Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WEIHNACHTEN: Viele Kerzen, aber keine Geschenke

Rollstuhlsportlerin Manuela Schär mag Weihnachten im klassischen Stil. Die Krienserin erzählt von den vielen Erinnerungen an ihre Kindheit, von ihrem schönsten Geschenk, und spricht über ihre Zukunftspläne.
Theres Bühlmann
Manuela Schär beim Besuch des Weihnachtsmarktes auf dem Luzerner Franziskanerplatz. Der Lichterglanz und die stimmungsvolle Musik gefallen ihr. (Bild Roger Grütter)

Manuela Schär beim Besuch des Weihnachtsmarktes auf dem Luzerner Franziskanerplatz. Der Lichterglanz und die stimmungsvolle Musik gefallen ihr. (Bild Roger Grütter)

Eine Tasse Tee und Kerzenlicht: Manuela Schär (30) schätzt diese behagliche Atmosphäre, aber nicht nur in der Vorweihnachtszeit. «Ich mag den Schein und den Duft von Kerzen, deshalb sind sie bei mir während des ganzen Winters in Gebrauch», sagt die in Kriens wohnhafte Rollstuhlsportlerin. Auch sie versuchte in der Adventszeit etwas abzuschalten und runter­zufahren.

Die vierfache Europameisterin von Swansea im vergangenen August kann aber auch einem Stadtbesuch in Luzern viel abgewinnen, wenn die Leuchtenstadt ihrem Namen alle Ehre macht. «Bei Dämmerung diese Beleuchtung und die vielen Lichter zu geniessen, das finde ich schon sehr schön.» Oder eine Fahrt über den Weihnachtsmarkt, mit viel Lichterglanz und stimmungsvoller Musik. Heute, an Heiligabend, ist sie Gastgeberin für ihre Eltern, ihre Grossmutter, ihre Gotte und deren Partner. Schär wird sich als Köchin betätigen. Hauptgang: Filet im Teig. Viel mehr bedeutet ihr aber das Zusammensein mit ihrer Familie, einfach gemütlich am Tisch sitzen und die Hektik des Alltags draussen lassen.

Der Spaziergang mit dem Vater

Gemütlich und traditionell war es an Weihnachten bei der Familie Schär schon immer. Zusammen mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Ivo in Altishofen aufgewachsen, sorgten ihre Mutter Elisabeth und ihr Vater Ireno für eine behütete Kindheit. «Am Weihnachtstag zogen wir uns warm an und machten mit unserem Vater einen Spaziergang. In der Zwischenzeit kam dann eben das Christkind.» Sehr schön sei diese Zeit gewesen, «und natürlich alles spannend, weil wir damals noch an das Christkind glaubten.» Auch bei der Familie Schär gehörte der Besuch an Heiligabend in der Kirche dazu, dann wurde das Abendessen serviert – und dann, erst dann durften die Geschenke ausgepackt werden.

Das Ende der Idylle

Doch diese Idylle nahm ein jähes Ende an jenem 11. Oktober 1993. Eingeladen an einem Kindergeburtstag, spielte Manuela Schär auf einer Schaukel. Das Gerüst riss sich wegen des aufgeweichten Bodens aus der Verankerung und begrub die damals Achtjährige unter sich. Was folgte, war eine insgesamt sechs Monate dauernde Reha. Sie erinnert sich an ihre erste Weihnachtsfeier nach dem Unfall im SPZ in Nottwil. «Meine Familie besuchte mich, in meinem Zimmer stand ein geschmückter Christbaum, und ich spielte Blockflöte – auf dem Rücken liegend.»

