Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Wenn sich Durchhaltewille ausbezahlt - Cédric Noger startet von null auf hundert

Der Skirennfahrer Cédric Noger musste privat trainieren und war auf Spenden angewiesen, um sich eine Schleifmaschine finanzieren zu können. Es gab Zeiten, da dachte der Wiler ans Aufhören. Am Samstag startet er am Weltcupfinal.
Patricia Loher
Cédric Noger ist ein Spätzünder. Der Wiler debütierte erst mit 26 Jahren im Weltcup. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Cédric Noger ist ein Spätzünder. Der Wiler debütierte erst mit 26 Jahren im Weltcup. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Viele hatten Cédric Noger abgeschrieben. Es kam ihm zu Ohren, dass die Leute sagten: «Weshalb hört er nicht auf?» Der 26-Jährige gesteht, in den Stunden nach seinem grössten Erfolg an all jene gedacht zu haben, die seinen Weg in Frage stellten. «Habt ihr gesehen?», sei es ihm durch den Kopf gegangen. Und: «All die harte Arbeit hat sich eben doch gelohnt.» Noger ist am vergangenen Samstag im Riesenslalom von Kranjska Gora praktisch aus dem Nichts in die Weltspitze gefahren. Der Wiler klassierte sich in seinem erst fünften Weltcuprennen auf dem vierten Rang – und liess Grössen wie Alexis Pinturault und Marcel Hirscher hinter sich.

Der Lohn für diesen Exploit ist die Startberechtigung für den Riesenslalom des Weltcupfinals in Andorra vom Samstag. Noger hat sich nach harten Jahren im zweitklassigen Europacup unter den 25 besten Riesenslalom-Fahrern des Winters eingereiht. Die Tage des Zweifelns sind vorbei.

Noger fiel nichts in den Schoss

Der Weg in die Weltspitze war für Noger steiniger als für andere. Der Wiler schaffte es zwar früh in ein Kader des Ostschweizer Skiverbandes, auch die Aufnahme ins Davoser Skigymnasium war für den jungen Mann eine Bestätigung, über das Zeug zu verfügen, dereinst den Durchbruch schaffen zu können. Überall beschieden sie ihm, sein Talent sei ausserordentlich. Doch nachdem er die Matura im Sack hatte, begann der beschwerliche Teil. Nichts fiel Noger in den Schoss. Auf den Ski stellten sich keine Fortschritte mehr ein. Der Wiler war damals 22-jährig.

Andere in seinem Alter hatten den Durchbruch geschafft, jüngere Fahrer zogen an ihm vorbei. Er musste mit ansehen, wie es bei seinen Kollegen von Tag zu Tag aufwärts ging. «Ich aber stagnierte.» Also entschloss sich Noger mit seinen Eltern, auf einen Privattrainer zu setzen. Der ehemalige österreichische Weltcup-Fahrer Dietmar Thöni brachte den Athleten wieder in die Spur. Es begann eine Beziehung, die dem Ostschweizer in all den Jahren half, den Glauben an sich nicht zu verlieren. Thöni ist nebst seiner Familie, der Freundin und ihrer Familie noch heute sein wichtigster Vertrauter. Auch an Thöni, die Freundin und die Familien habe er in Kranjska Gora gedacht, so Noger.

Die Momente des Zweifels

Thöni half ihm durch die nächste schwierige Zeit, als Noger nach nur einem Jahr von Swiss Ski aus dem Kader gestrichen wurde. Vom Verband kam im Winter 2014/15 keine finanzielle Unterstützung mehr, die Trainings musste das kleine Team Noger/Thöni nach der Saison 2012/13 bereits zum zweiten Mal selber organisieren und berappen. Der Entscheid des Verbandes war für Noger eine Enttäuschung. Er sagt: «Natürlich, ich hatte die Kriterien nicht erfüllt. Aber andere erhielten mehr Zeit.» Er denkt, dass die damaligen Trainer ihm den Durchbruch eben auch nicht zugetraut haben. Nur gab es auch für Noger selber nach all den Rückschlägen die Momente des Zweifelns: Als er in der vergangenen Saison im Europacup nach den Rängen 30, 35, 37 und 34 wieder an den Start ging, in der Vorbereitung das Beste gegeben und auf ein Skimodell gewechselt hatte, das bei anderen positive Folgen hatte, habe er sich gefragt:

«Was machst du, wenn es auch heute nicht klappt? Lohnt es sich dann, weiterzumachen?»

Denn die finanziellen Belastungen für Noger und seine Eltern waren gross in all den Jahren ohne Kaderzugehörigkeit. Eine Saison hatte ihn 40000 Franken gekostet. Der Skirennfahrer, dessen Vater als grüner Politiker dem Wiler Stadtparlament angehört, verdiente sich etwas Geld mit einem Nebenjob in einem Fitnesspark in Winterthur. Und trotz einiger privater Sponsoren wie einem neuen Hotel in St. Gallen blieb es schwierig, sich finanziell über Wasser zu halten für den Traum vom Weltcup.

Eine Saison kostete Noger 40 000 Franken

Als sich Noger in der vergangenen Saison eine Schleifmaschine anschaffte, weil die von Hand präparierten Kanten zu wenig griffig waren auf den eisigen Pisten des Europacups, kostete ihn das 4000 Franken. «Das riss ein Loch in meine Kasse», sagt der Skirennfahrer. Zwei Studenten gaben ihm den Tipp der Website «I believe in you», einer Crowdfunding-Plattforum für Sportlerinnen und Sportler, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, und halfen ihm bei der Umsetzung. Für Nogers Schleifmaschine kamen schliesslich über 5000 Franken zusammen. «Ich war überrascht. Und überwältigt.»

Das für ihn entscheidende Rennen im Europacup im März 2018 in Berchtesgaden beendete Noger auf dem neunten Rang. Es war eine Leistung, die ihm Hoffnung machte. Nun, ein Jahr später, hat sich Nogers Durchhaltewille ein erstes Mal ausbezahlt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.