Volleyball
Nach der schwierigen Zeit im Frühjahr: Volley Luzern meldet sich gestärkt zurück

Namenssponsor, Trainer, Mannschaft – bei NLA-Klub Volley Luzern ist nach dem Beinahe-Abstieg vieles neu.

Stephan Santschi
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Volley-Luzern-Rückkehrer Peer Harksen, der neue Trainer Marco Fölmli, Sportchef Jörg Gautschi und Hansjörg Setz von Namenssponsor Concordia (von links).

Volley-Luzern-Rückkehrer Peer Harksen, der neue Trainer Marco Fölmli, Sportchef Jörg Gautschi und Hansjörg Setz von Namenssponsor Concordia (von links).

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 9. Juni 2021)

Es sah schlecht aus für Volley Luzern im Frühjahr, der NLA-Volleyball in der Zentralschweiz stand wieder einmal vor dem Aus. Namenssponsor Lindaren gab seinen Rückzug bekannt, auch weitere Geldgeber stellten die Reduktion oder die Beendigung ihrer Engagements in Aussicht. Insgesamt brachen 70 Prozent des 300000-Franken-Budgets weg, hinzu kamen die fehlenden Zuschauereinnahmen wegen den Coronamassnahmen, der wirtschaftliche Abstieg schien unvermeidlich. «Wir hatten wirklich das Messer am Hals», sagt Philipp Odermatt, der Finanzchef von Volley Luzern.

Aufgeben war in der Führungscrew mit Odermatt, Geschäftsführer Richard Gehrlach, Präsident Josef Wicki und Sportchef Jörg Gautschi aber keine Option. Über die Crowdfunding-Plattform funders.ch sicherten sich die Luzerner im April über 100000 Franken und konnten die NLA-Lizenz für die kommende Saison bestätigen. Nun vermeldet der Verein sogar einen neuen Namenssponsor. Die Krankenversicherung Concordia, die ihren Hauptsitz in Luzern hat und bisher als Goldsponsor auftrat, upgradet ihre Unterstützung und verpflichtet sich für die kommenden drei Jahre als Hauptgeldgeberin. «Wir sind mehr als nur wieder erstarkt, es ist wie ein neues Leben», sagt Gehrlach. Und Odermatt hält fest: «Mit Concordia pflegen wir schon länger eine sehr gute Beziehung, wir spüren gegenseitig die Freude und Begeisterung am Volleyballsport.»

Der neue Trainer heisst Marco Fölmli

Neue Verhältnisse herrschen auch an der Seitenlinie und in der Mannschaft, es kommt zu einem regelrechten Umbruch. Der neue Trainer heisst Marco Fölmli, er folgt auf Interimscoach Jorge Garcia, der im Januar Chefcoach Alessandro Lodi ersetzt hatte. Fölmli ist im Schweizer Volleyball und besonders im Raum Zentralschweiz ein bekanntes Gesicht. Der 41-jährige Nidwaldner, der in Eich wohnt, coachte die letzten drei Saisons den 1.-Ligisten Emmen-Nord, ist Assistenztrainer der Schweizer Nationalmannschaft, Chefcoach der U20-Auswahl und Nachwuchsverantwortlicher bei den Männern von Swiss Volley.

Ein NLA-Team trainiert, hat er noch nie, «ich hatte in der Vergangenheit mehrere Angebote und nun ist der Zeitpunkt gekommen, um diesen Schritt anzutreten», sagt Fölmli, der sich auch in der Volleyball Academy Innerschweiz einbringen wird. Sein 100-Prozent-Pensum bei Swiss Volley verkleinert er auf 50 Prozent, die Leitung des Männer-Nachwuchses gibt er ab.

Harksen und Buivids kehren zurück

In Luzerns Spielerkader steht derweil mit Sportchef Jörg Gautschi, der unter dem Motto «last dance» eine letzte Saison als Libero anhängt, nur ein Akteur aus der vergangenen Spielzeit, die Zukunft von Nationalspieler Tim Köpfli (Wechsel ins Ausland?) ist noch ungewiss. Alle anderen haben den Verein verlassen – darunter die vier Ausländer Dominik Fort, Lars Wilmsen, Malte Neubert und Alexander Berggren sowie Captain Nick Amstutz, Passeur Lars Ulrich und Mittespieler Ben Hensler.

Angeführt wird das Team künftig von vier Rückkehrern, die bei Volley Luzern für viel Vorfreude und Zentralschweizer Identifikation sorgen: Aus Lausanne kommt der Steinhauser Nationalspieler Peer Harksen, der auf der Position des Zuspielers wegen seiner Unberechenbarkeit als Magier gilt. Diagonalangreifer Edvarts Buivids, Luzerns NLA-Topskorer der Saison 2019/20, kehrt wie Aussenangreifer Luca Müller aus Amriswil zurück. Und Mittespieler Marcel Häfliger ist nach seinem Rücktritt im Jahr 2019 reaktiviert worden. «Charakter und 100 Prozent Leidenschaft» verkörpere das Team, versichert Fölmli. Und Gehrlach betont: «Hier geht es nicht um Geld, sondern um viel Emotionen. Mit unseren Mitteln eine solche Mannschaft zusammenstellen zu können, ist fantastisch und spornt uns an, für weitere Sponsoren attraktiv zu werden.» Trotz des Kraftakts ist das Budget mit zirka 220000 Franken für NLA-Verhältnisse bescheiden. In Kürze sollen die Verpflichtungen eines zweiten Ausländers und weiterer Schweizer vermeldet werden. Nach einer turbulenten letzten Saison mit dem enttäuschenden siebten Platz und dem wirtschaftlichen Beinahe-Abstieg fühlt sich Volley Luzern gerüstet, um wieder oben anzugreifen.