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Interview

Volley-Luzern-Captain vor dem Saisonstart: «Ein bisschen träumen darf man immer»

Volley Luzern startet am Samstag mit einem Heimspiel gegen Titelfavorit Amriswil in die Saison. Captain Nick Amstutz (26) sagt, was möglich ist.
Roland Bucher
Volley-Luzern-Captain Nick Amstutz blickt optimistisch auf die bevorstehende NLA-Saison. Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 10. Oktober 2019)

Volley-Luzern-Captain Nick Amstutz blickt optimistisch auf die bevorstehende NLA-Saison. Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 10. Oktober 2019)

Die Frage, die auf der Zunge brennt: Ist Volley Luzern in etwa gleich stark, eher bescheidener oder sogar stärker aufgestellt als vor Jahresfrist?

Nick Amstutz: Sicher nicht schwächer. Wir haben ein gutes Team. Vielleicht nicht mit so vielen spektakulären Leuten bestückt wie letzte Saison, aber eine homogene Truppe, die, das finde ich sehr wichtig, in ihrer Komposition sehr gut zusammenpasst.

Gehen wir also ins Detail: Mit Strahinja Brzakovic, dem Top­skorer der Liga, Kevin Saar und Chris Newcombe verabschiedeten sich drei Leute, die das Team letztes Jahr prägten und massgeblich daran beteiligt waren, dass Volley Luzern erstmals in die Playoff-Halbfinals vorrückte. Kommt das gut?

Brzakovic kann man natürlich nicht eins zu eins ersetzen, er war eine Schlüsselfigur. Aber wir haben einen neuen Mann, der diese Rolle vielleicht ein bisschen anderes interpretiert, aber für uns genau so wertvoll sein kann: Edvarts Buivids wird uns sehr viel Freude bereiten.

Das hoffen wir doch sehr auch von Ihnen. Sie sind 26 Jahre alt, zusammen mit Jörg Gautschi Dienstältester und im besten Volleyballalter. Und ab sofort eine Leaderfigur.

Ich bin noch keine Ewigkeit dabei, aber fünf Jahre. Eine recht lange, eine sehr schöne Zeit. Ich bin gerne eine Leaderfigur, wenn man das so versteht: Ich will unseren jungen, hoffnungsvollen Leuten Leidenschaft vermitteln. Ihnen beibringen, dass man jeden Tag an den Volleyball denken und sich daran freuen soll. Wenn uns das gelingt, dann kommen die guten Resultate, davon bin ich überzeugt.

Wissen sollten Sie...

... dass Volley Luzern dank der Qualifikation für den Playoff-Halbfinal in der letzten Saison erstmals in seiner Vereinsgeschichte – die allerdings erst fünf Jahre dauert – auf europäischer Bühne spielt. Im Rahmen des Challenge Cups kommt das luxemburgische Team von Diekirch am Mittwoch, 13. November, in die Luzerner Bahnhofhalle (19.30 Uhr). Bereits in der 2. Runde würde ein Hochkaräter die Aufwartung machen.
... dass der Schweizer Volley-Experte Julien Carrel (31, langjähriger Captain bei Lausanne UC) kein Volley-Luzern-Fan ist: Für ihn ist Liam Sketchers Truppe nur Aussenseiter auf einen Top-4-Rang. Luzerns Präsident Josef Wicki lächelt: «Nehmen wir zur Kenntnis. Und werden die richtige Antwort parat halten.»
... dass Jörg Gautschi (35), Stimmungsmacher und gute Seele des Teams, mit 164 Zentimetern Körperwuchs der Zwerg, Anes Perezic (20) mit 202 Zentimetern der Riese im Team ist. ... dass Adrien Prével (33), Lausannes 1,97 Meter grosser Angreifer, die Topattraktion der Liga ist. Der Franzose kann für die Waadtländer Spiele fast im Alleingang entscheiden, besitzt unerhörtes Charisma. «Ihn muss man einfach mal spielen sehen», sagt Wicki, der indes hinzufügt: «Eine homogene Truppe ist mir lieber als individuelle Ausnahmekönner.» Prével kommt am 24. November in die Bahnhofhalle. (rbu)

Man wurde in den letzten Jahren das Gefühl oft nicht los, dass Volley Luzern in der nationalen Szene eher als kleiner Wurm wahrgenommen wurde. Das macht nicht Freude – ist aber eine tolle Herausforderung…

Wir hatten hie und da tatsächlich das Gefühl, in der nationalen Volley-Szene den Underdog-Status einnehmen zu müssen. Das hat sich jetzt gewiss geändert. Wir haben in der letzten Meisterschaft bewiesen, dass Volley Luzern lebt und bewegt. Ich bin der Meinung, dass uns mit der Qualifikation für die Playoff-Halbfinals der Durchbruch definitiv gelungen ist.

Also das, was der Verein anstrebt: eine wichtige Koordinate auf der Schweizer Volley-Landkarte.

Ja, genau. Ich spüre, dass wir inzwischen ernst genommen werden. Von unserer Gegnerschaft, auch vom Verband. Ein bisschen salopp ausgedrückt: Wir sind jetzt wer!

Es reizt, nochmals darauf zurückzukommen. Jene drei, die letzte Saison die meisten und oft die entscheidenden Punkte smashten, sind nicht mehr dabei. Ein bisschen angriffig gefragt: Ist Volley Luzern in dieser Meisterschaft eher ein Titel- oder Abstiegsanwärter?

Unser Ziel ist es, mindestens so gut abzuschneiden wie in unserem bisher besten Jahr. Also: klar unter die ersten vier. Mit dem Abstieg werden wir nichts zu tun haben. Dafür lege ich die Hand ins Feuer.

