Die perfekte Woche für Müller

Happy End an der WM für die zwei Aargauer «OL-Matthiase» Müller und Merz. Während Trondheim für Matthias Müller sportlich die beste Woche seines Lebens war, blieb Namensvetter Merz in den Einzelrennen unter seinen Erwartungen. Am Sonntag in der Staffel feierten die beiden gemeinsam.

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Rainer Sommerhalder, Trondheim

Sie sitzen im gleichen Boot, die zwei «OL-M&M’s» aus dem Aargau. Gestern in der Staffel als Teamkollegen, in Zukunft in der Öffentlichkeit mit dem Weltmeisterstatus. Drei Jahre nach Matthias Merz in Kiew darf sich nun auch der zwei Jahre ältere Matthias Müller Weltmeister nennen. «Ich habe unglaublich viele Gratulationen bekommen», sagt der bald 28-Jährige aus Oberwil-Lieli. Per SMS, per Mail oder mittels Facebook übermittelten ihm Kollegen, Verwandte, Bekannte und Unbekannte Glückwünsche zum WM-Gold. «Und die, welche meine Nummer nicht hatten, riefen einfach bei meinen Eltern an», sagt Müller.

Für ihn endete am Sonntag in der Staffel mit der zweiten WM-Medaille seiner Karriere eine Traumwoche mit Gold, Bronze und einem Diplom über die Mitteldistanz. Auch im abschliessenden Teamwettbewerb war ihm auf der zweiten Strecke ein nahezu perfekter Lauf gelungen. «Ich hätte mir eine solche Woche in meinen kühnsten Träumen nicht erhofft», gibt Müller zu. Überhaupt blickt er auf die mit Abstand beste Saison seiner Karriere zurück. Er will weiterhin in Schweden als OL-Profi leben und traut sich zu, sein Niveau im Hinblick auf die nächsten Grossanlässe halten zu können oder sogar noch weiter zu verbessern. So wie ihm dies seit Jahren kontinuierlich gelingt.

Eher als einen Rückschlag, zumindest was die Einzelrennen angeht, bewertet der Beinwiler Matthias Merz die Titelkämpfe. Er habe schlicht sein Potenzial nicht abrufen können. Probleme bekundete der siebenfache WM-Teilnehmer vorab im technischen Bereich. Die Laufform wäre medaillenwürdig gewesen. Das bewies Merz in der gestrigen Staffel. Aber unterwegs beging er unerwartet viele kleine Fehler. «Schwierig zu beurteilen, an was es genau lag. Ich hatte in beiden Finalläufen bereits einen schlechten Start und kam dadurch jeweils früh in die Defensive», erklärt Merz.

Erst mal eine Pause

Nun will er zuerst einmal zwei Wochen pausieren, um sein schmerzendes Knie zu entlasten. Bald dürfte auch die Zeit als OL-Profi zu Ende gehen. Merz will, um nach dem Bauingenieur-Studium den beruflichen Anschluss nicht zu verpassen, künftig Teilzeit arbeiten. «Es tut mir gut, mich nicht nur auf den Sport konzentrieren zu müssen», sagt Merz aus Erfahrung.

Sucht man die Gründe für Müllers Höhenflug und Merz’ harzigem WM-Verlauf, so finden beide die Erklärung im mentalen Bereich. «Mir fehlte ein ganz guter Lauf zu Beginn, um mein Selbstvertrauen zu finden», glaubt Merz. «So ist bei mir ganz einfach der Knopf nie so richtig aufgegangen.» Müller weiss, wovon sein Nationalkaderkollege spricht. «Ich reiste nach meinen unbefriedigenden Resultaten am schwedischen Fünftage-OL mit einer gewissen Verunsicherung nach Trondheim. Der überlegene Sieg im allerersten Rennen bei der Sprint-Qualifikation brachte mir jedoch die nötige Sicherheit», sagt der Metallica-Fan.

Während die zwei Weltmeister noch kein Karriereende in Sichtweite haben, verabschiedete sich in Trondheim eine Aargauer OL-Ikone von der internationalen Bühne. Nationaltrainer Thomas Bührer gebührt mit seiner fordernden Art ein grosser Anteil am Aufstieg der «OL-M&M’s» bis aufs oberste Treppchen des WM-Podests.