Weil alles brach liegt: Die Spieler wollen weg, die Angestellten kündigen – dem FC Basel droht der Exodus

Die Lage beim FC Basel spitzt sich zu. Alle Spieler suchen neue Klubs, neben dem Rasen gibt’s Massenkündigungen. Es droht ein Exodus.

Céline Feller und Jakob Weber
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Basels Omar Alderete, enttäuscht nach der Niederlage im Cupfinal.

Basels Omar Alderete, enttäuscht nach der Niederlage im Cupfinal.

Bild: Urs Lindt/freshfocus (Bern, 30.August 2020)

Es ist der nächste Dominostein, der fällt. Nach Führungspersonen, die hingeschmissen haben, Nachwuchs- und Profi-Trainern, die im Streit gegangen sind und Fans, die von Basel bis nach Rheinfelden alles mit «Burgener und Heri raus»-Bannern tapezieren, ist auch die Mannschaft des FC Basel wütend. So sehr, dass es zum grossen Exodus kommen könnte. Entweder noch diesen Sommer oder dann im Winter, wenn sich unter Trainer Ciriaco Sforza die Stimmung nicht markant verbessert. Denn wie diese Zeitung aus diversen, mannschaftsnahen Quellen weiss, ist mittlerweile jeder Spieler der ersten Mannschaft dabei, sich umzuschauen. Nicht nur Legionäre wie ein Omar Alderete oder ein Arthur Cabral, deren Zeit in Basel ohnehin nur als Sprungbrett dienen soll. Sondern auch Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren, in Basel gross wurden oder im Joggeli den Herbst der Karriere verbringen wollten.

Alle suchen Vereine – weil alle Werte verloren sind

Bereits letzte Woche wurde der Fall von Ricky van Wolfswinkel publik, der nach Respektlosigkeiten keine Lust mehr auf einen Verbleib hatte. Und auch Taulant Xhaka ist erzürnt. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr, ursprünglich wollte er seine Karriere beim FCB beenden. Doch weil er hingehalten wird, kokettiert er – natürlich nicht öffentlich – mit einer Veränderung. Ohnehin spricht die Mannschaft nicht öffentlich über die Probleme. Das hat man intern so beschlossen. Doch die Stimmungslage tritt dennoch nach aussen. Beispielsweise, dass Jonas Omlin nicht nur nach Montpellier wechselte, weil das Paket attraktiv und die Liga grösser ist, sondern weil auch er einfach weg wollte. Eher gestern als morgen. Weil es zu viel wurde. Zu viel der Unruhen, der Unprofessionalität, der Abschätzigkeiten. So wie Omlin geht es – so ist es zu hören – allen Basler Spielern. Jene, die das Wappen noch am Sonntag im Cupfinal auf der Brust trugen. Aber auch jenen, die wie Kevin Bua lieber in die Ferien fuhren, statt mit der Unberechenbarkeit der Chefetage des FC Basel weiter leben zu müssen.

Egal, mit wem man spricht, der Tenor ist eindeutig: Die Mannschaft spüre keine Unterstützung mehr. Ihr fehlen jene Werte, die den Verein einst ausmachten: Integrität, Zusammenhalt, Ehrlichkeit, Menschlichkeit. Vor allem Letzteres. Fühlen die Fans sich seit der Übernahme des Vereins durch Bernard Burgener wie Kunden, so hätten die Spieler das Gefühl, zu nimmermüden und fehlerfreien Maschinen mutieren zu müssen. Nur, um dann öffentlich brüskiert zu werden. Sei es bei der Lohnverzichtsposse oder wenn es um Vertragsverlängerungen geht. Oder schlicht darum, nach einem Spiel hinstehen zu müssen und zu erklären, was denn bitte schon wieder alles schief laufe, obschon es kein Problem ihrer Stufe ist.

Ohne greifbaren CEO und mit einem Präsidenten, der in einer heilen Welt lebt, wie er letzte Woche eindrücklich bewiesen hat, müssen die Spieler die Kastanien aus dem Feuer holen. Und wer zu viel moniert muss befürchten, zum Bauernopfer zu werden. Diese Angst, so ist zu hören, herrscht besonders dann, wenn es um Spieler ohne langfristige Verträge geht.

Es ist mitnichten so, dass die Spieler nicht versucht hätten, die Probleme zu lösen. Nur: wird ihnen vornerum Veränderung versprochen, wird der Spieler hintenrum angezählt. Ein Spiel, das nicht lange gut geht. Und eines, dass dazu geführt hat, dass mittlerweile jeder nur noch auf sich, seine Zukunft und seinen weiteren Karriereverlauf Rücksicht nimmt. Und alle gehen wollen. In Basel gäbe es keinen fruchtbaren Boden mehr, es liege alles brach, zeichnet eine Quelle das Bild des Vereins. Sportlich setzen die Spieler dennoch noch Hoffnung in Ciriaco Sforza, der am Dienstag sein erstes Training leitet. Er soll die Spieler anhören und vermitteln. Etwas, was zu lange nicht mehr passiert ist. Es ist ein kleiner Funke Hoffnung.

Auch abseits des Teams gehen gute Leute

Diese Hoffnung spürten abseits der Mannschaft diverse nicht mehr. Personen, die im Hintergrund lange Zeit gerne und gut für den FCB gearbeitet haben, verlassen den Verein. Neben dem prominentesten Schriftstück von Alex Frei sind auf der FCB-Geschäftsstelle in diesem Jahr bereits elf weitere Kündigungen eingetroffen. Sie betreffen die Kommunikationsabteilung, wo der stellvertretende Pressesprecher Andrea Ruberti nicht mehr mit dabei sein wird. Die HR-Abteilung hat geschlossen gekündigt. Auch im Juniorenbereich suchen sich einige Mitarbeiter eine neue Beschäftigung. Zwar betont Bernhard Burgener gerne, dass er als Kapitän alles für seine Mitarbeiter tut. Doch genau dieser Kapitän und seine Gefolgsleute – CEO Roland Heri auf der Geschäftsstelle und Percy van Lierop im Nachwuchs – werden gerne genannt, wenn nach Gründen für die Kündigungen gefragt wird. Und weil weitere aktuelle FCB-Mitarbeiter mit einem Abgang liebäugeln, dürfte die Zahl der Abgänge bis Ende Jahr weiter steigen. Neben dem Rasen, aber vor allem darauf.