Das sagen Trainer und Funktionäre

Liam Sketcher, Headcoach: «Die Atmosphäre in der Bahnhofhalle war letzte Saison mein persönliches Highlight. Das will ich wieder erleben. Das Teamprofil ist in unserer neuen Kaderzusammensetzung abgerundeter. Unser Spielstil verlangt von uns konstante Leistungen und ein aufmerksames Auge auf den Spielplan. Wir haben drei gute neue Ausländer. Und: Volley Luzern ist für junge Talente eine gute Adresse. Sie werden uns grosse Freude bereiten.»
Marius Birrer, neuer Assistenzcoach: «Mein Rezept ist relativ einfach: aus dem Möglichen das Beste herausholen. Unsere Möglichkeiten sind, das wage ich nach langer Volley-Erfahrung zu behaupten, nicht gering. Meine Hauptaufgabe im spieltechnischen Bereich ist die Verantwortung im Defensivbereich. Von mir erwartet man aber auch Impulse im kommunikativen Bereich. Und, salopp gesagt: Prozessoptimierungen. Daran arbeite ich.»
Josef Wicki, Präsident Volley Luzern: «Unser Budget ist ähnlich wie vor Jahresfrist: rund 300000 Franken. Es war eine Herkulesaufgabe, es zu stemmen, im Juni stand vieles noch auf wackligen Finanzbeinen. Im NLA-Volleyball wird aufgerüstet: Näfels hat gleich sieben neue Ausländer verpflichtet. Unsere Szene lebt und wird immer wieder neu belebt. Dass wir im Playoff-Halbfinal standen, macht mich stolz. Das muss auch diesmal das Ziel sein.»
Jörg Gautschi, Sportchef und Libero: «Eigentlich hätte ich die Aufgabe des Sportchefs lieber weitergegeben, weil diese Ämterkumulation nicht optimal ist. Aber jetzt knie’ ich halt nochmals rein. Ich habe ein gutes Gefühl, wir haben in der Vorbereitung sehr gute Auftritte gehabt. Es macht mir Spass, Josef als rechte Hand bei der Suche nach Sponsoren oder im sportlichen Bereich helfen zu können. Wir werden eine gute Saison abliefern, versprochen.» (rbu)

Weil Uni Bern sich kurzfristig zurückgezogen hat und nur neun Teams die Meisterschaft bestreiten, gibt’s womöglich gar keinen Absteiger. Das wirft kein gutes Licht auf die Volley-Szene, ein solches Szenario ist in der höchsten Spielklasse der Fuss- und Handballer und Eishockeyaner überhaupt nicht denkbar.

Das ist traurig, wirklich. Ich studierte in Bern Sport, habe Einblick in die Szene und spüre, wie sich diese grosse Volley-­Region darüber grämt. Das sollte nie mehr passieren. Aber nehmen Sie doch besser Volley Luzern zum Beispiel: Wir sind letzte Saison zaghaft gestartet, haben dann einen Zacken zugelegt und ein tolles Playoff, unter anderem mit einem Sieg gegen Amriswil, hingelegt. Man nimmt uns Volleyballer in Luzern mittlerweile ernst, der Zuspruch und der Applaus der Fans hat uns grosse Freude bereitet. So soll es weitergehen.

Amriswil, das ist auch der erste Gegner am Samstag in der Meisterschaft. Eine Übergrösse?

Amriswil und Lausanne sind zwar nicht von einem anderen Planeten, aber doch jene beiden Equipen, die höchstwahrscheinlich den Meistertitel wie letztes Mal unter sich ausmachen werden.

Trauen Sie Volley Luzern die Rolle des Spielverderbers also eher nicht zu?

Wir haben eine tolle Vorbereitung hingelegt, die Mentalität unserer Mannschaft ist gut, im Kopf passen wir zusammen. Es gibt keine Einzelkämpfer, «Jeder für jeden», so heisst unser Motto. Wir werden unsere Haut teuer verkaufen. Aber über einen möglichen Meistertitel zu debattieren, das wäre vermessen. Aber…

… sagen Sie…­

… ein bisschen träumen darf man ­immer.

Wie lange wird Nick Amstutz noch von Volleyball-Meriten träumen?

Ich bin jetzt 26 Jahre alt, ich nehme es Jahr für Jahr. Gut zu wissen für uns Volleyballer ist, dass wir eine lange Sommerpause geniessen dürfen, in welcher man auf andere Gedanken kommt, auch andere schöne Seiten des Lebens, wie beispielsweise das Segeln, geniessen kann. Ich bin von der Hirnerschütterung, die ich in einem der letzten Spiele im Frühjahr erlitten habe, vollständig genesen. Und ich verspreche: Das Team und ich greifen an!

Das Kader
Jörg Gautschi, Jahrgang 1984, 1,64 m; Darko Mladenovic, 2001, 1,90; Luca Widmer, 1997, 1,92; Tim von Wyl, 2002, 1,74; Dominik Ulrich, 1996, 2,00 (neu, SG Obwalden); Nick Amstutz, 1993, 1,94; Tim Köpfli, 1996, 1,92; Dominik Fort, 1989, 1,90 (neu von Amriswil); Mathis Jucker, 1998, 1,85 (neu von Schönenwerd); Anes Perezic, 1999, 2,02; Shonari Hepburn, 1993, 2,01 (neu von Akaa-Volley, Finnland); Stig Döös Traagstad, 1996, 1,90; Edvarts Buivids, 1993, 2,00 (neu von Kokkolan Tiikerit, FIN) – Headcoach: Liam Sketcher, Assistent Coach: Marius Birrer. Abgänge: Chris Newcombe, Jeremy Tomasetti, Strahinja Brzakovic, Reto Willimann, Adam Anagnostopoulos, Nick Bienz, Kevin Saar.

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