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Vorhang auf für die Ruder-EM auf dem Rotsee

In sechs Tagen starten die Ruder-Europameisterschaften auf dem Rotsee in Luzern. Dabei ist vieles grösser als beim jährlichen Weltcup, mehr Zuschauer werden jedoch nicht erwartet. Und: Zuschauen kann man zu einem grossen Teil noch immer gratis.
Raphael Gutzwiller

Bald ist es wieder so weit: Der internationale Ruderzirkus gastiert ab Freitag in Luzern. In der Innenstadt fallen dann die durchtrainierten und oft grossgewachsenen Athletinnen und Athleten wieder durch ihre Landeskleidung auf. Doch statt Australier, Neuseeländer oder Amerikaner kommen in diesem Jahr «lediglich» die Europäer an den Rotsee. Dafür hat man jedoch gleich einen richtigen Höhepunkt. Es finden nämlich die Europameisterschaften in Luzern statt.

Nicht nur darin, dass die Athleten aus Übersee nicht vor Ort sind, unterscheiden sich die Europameisterschaften vom jährlich stattfindenden Weltcupfinal auf dem Rotsee. Auch in organisatorischer Sicht gibt es einige Änderungen. «Uns macht der Weltruderverband mehr Vorgaben», erzählt Heinz Schaller, Chef Logistik und Infrastruktur des Organisationskomitees. So gibt es auf Wunsch des Weltruderverbandes eine abgegrenzte Zone rund ums Ruderzentrum für die Athleten. Weil man als normaler Zuschauer beim Ruderzentrum nicht mehr am See entlang hätte gehen und die Rennen verfolgen können, wurde die Idee aus dem Jahr 2001 wieder hervorgekramt.

Damals fand auf dem Rotsee mit den Weltmeisterschaften ebenfalls ein Grossanlass statt. Dafür wurde extra eine kleine Fussgängerbrücke für die Zuschauer gebaut. Und das ist auch in diesem Jahr wieder der Fall. 4,5 Meter ist die Brücke hoch. Darunter können die Athleten wie üblich – und ohne Ablenkung von Zuschauern – zum Steg, auf ihr kann sich das Publikum frei bewegen. «Es ist gut möglich, dass diese Brücke vielen Zuschauern sehr gut gefällt», sagt Schaller. «Diese Erfahrung haben wir 2001 gemacht. Die Sicht ist von der Brücke sehr gut.» Die Fussgängerbrücke ist wie fast das gesamte Seeufer gratis. Die beiden Tribünen kosten dafür Eintritt. Statt wie üblicherweise eine Tribüne gibt es für die EM zwei Tribünen. Neben einer Haupttribüne, die grösser ist als diejenige beim Weltcup, bietet auch eine zweite Tribüne Platz. Bedeutet: Insgesamt gibt es 2500 Sitzplätze, der Zielbereich bietet insgesamt Platz für 3500 Menschen.

Rund 10'000 Zuschauer werden erwartet


So richtig voll dürfte es vor allem am Sonntag, dem grossen Finaltag werden. Die Haupttribünen-Tickets sind bereits weg, und auch für die zweite Tribüne sind 70% der Sonntagstickets verkauft. Für die beiden anderen Tagen (siehe Programm am Ende des Textes) sind jeweils noch einige Tickets erhältlich.

Ein Bild aus früheren Tagen: Die Haupttribüne während der Ruder-WM 2001. (Bild: Michael Würtenberg (Luzern, 26. August 2001))

Ein Bild aus früheren Tagen: Die Haupttribüne während der Ruder-WM 2001. (Bild: Michael Würtenberg (Luzern, 26. August 2001))

Insgesamt werden trotz grösserer Infrastruktur nicht mehr Zuschauer erwartet als an den jährlichen Weltcup-Wettkämpfen. «Wir rechnen wie in jedem Jahr mit rund 10000 Zuschauer», sagt Schaller. Grund: Der Event ist zwar ein Grossanlass, es nehmen aber auch gerade deshalb weniger Ruderer teil. So darf jede Nation pro Kategorie anders als im Weltcup nur ein einziges Boot stellen. Dies, und die Tatsache, dass nur europäische Topathleten nach Luzern kommen, hat direkten Einfluss auf die Zuschauerzahlen. «Es ist so, dass es beim Rudern sehr familiär zu- und hergeht. Gerade internationale Zuschauer kennen oft einige Athleten persönlich, sind mit ihnen befreundet oder verwandt. Diese Zuschauer werden uns zu einem Teil diesmal fehlen.» Insgesamt sind jedoch dennoch rund 600 Athleten am Start.

