Vor gespenstischer Kulisse gewinnt der EVZ gegen die SCL Tigers im Penaltyschiessen

Keine Zuschauer auf der Tribüne, ein schwieriges Spiel auf dem Eis: Der EVZ gewinnt gegen die SCL Tigers 5:4 nach Penaltyschiessen.

Philipp Zurfluh
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Stetiger Gefahrenherd: Doppeltorschütze Jan Kovar.

Stetiger Gefahrenherd: Doppeltorschütze Jan Kovar. 

Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 28. Februar 2020)

Die Atmosphäre war denkwürdig. Die ständigen Zurufe der Spieler oder die Bemerkungen der Schiedsrichter: Alles hallte an diesem Abend bis unter das Dach der Bossard-Arena. Eine Geräuschkulisse, die ihresgleichen sucht. Neben den Medienvertretern waren noch ein paar wenige Offizielle im Rund der Arena zu sehen, die regelmässig mit über 7000 Fans gefüllt ist. Trainingsspielidylle statt Hockeyfest. Eishockey ohne Zuschauer ist wie Winter ohne Schnee, eine Beiz ohne Gäste oder wie Raclette ohne Käse.

Ähnlich emotionslos wie es auf der Tribüne zu und her ging, wirkte teilweise das Zuger Spiel. Weil die ZSC Lions und der HC Davos patzten, hätte der EVZ mit einem Sieg nach 60 Minuten die Qualifikation auf dem ersten Platz beenden können. Es wäre das erste Mal seit acht Jahren. Doch die Zentralschweizer zeigten über weite Strecken einen uninspirierten und mutlosen Auftritt. Die zuvor drei Niederlagen in Serie scheinen in den Köpfen der Spieler Spuren hinterlassen zu haben. Die Leistung wurde eines Tabellenführers über weite Strecken nicht gerecht.

Luca Hollenstein wehrt alle Penaltys ab

Sven Senteler rettete 27 Sekunden vor Schluss den EV Zug in die Verlängerung. Dort hätte der Tabellenführer die Partie entscheiden müssen. Der glücklose Lino Martschini, der nun seit 13 Spielen nach einem Tor lechzt, scheiterte alleinstehend vor Langnau-Goalie Damiano Ciaccio. Und auch Jan Kovar verpasste mittels Penalty den Siegtreffer. Weil Luca Hollenstein, der anstatt Abend Leonardo Genoni das Tor hütete, alle Langnauer Penaltys entschärfte und Topskorer Grégory Hofmann als einziger Zuger Schütze verwandelte, kehrte Zug auf die Siegerstrasse zurück.

«Es war ein schwieriger Abend für uns ohne Publikum. Wir wirkten teilweise etwas gelähmt, versuchten von der Bank aus etwas Emotionen ins Spiel zu bringen», meinte Stürmer Sven Senteler hinterher. «Wir hatten zu viele Puckverluste. Auch die Aggressivität hat teilweise gefehlt. Wir wissen, dass wir es besser können.»

Ein Blick in die Statistik liess vor dem Duell eigentlich nichts Gutes für Langnau erahnen. Der EVZ konnte die letzten fünf Heimspiele gegen die Tigers gewinnen. Die Gäste waren im ersten Drittel mehrheitlich mit Defensivaufgaben beschäftigt. Die Zuger waren gewillt, offensiv für Gefahr zu sorgen, doch Zwingendes gelang dem Heimteam vorerst nicht. Zwar traten die Gäste nur zweimal offensiv in Erscheinung – dann aber richtig gefährlich. EVZ-Goalie Luca Hollenstein entschärfte mit zwei Paraden Langnaus Abschlüsse.

Den Torreigen eröffnete Tscheche Jan Kovar. Der Center zeichnete auch für den zweiten Zuger Treffer verantwortlich. Julian Schmutz verkürzte vor Drittelsende für die Gäste. Als Lars Leuenberger in der 27. Minute für die 3:1-Führung besorgt war, hätte man erwarten können, dass der Widerstand der Tigers gebrochen war. Aber weit gefehlt: Nolan Diem, der während sieben Jahren das Dress des EV Zug getragen hatte, sowie Julian Schmutz glichen aus. Im dritten Drittel brachte wiederum Nolan Diem die Gäste in Führung, ehe Sven Senteler den EV Zug vor einer Heimniederlage bewahrte.

Die Zuger haben es nun am Samstagabend in den eigenen Händen gegen die ZSC Lions den Qualifikationssieg unter Dach und Fach zu bringen.

Zug – Langnau 5:4 (2:1, 1:2, 1:1, 0:0) n.P.
Keine Zuschauer. – SR Hebeisen/Fluri, Kehrli/Wolf. – Tore: 11. Kovar (Martschini/Ausschluss DiDomenico) 1:0. 14. (13:29) Kovar (Hofmann) 2:0. 15. (14:19) Schmutz (Gagnon) 2:1. 27. Leuenberger (Alatalo, Albrecht) 3:1. 29. Diem (Sturny, Schilt) 3:2. 38. Schmutz (Blaser) 3:3. 42. Diem 3:4. 60. (59:33) Senteler (Kovar) 4:4 (ohne Torhüter). – Penaltyschiessen: Blaser-, Lindberg-; Earl-, Martschini-; Elo-, Kovar-; Diem-, Hofmann 1:0; Schmutz-. – Strafen: 2-mal 2 plus 10 (Lindberg) Minuten gegen Zug, 5-mal 2 Minuten gegen Tigers. Zug: Hollenstein; Diaz, Morant; Thiry, Alatalo; Schlumpf, Geisser; Zgraggen, Stadler; Klingberg, Kovar, Hofmann; Martschini, Lindberg, Thorell; Simion, Senteler, Bachofner; Leuenberger, Albrecht, Zehnder. SCL Tigers: Ciaccio; Glauser, Leeger; Schilt, Blaser; Erni, Lardi; Cadonau, Huguenin; Elo, Gagnon, Dostoinow; DiDomenico, Berger, Sturny; Schmutz, Diem, Earl; Kuonen, In-Albon, Neukom.

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