Warum sich LK Zug-Trainer Christoph Sahli über die Verletzungshexe ärgert

Trainer Christoph Sahli ist überzeugt, dass im Handball viele Verletzungen vermeidbar sind. Zusammen mit Trainerkollegen wird er in einem Workshop erläutern, wie das Risiko von Verletzungen verkleinert werden kann.

Stephan Santschi
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Wenn Christoph Sahli Worte wie Verletzungspech oder Verletzungshexe hört, regt er sich zuweilen auf. Denn der Trainer der Zuger SPL1-Handballerinnen ist überzeugt: «99 Prozent der Verletzungen ohne Körperkontakt sind nicht nur auf fehlendes Glück zurückzuführen.» Deshalb hat er gemeinsam mit Athletiktrainer Jonas Müller für Trainerkollegen, Athleten und Betreuer einen Workshop über Verletzungsprophylaxe auf die Beine gestellt. Sofern es die Entwicklung der Coronakrise erlaubt, und danach sieht es im Moment aus, werden sie am Samstag, 13. Juni im Fitnessstudio «Lucerne Functional Fitness» im Littauerboden erläutern, wie das Risiko von Bänderverletzungen in der Schulter und im Fussgelenk oder Kreuzbandrissen verkleinert werden kann.

Christoph Sahli, Trainer der Handballerinnen des LK Zug.

Christoph Sahli, Trainer der Handballerinnen des LK Zug.

Bild: Stefan Kaiser, (Zug, 1. September 2019)

Sahli bedient sich dabei einer Verletzungspyramide, die nur ganz oben im dünnen Bereich Pech und Glück thematisiert. «Bis dorthin gibt es ganz viele Faktoren, die beeinflussbar sind.» Als Basis der Pyramide nennt er die Stress- und Belastungssteuerung. «Diese wird am meisten vernachlässigt.» Wie parat ein Spieler für einen Einsatz sei, könne man im Training und in der Regeneration planen. «Auch der Athlet muss sich fragen, was er neben dem Training mit den restlichen 22 Stunden des Tages macht.»

Ein anderer Schwerpunkt sei die Bewegungseffizienz. Wenn gewisse motorische Abläufe vernachlässigt werden, fehlt dem Körper unter extremer Belastung die nötige Stabilität. «Und das führt dann beispielsweise eben zu einem Kreuzbandriss», erklärt Sahli.

«Es herrscht ein Wirrwarr an Informationen»

Zur Veranschaulichung nutzt er eine beliebte Übung im Athletiktraining, die Kniebeuge. Wer diese immer nur in einem kleinen Winkel ausführe, nutze die Möglichkeiten nicht aus. «Kniebeugen sollen in den meisten Phasen bis ganz runter in die Endposition gemacht werden.» Um sich auf Extremsituationen im Spiel vorzubereiten. «Letztlich möchten wir den Kursteilnehmern nicht mehr Übungen zeigen. Es geht darum, diese effektiver auszuführen.»

In dieser Hinsicht hat er im Handball Defizite ausgemacht. «Auch wegen vieler Videos in den sozialen Medien herrscht ein Wirrwarr an Informationen. Nicht alle Übungen sind für Handballer geeignet.» So hält Sahli wenig von Fitnesstrends oder Stabilisationsübungen auf wackligem Untergrund. «Im Handball wackelt der Boden ja nicht.» Anschauungsunterricht nimmt er im American Football oder Eishockey. «Auch in der Schweiz wissen Eishockeyaner mehr über Verletzungsprophylaxe als Handballer.» Mit ausgewogenem Training in den Bereichen Kraft, Ausdauer, Explosivität und Schnelligkeit, sowie sinnvoller Belastungssteuerung könnten Verletzungen reduziert werden. «Auch im semi-professionellen Sport mit weniger finanziellen Mitteln.»