FC Aarau

FC Aarau: Marazzi und der Schuss ins Glück

Der FC Aarau wird im Duell der Kantonsrivalen gegen Wohlen seiner Favoritenrolle gerecht und gewinnt dank zwei späten Toren von David Marazzi und Patrick Bengondo 2:0. Insgesamt 5200 Zuschauer sahen im Brügglifeld ein Spiel auf mässigem Niveau.

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Sieg

Sieg

Keystone

Ruedi Kuhn

Nach 85 Minuten fasste sich der Aarauer André Goncalves endlich ein Herz. Für einmal nahm der 18-jährige Aussenverteidiger all seinen Mut zusammen, vernachlässigte seine Defensivpflichten und eilte doch tatsächlich in Richtung Wohler Tor.

Dass er bei seinem Sturmlauf Massimo Mancino etwas unsanft über den Haufen rannte blieb ohne Folgen. Goncalves bediente nach seinem Energieanfall den freistehenden David Marazzi, der den Ball von der Strafraumgrenze ins Tor schoss.

Der FC Aarau führte kurz vor Schluss 1:0. Man fragte sich, ob Jayson Leutwiler den Flachschuss nicht hätte halten können, ja halten müssen. Zugegeben. Dem 1.94 Meter grossen Goalie war die Sicht verdeckt. doch eine Mitschuld am Gegentreffer hat Leutwiler zweifellos.

Entscheidung fiel kurz vor Schluss
Dass die Freiämter nach Spielschluss von einem klaren Foul Goncalves' an Mancino sprachen war verständlich. Vor allem deshalb, weil der kleinlich pfeifende Schiedsrichter Alain Bieri in der fairen Partie ansonsten jeden kleinen Rempler ahndete. Das 2:0 von Joker Patrick Bengondo in der 90. Minute war nur noch Resultatkosmetik.

Dass der FC Aarau das Derby gegen Wohlen gewann entsprach durchaus dem Spielverlauf. Der Schuss hätte für den Favoriten aber auch nach hinten losgehen können. Hätte Daniel Tarone seine klare Chance nach 72 Minuten verwertet und hätte Piu nach 42 respektive 59 Minuten etwas kaltblütiger agiert, dann wäre der Aussenseiter mindestens mit einem Punktgewinn ins Freiamt zurück gereist.

Aarau rehabilitiert sich
So aber siegte am Ende der Favorit. Und auch wenn sich die Freude der meisten Aarauer über das 2:0 einigermassen in Grenzen hielt, war Trainer Ranko Jakovljevic nach dem Spiel kaum zu bremsen. Der Serbe aus Bosnien konnte und wollte nach dem Derbyerfolg nicht auf die Euphoriebremse stehen. «Wir waren von A bis Z die bessere Mannschaft. Wichtig war vor allem, dass wir zu keinem Zeitpunkt die Geduld verloren haben. Und», so Jakovljevic weiter, «man darf nicht vergessen, dass der Druck auf den Schultern der Aarauer lag.

Wir hatten etwas zu verlieren, der FC Wohlen hatte nur etwas zu gewinnen.» Dass Wohlens Regisseur Alain Schultz das Ganze etwas anders sah, liegt in der Natur der Sache. «Der FC Aarau ist keine Übermannschaft», so Schultz, «er war jedenfalls nicht besser als wir. Wir wollten gewinnen, hatten unsere Chancen und haben vor allem in der ersten Halbzeit gut gespielt. Mit etwas mehr Glück im Abschluss hätten wir gewinnen können.»

Zurück zum FC Aarau, der sich zumindest resultatmässig für das peinliche 0:2 in Yverdon rehabilitierte. Eine Augenweide war das Ganze aber mit Sicherheit nicht. Wäre es bei der Nullnummer geblieben, hätte man sogar von Schlafwagenfussball sprechen müssen. Dass Chiasso Trainer Raimondo Ponte das Brügglifeld bereits nach 70 Minuten verliess spricht Bände.

Das Spiel riss weder die Fans von Aarau noch die Anhänger von Wohlen von den Sitzen. Vor seinem Abgang machte sich Ponte allerdings eifrig Notizen. Und zwar deshalb, weil die Südschweizer am nächsten Samstag den FC Aarau im heimischen Comunale empfangen.

Keine Frage; der Challenge-League-Aufsteiger aus dem Tessin darf sich gegen den Super-League-Absteiger durchaus Chancen ausrechnen. Derbysieg hin, Derbysieg her; noch sind die Aarauer den Beweis schuldig geblieben, ein Spitzenklub der zweithöchsten Spielklasse zu sein. Und der FC Wohlen? Er ist und bleibt ein Abstiegskandidat. Aber das wusste man schon vor der Saison.