VOLLEYBALL: Luzerner ärgern den Leader

Stark gekämpft, vor allem im ersten Satz auch begeistert. Doch die Niederlage war nicht zu vermeiden: Volley Top Luzern unterlag Branchenleader Amriswil 1:3.

Roland Bucher
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Volley Top Luzern mit Nick Amstutz (oben) knöpft Leader Amriswil einen Satz ab und hält bis zum vierten Durchgang mit den Thurgauern wacker mit. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Januar 2017))

Volley Top Luzern mit Nick Amstutz (oben) knöpft Leader Amriswil einen Satz ab und hält bis zum vierten Durchgang mit den Thurgauern wacker mit. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Januar 2017))

Roland Bucher

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Die Sache trägt ein bisschen die Züge von David, der bekanntlich Goliath ziemlich heftig an den Karren fuhr. Hier Volley Top Luzern mit einem Saisonbudget von 180 000 Franken für das maskuline Fanionteam, dort Amriswil, der Liga-Krösus, der – so schätzen die Insider – durchaus eine halbe Million lockermacht, um den Volley-Kübel in die Ostschweiz zu stemmen. Klare Sache also in der Luzerner Bahnhofhalle? Lektion für die Platzherren? «Es wäre ein kleines Wunder», sagte Vereinspräsident Josef Wicki vor dem Spiel ohne Zögern, «wenn wir den Gegner ärgern könnten.»

Und wie sie Amriswil ärgerten! 300 Fans trauten ihren Augen nicht, wie unverfroren das Team von Headcoach Lauren Bertolacci im ersten Satz auftrumpfte, ihn mit hoher Effizienz an sich riss: 25:22 – und spontanes Lob von Josef Wicki. Der Präsident klatschte den Staff euphorisch ab, freute sich zu Recht und wollte loswerden: «Lauren ist Gold wert. Sie ist die einzige Trainerin in der NLA der Männer – und sie braucht den Vergleich mit der männlichen Konkurrenz nun aber wirklich nicht zu scheuen.»

«Die Zwischenbilanz ist mehr als gut»

Volley Top Luzern hatte einen glänzenden Saisonstart hingelegt, in den letzten Wochen geriet Sand ins Getriebe, den der Präsident – väterlich-wohlwollend – indes wegbläst: «Wir stehen heute dort, wo wir hinwollten, wo wir aufgrund unserer Möglichkeiten auch hingehören. Die Zwischenbilanz ist mehr als gut, wir sind auf dem richtigen Weg.»

Der Weg: Den schlägt Josef Wicki zusammen mit seiner Crew konsequent mit scharfer Bevorzugung einheimischer Kräfte ein: «Ich getraue es fast nicht zu sagen, und wahrscheinlich ist es auch eine Illusion. Aber es ist unser ganz grosses Fernziel, einmal mit einer vorwiegend aus Schweizer Spielern formierten Mannschaft unter die besten drei zu rücken.» Und es dürfe auch mehr sein, schmunzelt der umtriebige Präsident, der durchaus auch mal ein kräftiges «Blau-Wiss! Hopp Lozärn!» in die Runde wirft. Volley-Boom in Luzern? «Letztes Jahr hatten wir im Durchschnitt rund 100 Zuschauer, in dieser Saison hochgerechnet das Dreifache. Das freut mich sehr.»

Am Schluss allerdings blieb die Kirche im Dorf. Luzern liess bis in die finale Phase des Schlusssatzes nie locker, inszenierte auch dank seinem starken Aufschläger Noah Eichenberger grossartige Aufholjagden, eben: ärgerte den Gegner, erfreute die heimischen Supporter. Doch am Schluss entschied die Muskelmasse des personell aus ganz anderen Möglichkeiten schöpfenden Widersachers. Zum Beispiel das Reservoir an Söldnern: Amriswil hat fünf, Luzern einen Ausländer unter Vertrag. «Irgendwie finde ich es schade, dass bei ihnen gute Schweizer Nationalspieler auf der Bank sitzen, statt Spielpraxis holen zu können. So bringen wir den Volleyballsport in der Schweiz nicht weiter.»

Ganz gut zu wissen, dass Volley Top Luzern auf die Karte einheimischen Schaffens setzt.

Volley Top Luzern - Amriswil 1:3

Bahnhofhalle – 300 Zuschauer. – SR Kälin, Dzankovic. – Satzergebnisse: 25:22, 23;25, 21:25, 14:25. – Spieldauer: 99 Minuten. – Luzern: Harksen, Amstutz, Müller, Lipscombe, Eichenberger, Hensler, Gautschi; Häfelfinger, Wicki, Widmer, Häfliger.