Nationalmannschaft
Vladimir Petkovic: «Meine EM-Bilanz bleibt positiv»

Gross ist die Enttäuschung im Schweizer Team – und speziell bei Vladimir Petkovic. Der Nationaltrainer zeigt in der Stunde der Niederlage Grösse. Er lobt sein Team für eine starke Leistung, spricht aber auch die Fehler an.

René Weber aus Saint-Etienne
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Vladimir Petkovic tröstet die unglücklichen Natispieler.

Vladimir Petkovic tröstet die unglücklichen Natispieler.

Keystone

Vladimir Petkovic, das Ausscheiden gegen Polen gehört bestimmt zu den bittersten Momenten in Ihrer Karriere.
Es ist für mich ein sehr emotionaler Moment. Davon gab es in der Vergangenheit aber schon andere, schon viele. Es ist einfach schade.
Einfach schade?
Ja, einfach schade. Ich versuche, es philosophisch zu sehen. Man muss ruhig bleiben. Angesichts der Tatsache, dass wir alles in die Waagschale geworfen haben, ist es eine grosse Enttäuschung, auf diese Weise aus dem Turnier auszuscheiden.
Über weite Strecken der ersten Halbzeit war die Leistung Ihres Teams ungenügend. Nach der Pause stand eine andere Mannschaft auf dem Platz. Was haben Sie Ihren Spielern in der Garderobe gesagt?
Wir haben versucht, durch einige Positionswechsel besser ins Spiel zu kommen. Das ist gelungen und hat sich in der zweiten Halbzeit ausgezahlt. Wir hätten ein besseres Resultat verdient gehabt, so wie wir nach dem Wechsel gespielt haben. Wir hätten vor dem Penaltyschiessen ein weiteres Tor erzielen müssen.
Speziell Xherdan Shaqiri hat nach dem Seitenwechsel aufgedreht und mit einem Traumtor den Ausgleich erzielt.
Sein Treffer, das war Instinkt und der Glaube an sich selbst. Man muss von sich überzeugt sein, wenn man sich so in einem Ball wirft. Natürlich braucht man mit solchen Schüssen auch immer ein wenig Glück. Dieses hatten wir leider bei den anderen Abschlüssen und speziell im Penaltyschiessen nicht mehr.
Zur tragischen Figur in Saint-Etienne wurde Granit Xhaka. Was haben Sie zu ihm in der Garderobe gesagt?
Ich bin traurig für ihn. Es tut mir sehr leid. Es geht nun aber nicht nur um Xhaka. Die Schweiz hat verloren. Das ist die grösste Enttäuschung. Die Spieler haben alles gegeben. Sie haben gezeigt, dass sie durch Spielfreude viel auf den Platz bringen können. Wir haben insgesamt aber einfach zu viele Fehler begangen, waren nicht genau genug. Dafür haben wir bezahlt. Als Ergebnis davon haben wir das Roulette im Elfmeterschiessen verloren.
Sie sagen, dass Ihr Team zu wenig genau war. In der Offensive oder der Defensive?
Am Anfang in der Defensive. Ab der 30. Minute dann vor allem im Spiel nach vorne. Wir haben erst nach dem 0:1 angefangen, besser zu spielen. In der zweiten Halbzeit waren wir dann souverän. Es war ein Team auf dem Platz, das es verdient gehabt hätte, ein Tor mehr zu erzielen.
Nimmt man die nackten Zahlen als Massstab, sind gegenüber dem WM-Turnier 2014 keine Fortschritte erzielt worden.
Meine EM-Bilanz bleibt trotz dem Ausscheiden im Achtelfinal positiv. Wir haben vieles gut gemacht. Wir hätten es verdient gehabt, noch länger hier zu bleiben. Penaltyschiessen ist ein Pokerspiel. Das haben wir in Saint-Etienne leider verloren (überlegt). Wir müssen aus dem Turnier in Frankreich nun die Lehren ziehen, müssen uns verbessern und es beim nächsten Mal noch besser machen.