YB

Schafft YB das Wunder am Bosporus?

Von den Young Boys ist ein Coup gefragt. Nach dem 2:2 im Hinspiel muss YB heute ab 20.15 Uhr die Auswärtspartie gegen Fenerbahçe Istanbul gewinnen. Ansonsten ist das Abenteuer Champions League vor Playoff-Beginn vorbei.

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Kriegsrat

Kriegsrat

Stefan Baumgartner, Istanbul

Die Vorgabe ist klar: Nur ein Sieg oder ein Remis ab 3:3 hält den Young Boys die Möglichkeit offen, ab Anfang September im «Konzert der Grossen» mitzuspielen. Wie schwer das Unterfangen ist, in Istanbul zu punkten oder zu gewinnen, zeigt ein Blick auf die Statistik.

In den zehn bisherigen Europacup-Partien auf dem Boden der türkischen Millionenmetropole gegen eines der drei Topteams Fenerbahçe, Besiktas oder Galatasaray resultierten für Schweizer Vereine acht Niederlagen (alle mit maximal einem erzielten Tor), zwei Remis und 9:28 Tore.

Christoph Spycher ist sich der delikaten Lage bewusst. «Wir wissen, dass wir auswärts nicht zu vielen Chancen kommen werden. Was sich uns bietet, müssen wir resolut ausnützen.» Der gelernte Linksverteidiger, der seine neue Aufgabe als Ballverteiler im defensiven Mittelfeld der Berner bislang mit Bestnoten gemeistert hat, wird sich im Sükrü Saraçoglu mutmasslich eher in der Rückwärtsbewegung befinden als vor einer Woche im Hinspiel.

Erinnerung an die Schande von Istanbul
Spycher ist einer jener Spieler, die sich von der hitzigen Atmosphäre inner- und ausserhalb des Platzes von Fenerbahçe kaum werden beeinflussen lassen. Er war am 15. November 2005 Teil jener Schweizer Mannschaft, die im WM-Barrage-Rückspiel gegen die Türkei in die unvergesslichen «Jagdszenen» verwickelt war.

Trainer Vladimir Petkovic hatte -- wie schon im Vorjahr FCZ-Coach Bernard Challandes -- sein Team zwischen zwei Champions-League-Einsätzen nach einer Niederlage in Bellinzona aufzurichten. YB verlor im Tessin zwar erstmals im vierten Spiel der Saison, ist aber immer noch sieglos.

Für Petkovic entstand eine neue Situation, er steht erstmals unter Druck. «Zum Glück für meine Karriere ist nach nur einer Niederlage so viel Lärm und Polemik entstanden», sagte der Kroate selbstbewusst. «Ich nehme das als positiven Kick.»

Über acht Millionen Franken
Wie schwierig es ist, einer Negativspirale zu entkommen, erlebt Petkovic seit dem miserablen Auswärtsauftritt in Luzern (1:5) in der vorletzten Runde der letzten Meisterschaft am eigenen Leib. Die Theorie, YB habe die Schlussphase der Vorsaison noch nicht verkraftet, verneint er folglich nicht. «Einige Spieler und auch die Umgebung haben diesen Rückschlag noch nicht hundertprozentig verdaut.

Nach drei Unentschieden und einer Niederlage wird die Vergangenheit wieder aktiv, dazu tauchten polemische Fragen auf. Dann ist es normal, dass man desorientiert sein kann», so Petkovic. «Das Einzige, was uns fehlt, ist ein positives Ergebnis.»

Sollte YB wie im Hinspiel mit einer ähnlich inspirierten Leistung für Furore sorgen, wären der Verbleib im internationalen Geschäft bis im Winter (Europa-League-Gruppenphase) und Antrittsprämien der Uefa in der Höhe von über acht Millionen Franken garantiert. Und Petkovic hätte die Kritiker wenigstens temporär wieder auf seiner Seite.

Die türkischen Medien klagten nach dem alles andere als überzeugenden Auftritt des Favoriten im Stade de Suisse auf hohem Niveau: «Schlecht, miserabel, mit dieser Leistung wird Fenerbahçe diese Saison kein Team der Süperlig locker schlagen», schrieb die Zeitung «Fotomaç».

Rund 30 Stunden vor dem Rückspiel war das 2:2 vom letzten Mittwoch für Trainer Aykut Kocaman und auch die Journalisten vom Bosporus abgehakt. «Darüber muss man nicht mehr viel sagen -- wir waren einfach nicht gut.»
Für Mittelfeldpuncher Emre ist klar, wer die Favoritenrolle innehat. «Das Resultat vor einer Woche war ein Vorteil für uns, obwohl die Young Boys besser vorbereitet waren. Diesmal sind wir bereit. Dazu spielen wir erstmals in dieser Saison vor eigenem Publikum».

Wölfli kehrt zurück
Wieder respektive neu dabei sind aller Voraussicht nach der genesene Gökhan Gönül und Issiar Dia (für den gesperrten Kazim Kazim). Bei YB rückt der im Hinspiel gesperrt gewesene Goalie Marco Wölfli für seinen makellosen Stellvertreter Roman Bürki ins Team. Der Solothurner dürfte die «Gelbschwarzen» als Captain ins Sükrü Saraçoglu führen, in dem Fenerbahçe über 40000 heissblütige Fans erwartet.