Interview

Was ist das Geheimnis des kleinen FC Thun? Nias Hefti: «Die Leute verstehen sich»

Der 20-jährige St. Galler Nias Hefti ist ein talentierter Linksverteidiger beim FC Thun. Morgen Sonntag (16 Uhr) sind die Berner Oberländer in Luzern zu Gast.

Daniel Wyrsch
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Der formstarke Thun-Verteidiger Nias Hefti (rechts) erwartet gegen den FCL einen intensiven Match.

Der formstarke Thun-Verteidiger Nias Hefti (rechts) erwartet gegen den FCL einen intensiven Match.

Bild: Claudio de Capitani/Freshfocus (Thun, 1. Juli 2020)

Ist es ein gutes Gefühl, nach neun Monaten nicht mehr Tabellenletzter zu sein?

Nias Hefti: Natürlich haben wir kurz auf die Tabelle geschaut. Doch der Abstiegskampf ist noch lange nicht beendet. Wir müssen weitere erfolgreiche Auftritte hinlegen, wir brauchen Punkte.

Der 3:2-Heimsieg über den FC Zürich war aber schon sehr wichtig?

Von der Moral her sicher. Wir haben eine grosse Willensleistung gezeigt, über eine Halbzeit lang verteidigten wir den Vorsprung mit einem Mann weniger. Wir bewiesen, dass wir solidarisch verteidigen können. So verdienten wir die drei Punkte.

In dieser Saison war es nicht immer einfach, Spieler beim FC Thun zu sein. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Anfang Saison hatten wir recht gut gespielt, liessen jedoch zu einfache Gegentore zu. So kamen wir in einen Abwärtsstrudel, aber schon vor der Coronapause zeigten wir eine Aufwärtstendenz, die wir jetzt fortsetzen.

Thun schafft seit vielen Jahren immer wieder die Wende zum Guten. Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses kleinen Super-League-Clubs?

Ich glaube, es gibt kein grosses Geheimnis. Die Leute verstehen sich, alle stehen mit beiden Beinen auf dem Boden. Ganz egal, ob es sportlich läuft oder nicht. Und wir wissen, was wir als Team leisten können.

In Ihren letzten drei Partien haben Sie zu insgesamt vier Thuner Toren die Vorlagen geliefert. Nähern Sie sich Ihrer Bestform?

Ich bin froh, dass mir spielentscheidende Sachen gelingen. In der Vorrunde hatte ich auch gute Leistungen gezeigt, aber das gewisse Etwas und das nötige Glück fehlten. Die guten letzten Pässe freuen mich auch für die Mannschaft.

Die bisherige Saisonbilanz gegen Luzern ist ausgeglichen (2:0 auswärts, 0:2 und 1:1 zu Hause). Was will Thun am Sonntag in der Swisspor-­Arena erreichen?

Wir sind uns als Mannschaft im Klaren, dass das ein hart umkämpfter und intensiver Match wird. Luzern ist wie wir in einer guten Form. Wir müssen wieder alles geben, um zu Punkten zu kommen.

Vor einem Jahr schlossen Sie mit der Matura ab. Als Ziel nannten Sie für die erste Profi-Saison, einen Super-League-Platz zu holen und «mehr ein Mann zu werden». Haben Sie die gesteckten Ziele erreicht?

Spielerisch und körperlich habe ich mich weiterentwickelt. Erstmals in einer anderen Region zu Hause, machte ich auch persönliche Fortschritte. Es hat mir gutgetan, mehr oder weniger auf mich allein gestellt zu sein, noch selbstständiger über meine Ernährung und meine Schlafzeit entscheiden zu müssen.

Thun-Stürmer Ridge Munsy ist in einer speziellen Situation. Er hatte sechs Spiele in Folge getroffen, gegen Zürich rotierte Trainer Marc Schneider den Ex-Luzerner auf die Tribüne zu den Ersatzleuten. Wie geht Munsy damit um?

«Ridge ist ein Teamplayer, er wird auf dem Platz wieder alles geben und den Ball reinhauen.»

Was sagen Sie als St.Galler zum Leaderplatz der Espen?

Der FC St.Gallen ist sehr gut drauf. Die Ostschweizer können es durchziehen, wenn sie die Moral hochhalten, auch wenn sie mal verlieren. Ich mag es ihnen gönnen, besonders meinem Bruder Silvan.

Er ist Captain der Ostschweizer. Würde Ihnen der Gewinn der Meisterschaft für St.Gallen viel bedeuten?

Mir ist viel wichtiger, mit dem FC Thun in der Super League zu bleiben.

Celestini: «Siegt das Team, ist alles besser»

Die Mannschaft des FC Luzern ist gestern Freitag kurz vor 16 Uhr aus Sion zur Swisspor-Arena zurückgekehrt. Beim intensiven Liga-Restprogramm mit den sechs englischen Wochen hat sich die Vereinsleitung dazu entschieden, analog einer Europacup-Auswärtsreise vor und nach dem Spiel im Wallis zu übernachten. Dies hat es den Spielern ermöglicht, sich möglichst optimal zu erholen.

Eine «kleine Feier» hat es dann aber nach dem 2:0-Sieg am Donnerstagabend doch gegeben, erzählt Fabio Celestini gut gelaunt. «Gewinnt man, ist alles besser. Das Team erholt sich schneller, hat Energie und Lust auf Fussball.» Die Resultate stimmen beim FCL: Seit dem Neustart haben die Innerschweizer in vier Spielen sieben Punkte geholt. Seit Celestini Anfang Jahr das Traineramt übernommen hat, sammelte das Team in total neun Partien 20 Zähler – die beste Punkteausbeute im dritten Saisonviertel aller Clubs der Liga.

Persönlicher Bestwert der Trainerkarriere

Fabio Celestini lächelt, wenn er darauf angesprochen wird: «9/20 ist mir noch nie gelungen. Es ist das erste Mal in meiner Trainerzeit, dass ich sechs Monate in Ruhe arbeiten konnte.» Übrigens: Mit Lausanne schaffte er einmal 10 Spiele, 18 Punkte. Vor dem Gegner vom Sonntag hat Celestini Respekt: «Thun leistet mit Trainer Marc Schneider und Sportchef Andres Gerber sehr gute Arbeit. Charakterlich und spielerisch ist das ein unangenehmer Gegner.» (dw)

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