Schweizermeisterschaft Judo

Vor dem Judoclub Brugg erstarrt selbst der FC Basel vor Ehrfurcht

Der Judoclub Brugg gewinnt die Schweizer Meisterschaft zum zehnten Mal in Serie – ein beeindruckender Rekord.

Rainer Sommerhalder
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Eindrücke der Schweizer Meisterschaft im Judo mit dem neuen alten Schweizermeister aus Brugg
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Im Final traf der JJJC Brugg (in weiss) auf den Judo Club Uster (in blau).

Eindrücke der Schweizer Meisterschaft im Judo mit dem neuen alten Schweizermeister aus Brugg

foto-net / Alexander Wagner

Welcher aktuelle Schweizer Meister im Teamsport blickt auf die längste Titelserie zurück? Sind es die Fussballer aus Basel, die Landhockeyaner aus Wettingen oder doch die Volleyballerinnen aus Zürich? Keiner davon! Es sind die Judoka aus Brugg. Die Aargauer gewannen am Samstag vor heimischem Publikum ihren zehnten Schweizer Mannschaftstitel in Folge. Eine Bilanz, welche sogar den grossen FCB vor Ehrfurcht erstarren lässt.

Aktuelle Schweizer Serienmeister

10 Titel: Brugg (Judo), seit 2007.

7 Titel: FC Basel (Fussball) und Voléro Zürich Frauen (Volleyball), beide seit 2010.

6 Titel: Rotweiss Wettingen Frauen (Landhockey), seit 2011.

5 Titel: FC Zürich Frauen (Fussball) und Piranha Chur Frauen (Unihockey), beide seit 2012.

Viele Fachleuchte rechneten im Vorfeld mit dem Ende der bemerkenswerten Brugger Dynastie. Der Judoclub Uster nahm die Rolle als erster Herausforderer mit einem sehr talentierten Team und einigen Ausgaben für zwei hochkarätige ausländische Verstärkungen auf überzeugende Weise an. In der Qualifikation fügten die Zürcher Unterländer Brugg denn auch eine der seltenen Niederlagen zu. Selbst Verbandspräsident Daniel Kistler, vor vielen Jahren am Ursprung der Brugger Erfolgsgeschichte, tippte deshalb auf eine Wachablösung.

Doch im entscheidenden Moment zeigten die Brugger, welche Magie in ihrem Erfolgsgeheimnis steckt. Auch wenn Bruggs Flaggschiff, Olympiateilnehmer Ciril Grossklaus, die Titelverteidigung wegen der erstarkten Konkurrenz jedes Jahr als schwieriger einstuft, reichte es der Gegnerschaft einmal mehr nur für die Brosamen. Die Finalanalyse von Thomas Wehrli, Chefcoach der Finalverlierer aus Uster, fiel prägnant kurz aus: «Mental waren die Brugger stärker als wir.»

Das Team als Kult

Seine Begründung dafür trifft den Kern. «Für den Judoclub Brugg ist die Mannschaftsmeisterschaft eine Art Kult, beinahe eine Religion», sagte Wehrli. Sein Brugger Gegenüber Martin Nietlispach bestätigte dies in anderen Worten. «Ich weiss als Coach, dass jeder alles für den andern gibt.» Und Daniel Kistler sieht die Gründe für die Serie beim Enthusiasmus und der gegenseitigen Wertschätzung im Team. «Jeder ist auf eine positive Art verrückt.»

Kistler wird immer wieder als Vater und Baumeister der Brugger Erfolgsserie genannt. Er engagierte sich während Jahren in einem Umfang, der weit über jedes gesunde ehrenamtliche Mass hinausging. Er führte eine Gruppe junger Anfänger Schritt für Schritt bis ans internationale Niveau heran, hielt die Truppe mit seiner begeisternden Art und seinem kompromisslosen Leistungsdenken zusammen.

Noch immer bilden diese Kämpfer den harten Kern der Meistermannschaft, selbst wenn der Generationenwechsel inzwischen auch bei Brugg in vollem Gange ist. Coach Nietlispach weist mit Nachdruck darauf hin, dass alle 23 Kämpfer im Team – pro Begegnung stehen deren 7 auf der Matte – eine wichtige Rolle einnehmen. 22 verschiedene Athleten sammelten in dieser Saison Punkte für den Meistertitel. Auf eine ausländische Verstärkung verzichten die Brugger im Gegensatz zur Konkurrenz.

Neider liegen auf der Lauer

Wo solch geballter Erfolg zum Vorschein kommt, da warten die Neider nicht weit entfernt. Der FC Basel kann ein Lied davon singen. Auch im Judo verfolgt man jede Handlung der Brugger mit Argwohn. Erst recht, seit das nationale Leistungszentrum von Magglingen in den Aargau gezügelt ist. Kritische Stimmen behaupten, der Judoclub Brugg sei nur deshalb so erfolgreich. Sie blenden aus, dass die Siegesserie bereits viel früher begann. Und Chefstratege Nietlispach betont mit Nachdruck: «Im Gegensatz zu früheren Beispielen aus der Westschweiz haben wir nie einen in Brugg trainierenden Athleten aus einem anderen Verein abgeworben.»

Man könnte die Kritik auch problemlos zum Lob umwandeln und den Bruggern fruchtbare Entwicklungshilfe attestieren. Bei Finalgegner Uster kämpften am Samstag nicht weniger als vier Judoka, die zuvor bei Brugg auf der Matte standen. Mit solchen Kleinigkeiten hält sich der Serienmeister aber nicht auf und bastelt stattdessen lieber an der Fortsetzung seiner Erfolgsgeschichte.

Dass mit einer Ausnahme sämtliche NLA-Kämpfer im Verein Trainings für die Hoffnungsträger von morgen leiten und so der «Kitt» kultiviert wird, gehört dazu. Ebenso, dass die Generalversammlung jüngst beschloss, im kommenden Jahr erstmals einen Profitrainer zu beschäftigen. Martin Nietlispach präzisiert: «Erstmals einen Trainer entlöhnt, denn punkto Einsatz für den Klub gab es schon viele Profis.» Die Zehn auf dem neuen Meister-Shirt ist Zeugnis davon.