Volleyball
Der Hauptsponsor springt ab: Volley Luzern steht vor dem Aus

Hauptsponsor Lindaren beendet sein Engagement bei Volley Luzern. Nun droht der Rückzug aus der NLA.

Stephan Santschi
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Jorge Garcia, Trainer von Volley Luzern, bei einem Timeout.

Jorge Garcia, Trainer von Volley Luzern, bei einem Timeout.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 8. Februar 2021)

Mit 1:3-Sätzen verlor Volley Luzern am letzten Mittwoch gegen Amriswil, womit das Ausscheiden in den Playoff-Viertelfinals Tatsache war. Eine weitaus schmerzhaftere Niederlage erlitt das NLA-Team aber abseits des Platzes. Lindaren, im zweiten Jahr Haupt- und Namenssponsor, teilte den Zentralschweizern Mitte Februar mit, dass es sich per Ende Saison zurückziehen wird. «Das ist natürlich ein Hammer für uns, wir sind konsterniert», sagt Teammanager Josef Wicki.

Zusammen mit anderen, kleineren Sponsoren, die ihr Engagement aufgrund der wirtschaftlich angespannten Situation ebenfalls beenden oder reduzieren, fallen 70 Prozent des Budgets weg. Volley Luzern steht damit vor dem Aus, denn: Bis am 28. Februar, also bis zum kommenden Sonntag, hätte bei Swiss Volley die Lizenz für die neue Spielzeit beantragt werden müssen. «Diese Frist haben wir nun zwar bis zum 22. März verlängern können. Bis dahin muss sich aber zeigen, wohin unser Weg führt», sagt Richard Gehrlach, der bei den Luzernern die Verantwortung für die Geschäftsstelle und den Spielbetrieb trägt.

Volley Luzern fehlen 150'000 Franken

Konkret benötigen die Luzerner innert Kürze 150'000 Franken, um auch nächste Saison den NLA-Spielbetrieb gewährleisten zu können. «Es ist nicht so, dass nun alles wegbricht», vermerkt Wicki. Geldgeber wie Concordia oder CKW bleiben dem Verein ebenso erhalten, wie Partnerschaften mit dem Fitnesscenter One, dem Medical Partner Medbase oder Ausrüster Erima. «Sponsoren, die uns mit Cash-Beiträgen unterstützen, sind aber immer schwieriger zu finden», erklärt Wicki. Somit wird immer deutlicher, was die vom Bundesrat ausgelösten Coronamassnahmen für Wirtschaft und Sport bedeuten. Aufgegeben haben sich die Luzerner indes noch nicht. «Wir sind mit verschiedenen Firmen in Kontakt, wir prüfen alle Optionen, wir greifen an», betont Gehrlach.

Bleibt die Akquise erfolglos, macht eine Zukunft in der NLA wenig Sinn. «Die Frage ist, ob wir mit 150'000 Franken weniger und einem schlankeren Team, das nur aus Schweizer Spielern besteht, in der NLA konkurrenzfähig wären», sagt Gehrlach und bezieht sich auf die NLA-Qualifikation der aktuellen Saison, in der man trotz dem Engagement von vier Ausländern nicht über den letzten Platz hinausgekommen ist. Eine Alternative ist der freiwillige Abstieg in die NLB, auch die Auflösung der Spitzensportabteilung ist nicht auszuschliessen. Die Luzerner sind dabei nicht die einzigen, die ins Schlingern gerieten. Auch Basel macht sich ernsthafte Gedanken über einen Rückzug, vor kurzem kommunizierte der Verein, dass für eine Zukunft in der NLA ein sechsstelliger Betrag fehle.

Verschwindet Luzern wie 2009 von der NLA-Karte?

Vier Jahre nach dem wirtschaftlich bedingten Abstieg der Frauen droht nun auch den Männern von Volley Luzern das gleiche Schicksal. Bereits im Jahr 2009 verschwand der Zentralschweizer Volleyball komplett von der Landkarte der Schweizer NLA, damals zogen sich die Frauen des BTV Luzern und die Männer des VBC Sursee mangels Finanzkraft zurück. Die Männer schafften 2015 als VBC Luzern die Rückkehr ins Oberhaus. 2017 bündelte man die Kräfte mit der Gründung des Dachvereins Volley Luzern, der aus Volley Top Luzern, VBC Luzern und Volley Luzern Nachwuchs hervorging. «Mit diesen sechs Jahren in der NLA trugen wir dazu bei, dass sich mehr Jugendliche für Volleyball interessierten. Wir haben etwas aufbauen können», berichtet Wicki.

In der Volleyball Academy Innerschweiz, die im letzten September ihre Pforten öffnete, sind die Sportlerinnen zwar in der Überzahl. «Aktuell haben wir aber auch 20 Talente in der Knaben-Abteilung», so Josef Wicki. Für diese geht mit dem NLA-Team eine Plattform mit Leuchtturmcharakter verloren. Falls nicht doch noch ein Wunder geschieht, und bis spätestens 22. März neue Geldgeber an Land gezogen werden. Oder wie es Richard Gehrlach formuliert: «Jede finanzielle Unterstützung hilft uns und würde dafür sorgen, dass dieser Leuchtturm sichtbar bleibt.»