Wegen der Zuschauerobergrenze: Die Verletzten beim EV Zug sind das geringste Problem

Nach Lino Martschini fällt beim EV Zug auch Yannick-Lennart Albrecht länger aus. Den Eishockey-Profiklub plagen indes andere Sorgen.

René Barmettler
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Reto Kläy, Sportchef beim EV Zug.

Reto Kläy, Sportchef beim EV Zug.

PD

Auf den ersten Blick scheint beim EV Zug Normalbetrieb zu herrschen. Der Eismeister präpariert dieser Tage die rutschige Unterlage in der Bossard-Arena. In den Kabinengängen werden fein säuberlich die neuen Spielerporträts geschossen, schliesslich will sich ein jeder auf den neuen Autogrammkarten und der EVZ-Website von der besten Seite zeigen.

Doch es scheint längstens nicht eitel die Sonne im Klub. Zwei Führungsspieler fallen für längere Zeit aus. Torjäger Lino Martschini (27) liess sich im Juni an den Adduktoren operieren, man rechnete von diesem Zeitpunkt an mit einem Ausfall von vier Monaten. Doch das ist keinesfalls sicher, gemäss EVZ-Sportchef Reto Kläy befindet sich der Stürmer noch immer in der ersten Phase der Rehabilitation. «Lino trainiert, steigert stetig die Belastung.» Wann er wieder voll belastbar sein wird, sei derzeit noch schwierig einzuschätzen.

Schweden-Duo aus der Isolation befreit

Nun hat es auch noch Yannick-Lennart Albrecht erwischt. Das Syndesmoseband am Sprunggelenk wurde in Mitleidenschaft gezogen, die Prognose lautet: 10 bis 12 Wochen Ausfall, das Walliser Kraftpaket dürfte also frühestens Mitte Oktober auf das Eis zurückkehren.

Den umgekehrten Weg machte indes der Tscheche Jan Kovar (30): Nach längerem Ausfall und einer Operation trainiert der produktive Mittelstürmer inzwischen wieder mit der Mannschaft. Auch die beiden Schweden Carl Klingberg (29) und Erik Thorell (28) sind zurück: Nach ihrem Aufenthalt in der Heimat musste das skandinavische Stürmerduo in einer Zuger Wohnung eine zehntägige Isolation über sich ergehen lassen. Die beiden hatten das Pech, dass Schweden eine Woche zu spät von der «Coronarisikoliste» genommen wurde. «Wir stellten ihnen ein halbes Fitnesscenter vor die Haustür», sagt Kläy schmunzelnd.

Erstes Testspiel ist verschoben worden

Doch es sind nicht die Verletzten, die den Sportchef in diesen schwierigen Zeiten umtreiben. Mit einer grossen Portion Respekt wartet man auch beim EVZ auf den Bundesratsentscheid vom 12. August. Das Gremium wird sich dann äussern, wie es ab dem 1. September mit Grossanlässen weitergehen soll. Aus diesem Grund entschieden sich die Zuger, das erste Testspiel gegen die EVZ Academy vom 14. auf den 16. August zu verschieben. «Für ein Spiel brauchen wir eine gewisse Vorlaufzeit. So können wir noch reagieren, je nachdem, wie wir das Schutzkonzept umzusetzen haben», erklärt der Sportchef. Man sei im Austausch mit den lokalen Behörden, aber Kläy hat seine persönliche Meinung, wie es mit einem geordneten Spielbetrieb weitergehen könnte. Der gebürtige Emmentaler ist überzeugt:

«Mit einem guten Schutzkonzept ist es möglich, die Zuschauerobergrenze heraufzuschrauben.»

Während in den öffentlichen Verkehrsmitteln die Leute anonym und eng beieinander sässen, müssten die Matchbesucher ihre Angaben hinterlegen. Wer eine Saisonkarte besitzt, ist sowieso schon registriert.

Der EV Zug ist gewappnet, den Mehraufwand auf sich zu nehmen. Um das grösstmögliche Interesse wieder verfolgen zu können: «Wir möchten so schnell wie möglich wieder spielen», so Kläy. Und das geht nur mit den überlebensnotwendigen Matcheinnahmen. Sonst geht die Sonne im Schweizer Profieishockey bald unter.

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