Warum die Fussballliga um CEO Claudius Schäfer für mehr Zuschauer kämpft: «Sonst sehe ich bei einigen Vereinen schwarz»

Dank Maskenpflicht und Verzicht auf Gästefans wollen die Fussballvereine ihr Überleben retten. Die gesprochenen Bundesgelder reichen dazu nicht.

Raphael Gutzwiller
Drucken
Teilen
Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, begründet, warum man dringend wieder Zuschauer braucht.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, begründet, warum man dringend wieder Zuschauer braucht.

Urs Lindt / freshfocus

Irgendwie hat man es sich ein bisschen daran gewöhnt. An die Fussballspiele vor fast leeren Rängen und daran, dass die Zuschauer versetzt und mit grossem Abstand zu einander sitzen. Derzeit sind pro Spiel nur 1000 Zuschauer zugelassen. Trotzdem erlebt die Fussballschweiz eine der spannendsten Meisterschaften der letzten Jahre.

Dass sich dieses Bild auch in der neuen Saison nicht ändern könnte, ist für die Vereine dennoch eine Horrorvorstellung. Eigentlich läuft Ende August die Regelung aus, wonach Grossveranstaltungen bis 1000 Zuschauern erlaubt sind. Wie es damit weitergeht, berät der Bundesrat am 12. August. Dass die Begrenzung ganz aufgehoben wird, scheint angesichts steigender Infektionszahlen unrealistisch. Die zwei weitere Szenarien: Anlässe mit über 1000 Zuschauer müssen bewilligt werden oder sie bleiben ganz verboten.

Zuschauereinnahmen sind für Vereine entscheidend

Die Angst, dass bis im März 2021 nicht mehr als 1000 Zuschauer an die Spiele dürfen, steigt bei den Vereinen im Fussball und Eishockey. Sie wären zwingend auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. Deshalb preschte am Dienstag zunächst der HC Lausanne vor. Verwaltungsratspräsident Patrick de Preux sagte an einer Medienkonferenz, dass der Klub unter diesen Bedingungen finanziell nicht überleben würde.

Ähnlich drastisch äussert sich gestern auch die Swiss Football League. «Bleiben die dringend benötigten Einnahmen aus, droht vielen Fussballklubs die baldige Zahlungsunfähigkeit», schreibt die Liga in einem Communiqué. CEO Claudius Schäfer führt gegenüber dieser Zeitung weiter aus: «Seit Monaten fehlen den Klubs die Matchtageinnahmen. Zunächst konnte die Kurzarbeit die Not der Vereine ein bisschen lindern, aber seit der Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen wurde, sind die Gelder weggefallen. Für die Vereine ist es eine sehr schwierige Zeit.»

So schwierig gar, dass es einige finanziell nicht überleben könnten. «Wenn wir weiterhin nur vor 1000 Zuschauer spielen dürfen, dann sehe ich schwarz für die Klubs.» Wie viele Vereine dies in der Super und Challenge League konkret betrifft, kann Schäfer nicht ausführen. «Aber es sind einige.»

Das Ziel: 50 Prozent der Sitzplatzkapazität

Dank Schutzmasken will die SFL wieder mehr Zuschauer im Stadion.

Dank Schutzmasken will die SFL wieder mehr Zuschauer im Stadion.

Bild: Keystone (Genf, 21. Juni 2020)

Aus diesem Grund kämpft die Swiss Football League nun dafür, dass ihre Spiele wieder vor mehr Zuschauer ausgetragen werden können. Ziel ist es, mindestens 50 Prozent der üblichen Sitzplatzkapazität nutzen zu dürfen. Derzeit erarbeitet eine Taskforce, bestehend aus Vertretern von Liga und Klubs, ein neues Schutzkonzept. Es sieht vor, dass alle Stadionbesucher eine Schutzmaske tragen müssten, zudem würde auf Gästefans verzichtet werden. Des Weiteren wären in der Super League keine Stehplätze zugelassen. «Wir möchten ein Konzept ausarbeiten, damit wir national eine einheitliche Regelung machen können», sagt Schäfer.

Eigentlich haben die Vereine vom Bund bereits Gelder erhalten, um das Überleben zu sichern. Zunächst sprach der Bund bis Ende Juni 50 Millionen Franken für den Spitzensport, später folgten 100 weitere Millionen nur für den Fussball. Doch dabei handelt es sich nicht um Geschenke. Innert fünf Jahren muss eine erst Tranche, innert zehn eine zweite zurückbezahlt werden.

Einige Vereine haben sich am Topf mit den ersten 50 Millionen bedient, den Betrag aber nicht ausgeschöpft. Vom neuen Topf lassen sie aber die Finger. Diesmal haftet nämlich die Liga für das Darlehen. Die Liga kann sich dies aber gar nicht leisten. «Dieses Risiko können wir nicht eingehen», sagt Schäfer. Indirekt müssten dann auch Vereine, die ohne Darlehen auskämen, dieses zurückzahlen.

Und so bleibt die Hoffnung, dass bald wieder mehr Zuschauer in die Stadien dürfen. Ansonsten droht eine düstere Zukunft.