VOLLEYBALL: Der Boss kommt aus dem Jura

Die Frauen von Volley Top Luzern unterliegen Franches-Montagnes 0:3. Es war aber nicht nur das Spiel, das einer Luzerner Spielerin Kopfschmerzen bereitete.

René Barmettler
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Luzerns Sarah Trösch (links) und Kristyna Boulova versuchen, den Angriff von Linda Kronenberg zu blocken. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 11. 12. 2016))

Luzerns Sarah Trösch (links) und Kristyna Boulova versuchen, den Angriff von Linda Kronenberg zu blocken. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 11. 12. 2016))

René Barmettler

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch

Leona Neumannova war restlos bedient. Der tschechischen Aussenspielerin von Volley Top Luzern war auch lange nach Spiel­ende anzusehen, dass sie sich mehr ausgerechnet hatte. Stattdessen ist Franches-Montagnes dank dem 3:0-Sieg in der Luzerner Bahnhofhalle auf Rang 3 vorgerückt. Die Innerschweizerinnen konnten nur im zweiten Satz, in dem sie noch 22:18 geführt hatten, bis zuletzt mithalten, im ersten (15:25) und dritten (17:25) dagegen zogen die Gäste jeweils schon vorzeitig entscheidend davon. Luzern blieb damit gegen die Jurassierinnen auch im achten Anlauf seit dem Aufstieg vor gut drei Jahren ohne etwas Zählbares.

Franches-Montagnes ist ein jurassischer Bezirk, dem 13 Gemeinden angehören mit insgesamt rund 10 000 Einwohnern. Hauptort ist Saignelégier (Sankt Leodegar). 133 km lang ist die Anfahrt nach Luzern. Die Mannschaft tat dies mit einem Kleinbus, der 15 Personen transportieren kann. Die Aufschrift am Fahrzeug hat etwas Symbolhaftes aus Sicht der Luzernerinnen: «Boss-Taxi». Die Jurassierinnen zeigten in den meisten Phasen der Partie, wer der Chef auf dem Platz ist. Seit dieser Saison spielt in diesem Team eine gewisse Linda Kronenberg, die in der vergangenen Spielzeit noch für Luzern auflief. Nach Spielschluss umgab sie entsprechend eine Menschentraube, die Wiedersehensfreude war gross. Auch wenn sie total ausgepumpt war. «Wir hatten eine strenge Woche hinter uns und eine noch anstrengendere vor uns.» Ihr Team tritt auf europäischer Bühne auf, entsprechend ist ihre Vorfreude trotz des gedrängten Programms. «Der Wechsel in den Jura hat sich gelohnt, ich habe nochmals grosse Fortschritte gemacht.» Mit Filho Beltramelli und Leonardo Portaleoni führt dort ein brasilianisches Trainerduo das Zepter. Und dieses Duo setzt auf die talentierte Spielerin. Dank ihrer stabilen Annahme schafft sie Raum für ihre Mitspielerinnen. Und dass sie eine gute Angreiferin ist, hat sie während ihrer Zeit in Luzern unterstrichen.

Auszeichnung für Mirjana Blazevic

Die Luzernerinnen zeigten sich engagiert, kämpften sich immer wieder mit grosser Moral zurück, schliesslich mussten sie sich aber der Routine des Favoriten aus der Westschweiz beugen. Es war insbesondere nicht der Abend der Libera Mirjana Blazevic. Nach dem klar verlorenen Startsatz liess sie sich auswechseln. «Ich hatte Mega-Kopfschmerzen, es ging einfach nicht mehr. Zudem spielte ich zuletzt in Schaffhausen um einiges besser.» Trotzdem hatte die 21-Jährige nach Spielschluss doch noch Grund zum Strahlen: Sie wurde gestern ausgezeichnet, weil sie im Sommer die Schweizer Meisterschaft der U-21-Beachvolleyanerinnen gewonnen hatte. Für den Rest der Partie kam Miranda Bösch, die zweite Libera der Luzernerinnen, zum Einsatz. Sie grub viele Bälle aus, und im zweiten Satz schien der Satzgewinn fast so gut wie sicher: Doch in den entscheidenden Momenten versagten die Nerven, und Blazevic meinte dazu: «Eine solche Situation müssen wir einfach ausnützen.»

Schlusslicht Lugano dagegen konnte Köniz einen Punkt abknöpfen, hat punktemässig zu Luzern aufgeschlossen. Am kommenden Samstag kommt es im Tessin zum Direktduell. Und die Luzernerinnen werden mit guten Erinnerungen anreisen: Das erste Duell gewannen sie in der heimischen Halle klar mit 3:0. Vielleicht sollten sie sich überlegen, einen Kleber mit der Aufschrift «Boss-Taxi» auf ihr Fahrzeug zu kleben. Zum Jahresabschluss kommt es am 21. Dezember in Luzern zum Duell gegen das grosse Volero Zürich, das bisher erst einen Punkt abgeben musste.

Volley Top Luzern - Franches-Montagnes 0:3

Bahnhofhalle. – 100 Zuschauer. – Satzergebnisse: 15:25, 23:25, 17:25. – Volley Top Luzern: Rohrer, Boulova, Milton, Neumannova, Perkovac, Trösch, Blazevic (Libera); Bösch (Libera), Wassner, Bachmann, Radulovic.