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VOLLEYBALL: Nur als Spielerin ist sie explodiert

Volley Luzern strebt heute im Cup-Viertelfinal gegen Amriswil nach einer Überraschung. Für die scheidende Trainerin Lauren Bertolacci käme der Sieg einem verspäteten Geburtstagsgeschenk gleich.
Stephan Santschi
Die 33-jährige Lauren Bertolacci hat sich als Trainerin in der Männerwelt der NLA durchgesetzt. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 18. November 2016))

Die 33-jährige Lauren Bertolacci hat sich als Trainerin in der Männerwelt der NLA durchgesetzt. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 18. November 2016))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Lausanne, Näfels und Amriswil sind in der NLA der Männer eine Klasse für sich. Doch das heisst nicht, dass sie für die Konkurrenz unantastbar sind. Bewiesen haben das die Luzerner am zehnten Spieltag, als sie auswärts gegen Amriswil mit 3:1 siegten. Eine ähnliche Überraschung planen sie heute Abend, wenn der gleiche Gegner zum Cup-Viertelfinal in der Bahnhofhalle gastiert (17 Uhr). Der Einzug in die Runde der letzten Vier käme für Trainerin Lauren Bertolacci einem nachträglichen Geburtstagsgeschenk gleich. Am Freitag wurde die australisch-italienische Doppelbürgerin nämlich 33 Jahre alt.

Eine Zahl, die in Erinnerung ruft, wie jung sie als Trainerin begonnen hat. «Are they crazy?» – sind die verrückt? So reagierte Bertolacci im Sommer 2013, als sie neben ihrem Job als NLA-Spielerin beim FC Luzern auch noch Trainerin der NLB-Männer im damaligen VBC Luzern werden sollte. Bis dahin war sie ausschliesslich Profispielerin gewesen, mit Stationen in Frankreich, Deutschland und Spanien. Doch mit Ausnahme von Trainings im Nachwuchs hatte sie keine ­Coachingerfahrung. Nach kurzer Bedenkzeit gab sie den Zuschlag für die Doppelfunktion. Weil ihr das Projekt mit jungen Spielern zusagte. Und weil es sich wie eine Jetzt-oder-nie-Chance anfühlte. Heute sagt sie zu ihrem damaligen Entscheid: «Es war der beste meiner Karriere.»

Chance auf Meistertitel in Neuenburg?

Mittlerweile trainiert sie die Luzerner in der fünften Saison. Sie stieg mit ihnen in die NLA auf und hat sie dort etabliert – derzeit belegt das Team den guten vierten Platz. «Über die Fortschritte der Spieler bin ich sehr glücklich», sagt Bertolacci. Trotzdem hat sie im November 2017 ihren Abschied per Ende Saison bekanntgegeben, um bei den NLA-Frauen von Neuchâtel UC die Verantwortung an der Seitenlinie zu übernehmen. Sie habe nicht nach einer neuen Herausforderung gesucht, doch als die Anfrage aus Neuenburg kam, habe sie die Gelegenheit genutzt. «Es war ein sehr schwieriger Entscheid. Ich bin stolz auf das Erreichte in Luzern. Vielleicht habe ich hier alles gemacht, was ich konnte. Vielleicht kann ich noch mehr tun, das kann man nie wissen.»

Die studierte Bewegungswissenschafterin und diplomierte Athletiktrainerin sieht in Neuenburg erneut die Möglichkeit, mit einheimischen Spielerinnen etwas aufzubauen. Durch den möglichen Wegzug des jahrelangen Dominators Volero Zürich in die französische Meisterschaft könnte sogar der Kampf um den Meistertitel zu einer Option werden. Bertolacci denkt dabei auch über Verstärkung aus Luzern nach. Neben ihrer Tätigkeit bei den Aktiven fördert sie den Nachwuchs in der Luzerner Talentschule. «Das sind tolle Mädchen, die eine oder andere kann ich mir bei Neuchâtel vorstellen.»

Rückkehr nach Australien ist unvorstellbar

Als die Juniorinnen vom Abgang Bertolaccis vernahmen, flossen Tränen. Für sie war dies ein weiteres Zeichen dafür, dass die Trainerbranche der Platz ist, wo sie hingehört. Und dass die Aufgabe noch mehr zu ihr passt, als jene als Passeuse. 2015, mit 30 Jahren, hatte sie ihre Aktivkarriere beendet, weil sie nicht mehr Trainerin und Spielerin sein wollte. Besonders hart war der damit verbundene Rücktritt aus dem Nationalteam Australiens nach 96 Länderspielen. Heimweh verspürt sie nicht, eine Rückkehr nach Bundoora in den Vorort von Melbourne, wo sie aufgewachsen ist, sei unvorstellbar. Ihre Lebenspartnerin studiert in Fribourg, und in Australien gebe es neben ihrem aktuellen Job als Assistentin des Frauennationalteams kaum Möglichkeiten, um als Trainerin zu arbeiten.

Die Art und Weise, wie sie ihre Passion lebt, hat sich mittlerweile deutlich verändert. «Als Spielerin konnte ich auf dem Platz explodieren. Die Luzernerinnen hatten es in meiner ersten NLA-Saison nicht einfach mit mir», erinnert sie sich mit einem Schmunzeln. An der Seitenlinie hingegen ist sie die Ruhe selbst. Das sei keine Show, sie verstelle sich nicht. Auch nicht, um als einzigeÜbungsleiterin in der Männerwelt der NLA Respekt einzufordern? «Nein, es wäre ein grosser Fehler, jemand anders als sich selber sein zu wollen.» Sie habe sich in ihrer Rolle immer wohlgefühlt, ein Geschlechterthema habe es für sie nie gegeben. «Es geht darum, Regeln aufzustellen und diese durchzuziehen. Dann gibt es mit der Akzeptanz keine Probleme.»

Viel Lob aus ihrer Mannschaft

Aufgrund ihrer verhältnismässig geringen Körpergrösse von 1,70 Metern war sie es schon als Spielerin gewohnt, sich durchzukämpfen. Das Feedback aus ihrer Mannschaft ist entsprechend positiv. In ihrer Arbeit sei sie «strukturiert, streng und feinfühlig». Darüber hinaus sei sie in heiklen Situationen fokussiert, offen für Inputs und sorge für eine klare Kommunikation.

Ihre Aufgabe in Luzern sei allerdings noch nicht beendet, das sagt Bertolacci mit Nachdruck. In beiden Wettbewerben träumen die Luzerner vom Coup. In der Meisterschaft sind die Playoff-Halbfinals das Ziel. Und heute im Cup soll der Favorit aus Amriswil wieder vor unüberwindbare Probleme gestellt werden.

Hinweis

Heute. Schweizer Cup, Viertelfinal, Männer: Volley Luzern – Amriswil (17.00, Bahnhofhalle).

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