Warum FCL-Stürmer Francesco Margiotta wieder trifft

Er ist Luzerns Topskorer. Der 26-jährige Turiner hat beim 1:1-Remis in Thun erneut das FCL-Tor erzielt.

Daniel Wyrsch
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Francesco Margiotta (links) kommt hier gegen den Thuner Nicola Sutter zum Torabschluss.

Francesco Margiotta (links) kommt hier gegen den Thuner Nicola Sutter zum Torabschluss.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Thun, 22. Februar 2020)

Was wäre der FC Luzern ohne Torhüter Marius Müller? Ohne die zahlreichen erstklassigen Paraden des 26-jährigen Deutschen hätte die Mannschaft deutlich weniger als 31 Punkte auf dem Konto. Doch die gleiche Frage kann auch bei Stürmer Francesco Margiotta gestellt werden. Der 26-jährige Italiener ist an über der Hälfte der geschossenen 25 Tore seines Teams beteiligt, er sammelte 13 Skorerpunkte (6 Tore, 7 Assists). Damit ist Margiotta der klare Luzerner Topskorer. Der am Samstag in Thun wegen einer Adduktorenverletzung kurzfristig ausgefallene Pascal Schürpf kommt als Zweitbester auf 7 Skorerpunkte (4 Tore, 3 Assists).

Nachdem Margiotta in den letzten sieben Partien unter Thomas Häberli an keinem einzigen Tor beteiligt war, ist er seit der Verpflichtung von dessen Nachfolger Fabio Celestini wieder in Schwung gekommen. In Zürich beim 3:2-Sieg schoss er einen spektakulären Treffer und spielte einen gekonnten Assist. Bei Neuchâtel Xamax legte er einen Corner per Flachpass für Idriz Voca zum 1:0-Siegtor auf. Im letzten Heimspiel gegen St.Gallen bekam Margiotta einen Elfmeter zugesprochen, nachdem er Verteidiger Miro Muheim den Ball im Strafraum weggeschnappt hatte. Präzise verwertete der einstige Jungprofi von Juventus Turin den Foulpenalty zum 1:0-Sieg über St.Gallen.

Den Riecher eines Goalgetters bewiesen

Auch in Thun gegen den Tabellenletzten lauerte Margiotta erneut wie ein echter Goalgetter auf seine Chance. Die kam schon in der 4. Minute mittels eines Fehlpasses von Thun-Verteidiger Nicola Sutter. Der Luzern-Stürmer zog vom Anspielkreis los über fast die Hälfte des Feldes und schoss aus elf Metern unhaltbar zur frühen 1:0-Führung ein. Am Ende reichte es dem FC Luzern immerhin zu einem 1:1-Unentschieden nach zuvor vier Siegen in den ersten vier Spielen unter Fabio Celestini.

Der Trainer hat weiterhin eine hervorragende Bilanz von 13 Punkten aus fünf Partien. Bereits vor dem Match in Thun hatte Fabio Celestini seinen effizienten Offensivmann positiv erwähnt: «Francesco machte gegen St.Gallen einen 20-Meter-Sprint, um den Ball zu erobern. Er bekam dafür einen Penalty.» Hätte Margiotta den Abwehrspieler Muheim nicht überrascht, «und wäre er ein bisschen spazieren gegangen, hätte es vielleicht einen Konter der St.Galler gegeben», analysierte Celestini. «Wir machen nicht alles perfekt, aber unsere Mentalität ist fantastisch.»

Celestini machte dem Spieler klar, welchen Margiotta er sehen will

In Luzern war es Anfang Januar zum Wiedersehen zwischen Margiotta und Celestini gekommen. Die beiden hatten schon eine beinahe zwei Jahre dauernde Zusammenarbeit hinter sich. Der neue FCL-Coach erlebte in Lausanne zwei unterschiedliche Ausgaben von Francesco Margiotta: Zuerst den hungrigen Jungprofi, der vom drittklassigen Santarcangelo in Italien in die Pontaise gekommen war. In anderthalb Saisons ohne Verletzungsprobleme schoss er in der Super League 16 Tore und gab 14 Assists. «Wir machten ein Video für den Nachwuchs mit dem technisch starken und taktisch intelligenten Francesco, der für einen Stürmer unglaubliche 12 Kilometer pro Partie lief.» Doch dann verlor Margiotta in den letzten drei Monaten der Zusammenarbeit mit Celestini «zunehmend die Demut, er dachte an einen Wechsel zurück nach Italien, statt sich auf seine Leistungen auf dem Rasen zu fokussieren». So habe der Turiner schliesslich ein Jahr seiner Karriere verloren.

