, der bis zum Saisonabbruch bei GC Amicitia Zürich (NLA) im Tor stand.

Ineichen, die ihre Freude zum Handballsport beim Stammverein HC Fides Ruswil entdeckte, spielte in ihrer Karriere auch für Spono Nottwil (heute Spono Eagles; 2007 bis 2011) und den LK Zug (2011 bis 2014). Am Sempachersee feierte sie einen Cupsieg, am Zugersee folgte mit zwei Meistertiteln und einem Cupsieg der Höhepunkt ihrer nationalen Karriere. Ineichen: «Jeder dieser vier Titel war auf seine Art und Weise schön und unvergesslich.» Die Rottalerin reifte in ihren Vereinen und Aufgaben immer mehr zur Teamstütze und Leistungsträgerin, auf und neben dem Platz.

1000 Fans bei Heimspielen

Auf Ineichen, die in ihrer Karriere 50 Länderspiele für die A-Nationalmannschaft bestritt (ihr Début gab sie am 23. September 2010 gegen Italien), wurde man auch im Ausland aufmerksam. «Als ich damals ein Angebot für die 1. Bundesliga bekam, war für mich klar, dass ich die Chance nutzen muss, um meinen nächsten Karriereschritt zu machen.» Ineichen spielte bei Frisch Auf Göppingen und dann fünf Saisons lang bei der Neckarsulmer Sport-Union. Einer der Höhepunkte ihrer Zeit in Deutschland war der Aufstieg 2016 mit Neckarsulm von der zweiten in die erste Bundesliga.

«Es gab auch kräftezehrende Phasen, als wir ums sportliche Überleben in der Liga kämpfen mussten»,

erzählt Ineichen. «Spannend und lehrreich war beides. Es ist aber sicher angenehmer, wenn man den Platz in der Liga auf sicher hat.» Die letzten beiden Jahre trug die Ruswilerin die Captainbinde, was noch mehr Verantwortung auf und neben dem Platz bedeutete. «Highlights waren sicher die Heimspiele vor über 1000 Fans und in einem Team zu spielen, welches aus vielen internationalen Spielerinnen und somit auch aus verschiedenen Kulturen und Sprachen bestand, hat mir die letzten Jahre viel Spass bereitet und mich sehr bereichert.»

Seline Ineichen in Aktion.

Seline Ineichen in Aktion.

Bild: PD/Neckarsulmer Sport-Union

«Keine Entscheidung gegen den Sport»

Leider wurde die Saison auch in Deutschland wegen der Coronakrise abgebrochen. Ineichen hatte sich in den letzten Wochen viele Gedanken gemacht und auf Ende Saison ihren Rücktritt vom Profihandball erklärt. Ineichens Verabschiedung folgt bei einem Heimspiel nächste Saison. «Ich habe gemerkt, dass ich diesen Aufwand nicht mehr mit letzter Konsequenz und voller Leidenschaft ausführen kann. Es ist keine Entscheidung gegen den Sport. Der Wunsch nach Freiheit und einem normalen Alltag wurde einfach grösser.» Verständlich. Bei der Neckarsulm Sport-Union wurde zweimal am Tag trainiert und bei Auswärtsspielen, bei denen die Anfahrt über acht Stunden dauerte, wurde bereits einen Tag früher angereist. «Trotz Profisport war es mir immer wichtig, Teilzeit meinem Beruf nachzugehen, was eine sehr strukturierte Tagesplanung erforderte», so Ineichen, die zwischen 40 und 60 Prozent in einem Büro arbeitet.

Vorfreude auf Skiferien und Sommerabende

Auf was freut sich die Ruswilerin, die in ihrer Karriere 384 Treffer auf Clubebene und für die Schweiz 23 Tore erzielte, in Zukunft: «Trainingsfreie Sommerabende und Skiferien», sie lacht. Ineichen lebt mit ihrem Freund in Neckarsulm, wie es in der Zukunft aussieht, ist aktuell noch unklar. Sicher ist aber: «Ich möchte meine gesammelten Erfahrungen im Handball in irgendeiner Form weitergeben. Wie gesagt, Handball ist Teil meines Lebens. Auch nach meiner Profikarriere.»