Weggefährten äussern sich zu Martin Elmiger

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Grégory Rast (37), Freund seit Jugendtagen, Vereinskollege und Teamkollege bei Post Swiss und Phonak: «Elmer (sein Übername, die Red.) ist nicht nur im Velofahren ehrgeizig – in Badminton- und Squashmatches verschenkt er keinen Punkt. Wenn er etwas macht, will er immer gewinnen. Ob er auch mal loslassen und feiern kann? Wenn Sie wüssten ... Ich habe ihn immer für seine Qualitäten im Zeitfahren bewundert. Dass er meistens in der ersten Hälfte der Rangliste zu finden war, ist eine echte Leistung. Hätte er mehr gekämpft, hätte er noch bessere Resultate erzielt. Aber so ist Martin. Er hat auf dem Velo das Risiko immer abgewogen. Wie jeder Mensch hat er sich verändert, seit er eine Familie hat. In unserer Trainingsgruppe macht sich das bemerkbar, wenn er statt wie früher um 10 Uhr erst um 12 Uhr abfahren kann, weil er sich zuerst um die Kinder gekümmert hat. Das Jodeln und Singen aber hat er stets beibehalten. Wenn wir in Richtung Stoos fahren, gibt er gern «Uf em Stoos ob Schwyz» zum Besten. Es ist erstaunlich, wie viele Jodellieder er kennt!»

Bruno Schwengeler (67), Elmigers erster Trainer im RMV Cham-Hagendorn: «Martin kam mit 13 Jahren zu uns. Er war von Anfang an ein zielstrebiger Fahrer. Seine starke Technik holte er sich auf dem Mountainbike und brachte diese danach auf die Strasse. Ihn musste man nie antreiben, er hatte einen enormen Durchhaltewillen. Die Sportlichkeit hatte er wohl von seinem Vater, der Polizist war. Martins Mutter hatte ihren Sohn immer sehr unterstützt, ohne sie wäre er nicht so weit gekommen.»

Beat Schilter (52), Präsident des RMV Cham-Hagendorn während Elmigers Aufstieg: «Ich habe Martin am Anfang als sehr zurückhaltend, ja manchmal scheu erlebt. Mit der Zeit wurde er offener gegenüber den Leuten. Er ist dennoch immer der Martin geblieben und hat seine Wurzeln im Verein nie vergessen. Ich schätze ihn als Fahrer und als Menschen. Er stieg immer gern in den Sattel. Ich erinnere mich, dass er sogar mit einem Arm im Gips ein Klubrennen für uns fuhr, nachdem er einen Rollerblade-Unfall gehabt hatte.»

Urs Freuler (58), Manager im Team Phonak, wohin Martin Elmiger 2002 von Post Swiss wechselte: «Martin ist eine Persönlichkeit – ehrlich, seriös und immer leistungsorientiert. Klar wäre es schön gewesen, wenn er den einen oder anderen Sieg mehr geholt hätte. Doch einen Fahrer wie ihn wünscht man sich grundsätzlich im Team.»

Daniel Schnider (43), Teamkollege bei Phonak und langjähriger Trainingskollege: «Martin hatte extrem viel Talent und die Dinge immer positiv betrachtet. Wenn er in Form war, war alles möglich. Ich erinnere mich noch an ein Rennen in Italien in der Vorbereitung auf eine WM. Martin war lange in der Spitzengruppe gefahren, die eingeholt wurde. Dennoch sprintete er auf das Podest. Das war eine Leistung, die Fahrer anderer Teams noch unter der Dusche diskutierten. Wie er sein Velo beherrscht, ist eindrücklich. Dazu gibt es eine Geschichte aus einem Trainingslager in Klosters: Wir machten eine Tour auf neuen Mountainbikes. Martin drehte eine Runde auf dem Parkplatz und stellte sich danach zunächst aufs Vorderrad, bevor er ein paarmal auf dem Hinterrad hüpfte – unglaublich! Während der Tour kamen wir zu einer steilen Treppe. Ösi Camenzind sagte, er würde demjenigen eins zahlen, der es nach oben schafft. Martin hüpfte auf dem Bike die Treppe hoch.»

Michael Schär (31), Teamkollege im Abschiedsjahr bei BMC Racing und langjähriger Trainingspartner: «Elmer ist im Training unser Tourguide, er kennt jedes Strässchen in der Region und hat immer neue Trainingsstrecken gesucht. Er spurtet immer noch auf Ortstafeln – all das zeigt den Spass, den er nach den Jahren noch am Velofahren hat. Seit seinem ersten Schweizer-Meister-Titel ist Martin ein Vorbild für mich. Er ist ein versierter Techniker und in diesem Bereich wohl noch heute 90 Prozent der Fahrer im Feld überlegen. Darüber hinaus sind seine Taktik und sein Instinkt im Rennen beeindruckend. Martin sagt oft: ‹Power is nothing without control.› Daran hat er sich immer gehalten. Geschichten vom Festen mit ihm? Die gibt es, gehören aber nicht in die Zeitung.»

Emil Bischofberger (36), Radsport-Journalist beim «Tages-Anzeiger»: «Martin Elmiger ist einer der letzten Vertreter der alten Schweizer Garde. Ein Musterprofi, der alles gut kann, aber kein herausragendes Merkmal hat. Ein grösseres Ego hätte ihm vermutlich in manchem seiner Teams eine grössere Rolle eingebracht. Aber er ist wohl einfach nicht der Typ, der sich auflehnt.» (bier)