Freut sich auf die Ruder-EM: Heinz Schaller. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Mai 2019))

Freut sich auf die Ruder-EM: Heinz Schaller. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Mai 2019))

Dafür hoffen die Organisatoren auf mehr Ruderinteressierte aus der ganzen Schweiz – und auf das heimische Publikum. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass den Luzernern die Atmosphäre am Rotsee gut gefällt. Bei der EM also sowieso», sagt Schaller. Diese Atmosphäre wird an den diesjährigen Europameisterschaften auch am Fernsehen zu bewundern sein. Neben dem SRF sind fünf internationale Fernsehstationen vor Ort: BBC (Grossbritannien), TVP (Polen), RTE (Irland), ARD und ZDF (beide Deutschland). «Insbesondere das Medieninteresse ist in diesem Jahr nicht vergleichbar mit einem normalen Weltcupfinal», erzählt Schaller. Insgesamt werden rund 100 Journalisten aus ganz Europa erwartet. Das jährlich stattfindende Weltcup-Final findet wegen der EM in diesem Jahr übrigens nicht in Luzern statt.

Doch gerade in Bezug zum Weltcupfinal möchten die Organisatoren einen besonders guten Eindruck hinterlassen. Denn noch ist es alles andere als sicher, dass auch künftig das Weltcupfinale, das traditionell in Luzern stattfindet, erneut hier ausgetragen werden kann. «Deshalb wollen und müssen wir uns von einer guten Seite präsentieren an diesen Europameisterschaften», sagt Heinz Schaller vom Organisationskomitee.

«Für uns geht es mit einer guten Organisation auch darum, dass wir den Weltcup in Luzern behalten.»

Der Standort Luzern kämpft um das Weltcupfinale für die Jahre 2021 bis 2024 gegen Plovdiv (Bulgarien), Trakai (Litauen), Linz-Ottensheim (Österreich) und München (Deutschland). Der Rotsee gilt jedoch in der Ruderszene ohne Übertreibung als Wimbledon des Ruderns. Die Verhältnisse sind stets ideal: Wenig oder gar kein Wind, keine Wellen. Dennoch sei das Weltcupfinal in Luzern keine Selbstverständlichkeit.

Das Organisationskomitee empfiehlt, dass man mit dem öffentlichen Verkehr an den Rotsee reisen soll. Die Buslinie 1 in Richtung Maihof ist dafür aus der Stadt Luzern ideal. Die nahesten Aussteigemöglichkeiten sind die Bushaltestellen Maihofmatte-Rotsee und Schlossberg. Es stehen am Samstag und Sonntag je 500 Parkplätze im Parkhaus Spital Ost bereit.

Das Budget für die Titelkämpfe beträgt 1,7 Millionen, darin sind Übernachtungen der Athleten nicht eingerechnet. Sponsoren, Ticketeinnahmen, Stadt, Kanton, Bund und Swiss Olympic kommen für die Kosten auf, die rund das 2,5-fache eines Weltcupfinals betragen. Schaller sagt: «Alles ist parat, wir freuen uns auf die EM!»

Elf Schweizer Boote sind am Start

Am Donnerstag wird die Rudereuropameisterschaft auf dem Europaplatz beim KKL in Luzern eröffnet. Die Feier wird musikalisch umrahmt durch Christoph Walter, die Bürgermusik Luzern Talents Band und Nelly Patty.

Bereits am Tag darauf starten die Europameisterschaften dann sportlich. Es geht los mit den Vorläufen, sämtliche Athleten werden am Freitag im Einsatz stehen. Am Samstag finden die C-/D-/ und E-Finals sowie Halbfinals und Hoffnungsläufe statt. Der Sonntag ist dann der grosse Finaltag mit allen B- und A-Finals.

Insgesamt stehen elf Schweizer Boote auf dem Rotsee am Start, mehrere davon haben Medaillenchancen. Die grösste besitzt wohl das Doppelzweierduo der Männer mit dem Neuenkircher Roman Röösli und dem Waadtländer Barnabé Delarze. Ebenfalls gute Chancen können sich Jeannine Gmelin (Skiff) oder das leichte Frauen-Doppelzweierduo Patricia Merz (Baar) und Frédérique Rol ausrechnen.

Ruder-EM 2019
Rotsee. Luzern. Programm. Donnerstag, 30. Mai. 18.00: Eröffnungsfeier Europaplatz.
Freitag, 31. Mai. 9.30: Vorläufe. 15.30: Hoffnungsläufe.
Samstag, 1. Juni. 10.30: C-/D-/E-Finals. 12.00: Halbfinals und Hoffnungsläufe.
Sonntag, 2. Juni. 8.30: B-Finals. 10.00: A-Finals. 15.00: Abschlussfeier.

Schweizer Boote. Frauen. Einer: Gmelin. – Doppelzweier: Rosset/Walker. – Doppelvierer: Nussbaumer/Schweizer/Lötscher/Eline Rol. – Leichtgewicht. Doppelzweier: Merz/Fréderique Rol. – Einer: Meakin.

Männer. Einer: Stahlberg. – Doppelzweier: Röösli/Delarze. – Doppelvierer: Rhyser/Schätzle/Bärlocher/Copes. – Vierer ohne: Kessler/Joel Schürch/Jacquot/Maillefer. – Leichtgewicht. Einer: Schäuble. Doppelzweier: Struzina/Rüedi.

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