Carlo Janka

Wieso Carlo Janka seine gesundheitlichen Probleme geheim hielt

Olympiasieger Carlo Janka hat gesundheitlichen Probleme. Aus Selbsschutz hat er die ganze Sache bislang geheim gehalten: Es sei mühsam, etwas zu erklären, wen man selbst nicht genau wisse, was einem fehle, sagt er.

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Carlo Janka im Sommertraining auf Mallorca

Carlo Janka im Sommertraining auf Mallorca

Keystone

Michael Wehrle, Bad Ragaz

Seine Kollegen und Konkurrenten schuften seit drei Monaten im Kraftraum, auf dem Velo oder bei Bergläufen. Und Carlo Janka liegt auf der faulen Haut. Notgedrungen allerdings. Wie schon im Vorjahr musste der Schweizer Skistar wegen gesundheitlicher Probleme auf ein angemessenes Aufbautraining verzichten.

«Mitte Mai habe ich angefangen, zwei Wochen lief alles normal, dann tauchten dieselben Probleme auf wie vor einem Jahr», erklärte der 23-Jährige. «Mein Körper hat sich nicht mehr erholt, die Leberwerte waren erhöht, der ganze Zirkus ging wieder von vorne los», schilderte er seine Probleme. «Mein Sommertraining lief auf Sparflamme.»

Mehr als zehn Stunden pro Woche seien nicht dringelegen, hauptsächlich koordinative Übungen, spazieren gehen. «Ein geregeltes Aufbautraining ist etwas anderes», sagte Janka. Und aus Selbstschutz habe er die ganze Sache geheim gehalten. «Es ist mühsam, immer etwas erklären zu müssen, wenn man selbst nicht mal genau weiss, was einem fehlt.» Deshalb hat er entschieden: «Ich halte den Ball flach.»

«Nichts Grobes»

«Es steckt nichts Grobes dahinter», gab Christian Schlegel, Chefarzt des olympischen medizinischen Zentrums in Bad Ragaz, Entwarnung. «Für den Alltag ist Carlo topfit, für Höchstleistungen allerdings reicht das nicht», sagte Schlegel. Es sei wohl wie im Vorjahr die Kombination einer stressigen Vorsaison, des harten Aufbautrainings und einer Viruserkrankung. «Wir stärken jetzt die Immunabwehr, schauen, dass Janka immer mit optimaler Energieversorgung ins Training steigt», erklärte Schlegel.

Gestern habe er einen vielversprechenden Test abgeliefert, mit besseren Werten als im Mai, aber noch keinesfalls bereit für die Maximalbelastung. Wichtig sei der Entscheid der Geheimhaltung gewesen. «Die ständigen Fragen sind manchmal das grössere Problem als die Gesundheit an sich.» Dadurch werde der Athlet ständig an die Schwierigkeiten erinnert, müsse sich laufend damit befassen.

Carlo Janka aber bleibt der «coole Iceman». Offenbar können ihn nicht einmal solche Probleme aus der Fassung bringen. «Ich nehme die ganze Geschichte nun als gutes Omen», sagte er und lächelte dabei. Schliesslich sei die vergangene Saison ja gut gelaufen. Olympiagold im Riesenslalom gewann der Mann aus Obersaxen, wenig später sicherte er sich den Gesamtweltcup. «Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen.»

Letzte Woche erstmals auf Ski

Immerhin hat er skitechnisch nichts verpasst. «In der vergangenen Woche stand ich in Saas Fee und Zermatt erstmals wieder auf Ski und fühlte mich dabei sehr gut», sagte Janka. Es sei ein gelungener erster Kurs gewesen, allerdings ohne grosse Belastung. Heute fliegt Janka mit dem Schweizer Team nach Ushuaia in Argentinien.

Am 5. September kehren die Skicracks aus Südamerika zurück. «Die Testerei geht also erst los und zu meinem Vorteil liegt das Skigebiet auf Meereshöhe, das macht es einfacher», strahlt Janka Zuversicht aus.

«Die richtige Lösung hat noch niemand gefunden», weiss der Athlet. Und deshalb können weder er noch sein Arzt sagen, wie schnell er wieder fit wird und ob er das Problem die ganze Karriere mitschleppt. «Die Erfahrung sagt, es wird mit der Zeit besser», erklärte Schlegel. Viele Athleten litten unter solchen Symptomen. Garantie gebe es aber keine.

Wichtig sei, dass Janka seinem Körper Erholung gönne, wenn er das Gefühl habe, er brauche eine Pause. «Carlo hat ein Polster», betonte Schlegel. Da könne wenig Training manchmal sogar besser sein. Und entscheidend sei auch die Gelassenheit, mit der Carlo Janka die ganze Problematik angehe.