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Vor dem Erdbeben

Ab Sonntag könnte ein wilder Transfersommer die NBA radikal auf den Kopf stellen. Alle Macht liegt bei den Spielern – allen voran dem weltbesten Basketballer.
Nicola Berger
LeBron James von den Cleveland Cavaliers will seinen vierten NBA-Titel holen. (Bild: Marcio Jose Sanchez/Keystone (Oakland, 3. Juni 2018)

LeBron James von den Cleveland Cavaliers will seinen vierten NBA-Titel holen. (Bild: Marcio Jose Sanchez/Keystone (Oakland, 3. Juni 2018)

Am Sonntag öffnet der Spielermarkt in den US-Profiligen NBA und NHL. Die «Free Agency» hat oft genug für Kummer gesorgt, weil die Manager manchmal die Nerven verlieren und Millionen zum Fenster hinauswerfen. Das Eishockeyteam der New York Islanders etwa zahlt dem Torhüter Rick di Pietro seit 2013 und noch bis 2021 jährlich 4,5 Millionen US-Dollar, damit er nicht für sie spielt. Di Pietro trat 2013 zurück, nachdem er sich in der Lockout-Saison auch in der zweiten Deutschen Bundesliga nicht mehr hatte durchsetzen können.

Auch in diesem Jahr werden in beiden Ligen Dutzendspieler überzahlt werden, gerade in der NBA sitzt das Geld locker, ein Neunjahresvertrag für die TV- und Medienrechte spült innert neun Jahren 24 Milliarden in die Kassen. Die Abhängigkeit von Stars ist in der NBA so gross wie in keiner anderen der grossen US-Profiligen, schliesslich stehen zeitgleich nur fünf Spieler auf dem Feld, was den Einfluss eines Einzelnen erhöht. Die 30 Teams sind bedacht, ihre Aushängeschilder um jeden Preis zu halten. Die Denver Nuggets etwa belohnen ihren jungen serbischen Center Nikola Jokic gerade mit einem neuen Fünfjahresvertrag, der mit 146,5 Millionen Dollar dotiert ist.

Das Werben um LeBron James

Doch in den kommenden Tagen zeichnen sich in der Liga tektonische Verschiebungen ab. Mit LeBron James (33, Cleveland Cavaliers), Paul George (28, Oklahoma City Thunder), Kawhi Leonard (26, San Antonio Spurs) könnten drei ganz grosse Namen den Klub wechseln – und damit für neue Stärkeverhältnisse in der Liga sorgen. James, der weltbeste Basketballer, steigt aus seinem Vertrag in Cleveland aus, wie gestern mehrere US-amerikanischn Medien berichteten. Er kann sich den Klub aussuchen; niemand vereinigt in der Liga mehr Macht auf sich. 234 Millionen Dollar hat er bereits verdient, dazu stattete Nike ihn mit einem auf Lebzeiten gültigen Ausrüstervertrag aus. Geld spielt für James entsprechend eine untergeordnete Rolle, er jagt den vierten Meistertitel – und sucht nach einem Team, mit dem er die Phalanx der Ligadominatoren der Golden State Warriors durchbrechen kann. Nachdem Cleveland im Final gerade mit 0:4-Siegen untergegangen ist, sieht James anderswo wohl bessere Perspektiven. James hat in den letzten Monaten unzählige Avancen erhalten; Firmen aus Philadelphia und Los Angeles etwa kauften in Cleveland riesige Werbetafeln, um James mit nicht immer gleich kreativen Werbeslogans zu ködern.

An der Ausgangslage hat das nichts geändert: Es gibt etliche Szenarien, denkbar ist etwa, dass James und Paul George sich gemeinsam den Los Angeles Lakers anschliessen. Die Basketball-Welt hält gebannt den Atem an, aber immerhin bleibt es ihr diesen Sommer erspart, dass James seine Entscheidung in einer unfreiwillig komischen TV-Spezialsendung bekannt gibt. 2010 hatte er viel Häme dafür einstecken müssen, dass er seinen Transfer nach Miami in einem peinlich berührenden einstündigen «The Decision»-Special auf ESPN verkündet hatte.

Capela in der Warteschleife

James hat verdankenswerterweise einen zeitnahen Entscheid versprochen, was nicht unwichtig ist, denn von ihm hängt alles ab. Und wer James nicht kriegt, muss sich an die Ausführung der Pläne B, C oder D machen. Die Entscheidung der Lichtgestalt wird auch Auswirkungen auf die Vertragssituation des Schweizers Clint Capela haben. Sollte James sich den Houston Rockets, dem aktuell ernstzunehmendsten Widersacher des Seriensiegers Golden State, anschliessen, bliebe für Capela im Budget ziemlich sicher kein Platz. Capela (24) ist ein «Restricted Free Agent», was bedeutet, dass Houston das Recht hat, jedes Vertragsangebot zu egalisieren. Capela müsste dann bleiben. Sportlich wäre das für den Genfer ohnehin die beste Option. Seit ihn die Rockets 2014 in der 1. Runde des NBA-Drafts selektionierten, hat sich der Center jedes Jahr gesteigert; nach seiner bärenstarken Saison 2017/18 wurde er für die Auszeichnung zum «meistverbesserten Spieler» nominiert.

Mit James Harden, dem eben als wertvollster Spieler der Saison geehrten Star der Rockets, versteht sich Capela auf und neben dem Platz blendend. Es gibt für ihn keinen Grund, dieses gemachte Nest zu verlassen. Zumal der Zahltag sich für Capela sowieso einstellen wird: In wenigen Tagen wird er der bestverdienende Teamsportler der Schweizer Sportgeschichte sein.

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