VOLLEYBALL: Der Magier wächst an den Aufgaben

Der Steinhauser Peer Harksen (20) hat einen steilen Aufstieg hinter sich, der ihn bis in die NLA nach Luzern geführt hat. Er ist bereit für noch mehr.

Raphael Biermayr
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Passeur Peer Harksen ist mit 20 Jahren bereits eine Stütze in der Luzerner NLA-Mannschaft. (Bild Dominik Wunderli)

Passeur Peer Harksen ist mit 20 Jahren bereits eine Stütze in der Luzerner NLA-Mannschaft. (Bild Dominik Wunderli)

Peer Harksens sportlicher Werdegang wäre nicht allzu aussergewöhnlich, wäre er eine Frau: Der Kanton Zug hat – gerade in jüngerer Vergangenheit – die eine oder andere Spitzenvolleyballspielerin hervorgebracht. Aber einen Mann, der in der NLA spielt, wie es Harksen in Luzern tut? Darauf angesprochen, lacht der 1,94 Meter grosse Schlacks. Bei ihm sei der Weg aus familiären Gründen vorgezeichnet gewesen: Seine Eltern spielen genauso wie sein älterer Bruder Erik und seine Schwester Nora.

Allerdings dauerte es eine Zeit lang, bis der heute 20-Jährige seine sportliche Berufung fand. Der Steinhauser versuchte sich – parallel! – im Fussball, Tennis, Handball und Volleyball. Neben der Wahrung der Familientradition gab das Talent den Ausschlag, erklärt Harksen: «Ich war im Volley einfach am besten.»

Bescheiden und unverbindlich

Sein Aufstieg verläuft seit Kindertagen kontinuierlich. Zunächst wechselte er von der Juniorenabteilung des LK Zug zum TV Lunkhofen. Dort diente er sich von der 5. Liga weg in den Aktivteams hoch, bis er schliesslich in der NLB spielte und 2014 nach Schönenwerd wechselte. In der Saison 2014/15 gewann er mit den Solothurnern die NLB-Meisterschaft – und machte sich mit seinen Leistungen für den Konkurrenten Luzern interessant. Der nahm Harksen bei seinem Aufstieg in die NLA gleich mit.

Der blonde Hüne – Vaters Wurzeln liegen in Friesland – hat sich bereits zu einer festen Grösse im reinen Schweizer Team gemausert. Ist er selbst überrascht darüber? «Ich habe immer an mir gearbeitet und werde das auch weiterhin tun», sagt Harksen nur. Diese Bescheidenheit und gleichermassen Unverbindlichkeit ist typisch für seine Antworten. Die daraus resultierende Frage nach Medientraining verneint er lächelnd. Die Aussagen stünden einfach für seine Einstellung zum Sport. Er wächst an den Aufgaben. «Ich denke nicht zu viel darüber nach, was sein könnte. Lieber nehme ich Schritt für Schritt. Das hat sich bislang ja bewährt.»

Erfrischend offen ist er, wenn er sich selbst einschätzen soll als Spieler: «Ich bin nicht der athletischste Spieler und nicht der beste Techniker der Liga. Aber ich bringe Leidenschaft und Emotionen mit rein und kann dadurch viel bewirken.» Er sei ein Typ, den man eher bremsen müsse als motivieren. «Selbst wenn ich verletzt bin, will ich spielen», führt er aus. Bislang musste er sich nicht allzu lang gedulden. Von schweren Verletzungen ist er verschont geblieben.

Das Lob der Trainerin

Luzerns Trainerin Lauren Bertolacci hält grosse Stücke auf Harksen. «Er ist noch jung, hat aber jetzt schon eine wichtige Rolle im Team und in der NLA – er gehört zu den besten Passeuren der Liga», sagt sie. Bertolacci muss es wissen: Die frühere Nationalspielerin Australiens spielte auf der gleichen Position. Die 30-Jährige erzählt, dass Harksen von den Teamkollegen bewundernd «Magic» genannt werde. «Er bringt etwas Spezielles in unser Spiel», erklärt die Trainerin.

Harksen weiss, dass es kaum möglich ist, seinen Lebensunterhalt mit dem Volleyball zu bestreiten. Er fand einen Weg für ein privates Sponsoring: Er publizierte ein Video mit Spielszenen und Informationen von sich auf einer Online-Geldsammelplattform. Darauf bat er um Beiträge für konkrete Ausrüstungsgegenstände und bot Gegenleistungen. 1860 Franken kriegte er zusammen. Dieser Erlös und der Support seiner Eltern erlauben ihm, die in Luzern ausgelobte Spesenentschädigung auf die Seite zu legen für sein Studium. Harksen will nach seiner bevorstehenden Matura (an der Sportkanti Aarau) an die ETH, um Maschinenbau zu studieren. Die Faszination dafür sei nicht zuletzt dank der Tüftelei an der Kaffeemaschine eines Freundes entstanden, erklärt er.

Rare Schaufenster

Sollte er die Möglichkeit erhalten, bei einem Schweizer Topteam zu spielen, würde sie Harksen wohl wahrnehmen. «Ich würde vieles aufgeben, um im Volleyball weiterzukommen», drückte er es aus. Sein Traum ist ein Ausland­engagement. Zu einem solchen kommt man als Schweizer höchstens durch überzeugende Leistungen in Europacupeinsätzen. Oder aber im Sand: Bis vor seinem Engagement in Luzern hat auch Harksen sommers Beachvolleyball gespielt. Im vergangenen Jahr wurde er an der Seite seines heutigen Teamkollegen Lorenz Eichhorn Schweizer U-21-Meister. Nun hat er Abstand davon genommen. Er wolle sich ganz auf die Halle konzentrieren und seinen Weg nach oben weiterverfolgen, begründet er.

Der «Magier» hat wohl noch so manchen Trick auf Lager.