Darum fragte Celestini den Angreifer gleich am Anfang in Luzern, welcher der beiden Spieler er nun hier sein wolle. Er machte Margiotta damit unmissverständlich klar, dass er ihn nur als willensstarker Stürmer akzeptiere.

Margiotta sagte über die Luzerner Partnerschaft mit Celestini: «Ich habe sofort gedacht, dass dies eine grosse Chance für mich ist. Seit dem Trainingslager haben wir zielgerichtet miteinander gearbeitet.» Und: «Mit Fabios Ideen können wir noch viel erreichen», betonte Margiotta im FCL-TV.

Thun – Luzern 1:1 (1:1)

4848 Zuschauer. – SR San.

Tore: 4. Margiotta 0:1. 9. Munsy (Hasler) 1:1.

Thun: Faivre; Glarner, Havenaar, Sutter, Kablan; Bertone; Hasler, Stillhart; Castroman (89. Ahmed); Munsy (66. Bandé), Rapp.

Luzern: Müller; Schwegler (46. Sidler), Lucas, Knezevic, Bürki; Males, Voca (57. Schulz), Ndenge, Matos; Margiotta, Demhasaj (72. Eleke).

Bemerkungen: Thun ohne Bigler und Hediger (beide verletzt). Luzern ohne Kakabadse und Binous, Ndiyae, Schürpf (alle verletzt). Verwarnungen: 18. Males (Foul). 37. Castroman (Foul) 43. Bürki (Foul). 80. Bandé (Foul).

Luzerner Serien reissen auf Thuner Plastik

FCL-Debütant Bürki und Lucas verhindern das 1:1 nicht

Für den FC Luzern war die Begegnung mit dem wiedererstarkten FC Thun auf dessen Kunstrasen die erwartet anspruchsvolle Aufgabe. Am Schluss müssen die Innerschweizer mit dem ersten Remis unter Fabio Celestini zufrieden sein. Nach total fünf Siegen in Serie und vier Vollerfolgen in vier Spielen unter Celestini haben die Innerschweizer erstmals wieder Punkte liegen lassen. Doch das ist nicht die einzige Serie, die gerissen ist. Luzerns Torhüter Marius Müller ist nach total 291 Minuten und drei Spielen ohne Gegentor (2:0 gegen YB, je 1:0 bei Neuchâtel Xamax und gegen Leader St. Gallen) erstmals wieder bezwungen worden. Ridge Munsy war in der 9. Minute der Thuner Torschütze zum 1:1-Ausgleich. Dieser frühe zweite Treffer bedeutete auch den Endstand zwischen Thun und Luzern.

Celestini moniert das Verhalten direkt nach der 1:0-Führung

FCL-Coach Fabio Celestini ärgerte sich nach dem Match, «dass wir in der Phase nach unserer Führung das Spiel nicht besser kontrolliert haben». Thun hatte vehement auf den Rückstand gegen die Innerschweizer reagiert. Luzerns 1:0-Schütze war Francesco Margiotta, er hatte in der 4. Minute von einem Fehlzuspiel von Nicola Sutter profitiert. Bei Munsys Ausgleich hätten Lucas Alves und davor Luzerns Startelf-Debütant Marco Bürki mit dem Kopf klären können. Der 26-jährige Berner suchte keine Entschuldigungen für seinen Fehler: «Das Luftduell mit Simone Rapp kann ich auch gewinnen - oder besser: ich hätte es gewinnen sollen.»  Müller wurde in der 20. Minute ein zweites Mal bezwungen. Doch weil Munsy FCL-Linksverteidiger Bürki geschubst hatte, wurde der Treffer aberkannt. Wie später eine Einstellung des SRF zeigte, hatte Schiedsrichter Fedayi San das Tor zu Recht nicht gegeben. Thun hatte insgesamt mehr Spielanteile und die klareren Chancen. (dw)