Der Weg an die Weltspitze

Aus der Reha entlassen, nahm sie die neue Herausforderung an, entdeckte den Rollstuhlsport, und heute ist Manuela Schär, die als Aussendienstmitarbeiterin bei der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung in einem 40-Prozent-Pensum tätig ist, längst in der Welt­spitze angekommen. Neben ihrem vierfachen Triumph an der EM ist sie Weltmeisterin über die Marathonstrecke. Zudem gewann sie an der WM 2013 drei weitere Medaillen. An den Paralympics 2004 in Athen holte sie sich zwei Auszeichnungen (Silber und Bronze), und bei Peking 2008 reiste sie mit einem dritten Platz nach Hause. In London 2012 war ihr das Glück nicht hold, die erhofften Medaillen blieben aus. Dies soll sich in Rio de Janeiro ändern, die Paralympics 2016 stehen im Fokus. Oder wie sie es auf den Nenner bringt: «Rio de Janeiro ist sehr präsent.»

Bereits kurz nach der EM legte sie zusätzliche Trainingseinheiten ein, belegte bei den Marathons im Oktober in Chicago Platz 2. Dies gelang ihr auch ein paar Wochen später in New York. Im November schaffte sie die Titelverteidigung beim Marathon im japanischen Oita.

Der 30. Geburtstag in der Fremde

Und dann kamen sie endlich, die langersehnten Ferien. Und Manuela Schär, die so gerne reist, suchte sich Bali aus. Nicht gerade das Paradies für Rollstuhlfahrer. Aber die Krienserin ist sich gewohnt, jede Herausforderung anzunehmen, jede Hürde zu meistern. In Bali angekommen, vermisste sie ihren Rollstuhl, der blieb bei der Zwischenlandung in Singapur irgendwo hängen. Nach fünfstündiger Wartezeit in Bali konnte sie diesen nachts um 23 Uhr endlich wieder in Empfang nehmen. «Zum Glück hatte ich meine Freunde an meiner Seite, so allein auf mich gestellt wäre diese Situation sehr schwierig gewesen.» Geniessen konnte sie ihren Bali-Aufenthalt trotzdem, nahm viele Eindrücke mit nach Hause – auch jene von ihrem 30. Geburtstag, den sie weit weg von zu Hause feierte.

Geniessen konnte sie am 14. Dezember auch die Sports Awards, die grosse Gala, bei der die Sportler des Jahres gekürt werden. «Das war schon ein ganz spezieller Moment.» Ihre Topresultate brachten ihr die Nomination ein und hinter Marcel Hug bei den Behindertensportlern den zweiten Platz. Mit dem Schwingerkönig Matthias Sempach und Jean-Pierre Egger twitterte sie ein Bild von der Gala. Die spätere Siegerin Dominique Gisin traf sie in der Maske, «einige habe ich lediglich vorbeihuschen sehen».

Und ein Selfie mit Roger Federer? «Ich finde, er hat auch den Anspruch, eine solche Gala zu geniessen, zumal ja viele andere Sportler diese Gelegenheit nutzen, um mit ihm ins Gespräch zu kommen», sagt Manuela Schär. Sie hat es dann sein lassen, zumal sie den «grossen Maestro» vor einigen Jahren traf, als die Nationalmannschaft der Rollstuhlsportler in Dubai im Trainingslager war und ihn im Training besuchen durfte. Apropos Training: Im Januar fliegt Schär nach Australien, bestreitet einige Bahn- und ein Strassenrennen, kehrt dann in die Schweiz zurück, um wieder die Koffer zu packen. Auf dem Plan steht das Trainingslager in den Arabischen Emiraten. Höhepunkt 2015 stellt für Manue­la Schär im April die WM über die Marathonstrecke in London dar.

Die Reise nach New York

Zurück zu Weihnachten. Nun stellt sich noch die Frage nach dem Weihnachtsgeschenk, welches ihr sehr stark in Erinnerung geblieben ist. «Jenes von meiner Gotte, die mir zum 20. Geburtstag eine Reise nach New York schenkte. Das war etwas ganz Spezielles.» Selber beschenkt sie ihre Lieben auch sehr gerne. «Ich bin immer froh, wenn jemand konkrete Wünsche äussert und ich dann auch das Richtige auswähle.»

Geschenke gibt es heute Abend keine, aber gemütlich wird es trotzdem sein – auch ohne Christbaum. Dafür eben mit vielen Kerzen, viel Licht, einem Glas Wein und dem Beisammensein mit ihrer Familie.

So wie es Manuela Schär mag.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.