Leichtathletik
Volles Risiko, halber Lohn: Silke Lemmens übernimmt an der Staffel-WM eine wichtige Position

Die Zugerin Silke Lemmens stellt sich in Polen einer besonderen Herausforderung. Nach gutem Beginn reichen aber ihre Kräfte als Startläuferin nicht aus. Die Schweizer Frauen-Staffel verpasst vorderhand die Olympia-Qualifikation.

Jörg Greb
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Silke Lemmens , hier an den Schweizer Hallenmeisterschaften im Februar in Magglingen.

Silke Lemmens , hier an den Schweizer Hallenmeisterschaften im Februar in Magglingen.

Bild: Ulf Schiller/ ATHLETIX.CH

Das Fazit des ersten Saisonhöhepunktes ist schnell gezogen: Die Qualifikation für die WM 2022 ist geschafft, jene für die Olympischen Spiele von diesem Sommer allerdings (noch) nicht. Die Schweizer Frauen-Staffel über 4x400 m verfehlte an den Staffel-WM gegen die dezimierte Konkurrenz den geforderten Finalplatz der besten acht um eine Position. Allerdings: Richtig knapp war es nicht, zeitlich fehlte einiges. Statt der 3:34,85 Minuten wären mindestens 3:30,46 verlangt gewesen.

Die Aufgabe war äusserst schwierig. Mit Teamleaderin Lea Sprunger fehlte die wichtigste Läuferin. Ebenfalls verletzungsbedingt aus fielen Yasmin Giger und Sarah Atcho, zwei weitere Leistungsträgerinnen. Dass sich die Schweizerinnen trotzdem gut präsentieren konnten, zeugt von ihrer Qualität und ist Beweis für die Breite.

Die Baarerin Silke Lemmens (21) als Jüngste des Quartetts stellte sich in Chorzow einer besonderen Herausforderung. Sie übernahm mit dem Start eine eminent wichtige Position. «Risiko war von mir verlangt.» Die Devise konnte nur heissen: Dranbleiben, die Tuchfühlung mit den Konkurrentinnen halten. Lemmens glückte dies zu Beginn vielversprechend. Allerdings konnte sie ihren Anfangsrhythmus nicht durchziehen. Auf den letzten 100 m verliessen sie die Kräfte – der Kontakt zu den Schnellsten dieser Vorlaufserie riss ab. «Eigentlich hätte ich es schaffen müssen», sagte sie hinterher. Für das Scheitern hatte sie allerdings eine einfache Erklärung: «Ich bin noch nicht so weit.» Nach ihrem internationalen Debüt auf Elitestufe an den Hallen-Europameisterschatten Anfang März musste Lemmens die Regnerationsperiode verlängern, eine leichte Verletzung am Bein zwang sie dazu. Erst seit vier Wochen kann sie das Bein wieder richtig belasten. Ihren Formrückstand findet sie «aufgrund des frühen Zeitpunkts nicht beunruhigend».

Staffelcoach Haas: «Wir sind weiterhin im Rennen»

Silke Lemmens will Mitte/Ende Juni wieder in Bestform sein. Und dann sollten die Voraussetzungen da sein, um wieder Zeiten unter 3:30 Minuten zu realisieren und den Olympiatraum doch noch zu realisieren. Ein Blick auf die Abschnittszeiten illustriert dies: Sie differieren zu stark: 54,29 Sekunden für Lemmens, 52,45 für Rachel Pellaud, 55,66 für Veronica Vancardo und 52,74 für Annina Fahr – die letzten drei mit fliegendem Start, was einem deutlichen Zeitgewinn gleichkommt.

Trotz des halben Lohns mit WM-Qualifikation betonte Staffelcoach Peter Haas: «Wir sind weiterhin im Rennen für einen Olympiastartplatz, und mit unserem neunten Rang realisierten wir wohl in dieser Besetzung das Optimum.»