YB schafft das Wunder am Bosporus

Die Young Boys haben den Auswärtscoup geschafft: Sie stehen nach dem 1:0-Sieg gegen Fenerbahçe Istanbul verdient in den Playoffs zur Champions League.

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Fenerbahce YB
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Fenerbahce YB

Stefan Baumgartner, Istanbul

Eine Woche nach dem 2:2 im Stade de Suisse, als YB bereits überlegen war, trat das Team von Vladimir Petkovic auch im Sükrü Saraçoglu dominant auf. Durch das Tor von Henri Bienvenu kurz vor der Pause erspielten sich die Young Boys den benötigten Vorsprung, den sie dank Cleverness, einem schwachen Gegner und einer über halbstündigen Überzahl nicht mehr aus den Händen gaben.

YB schaffte es im elften Anlauf, als erste Schweizer Mannschaft in Istanbul zu gewinnen. Die letzten Siege gegen türkische Vereine liegen über 40 Jahre zurück: Der FCZ schaltete Galatasaray 1963 dank Losentscheid aus, zwei Jahre später warf Sion den gleichen Gegner aus dem Cupsieger-Cup.

Das sind die möglichen Playoff-Gegner von YB und Basel

YB muss in den Playoffs mit einem internationalen Schwergewicht rechnen:
Sevilla
Werder Bremen
Zenit St. Petersburg
Tottenham Hotspur
Ajax Amsterdam

Die Gegner des FC Basel liegen hingegen in Reichweite:
Rosenborg Trondheim
Salzburg
Zilina
Scheriff Tiraspol
Partizan Belgrad

Die Auslosung findet diesen Freitag ab 12:00 in Nyon statt. «a-z.ch» informiert sie laufend über die Gegner der beiden Schweizer Clubs.

Lohn für die erneut starke Leistung sind, neben einem kräftigen Applaus der «Fener»-Fans, für die Auslosung am Freitag ein wirtschaftlich und sportlich attraktiver Gegner und garantierte Einnahmen von über acht Millionen Franken. Sollte YB die letzte, noch höhere Hürde auf dem Weg in die Champions League nicht nehmen können, wäre immerhin die Teilnahme in der Gruppenphase der Europa League fix. So weit mochte nach dem unerwarteten Coup freilich niemand denken.

Vollmundige Gastgeber
«YB hat die Gelegenheit des Jahrhunderts verpasst. So ein Fenerbahçe werden sie nicht mehr vorfinden», schrieb eine der sechs grossen Istanbuler Sportzeitungen in ihrer Vorschau für das Rückspiel. Sie und auch die grosse Mehrheit der rund 45'000 Zuschauer lagen mit ihrem grenzenlosen Optimismus falsch.

Gerade als die ebenso heissblütigen wie ungeduldigen Fans nach dem x-ten Fehlpass zu einem gellenden Pfeifkonzert ansetzten, bliesen die Spieler der Young Boys zum erfolgreichen Angriff. Thierry Doubaï lancierte auf der linken Seite Henri Bienvenu, dieser setzte sich entscheidend durch und schob zum 1:0 ein.

Der Kameruner, zuvor und danach ein zuverlässiger «Ballhalter» als einzige Sturmspitze, setzte die Überlegenheit der Berner völlig verdient in das längst fällige Tor um. Zupass kam den Young Boys in der Folge, dass wie im Hinspiel (Kazim Kazim durch Ballwegschlagen) ein Fenerbahçe-Spieler des Feldes verwiesen wurde.

Diesmal hob der bereits verwarnte Miroslav Stoch im Zweikampf zum Tiefflug ab, worauf Fener die letzten 37 Minuten mit neun Feldspielern bestreiten musste. Diese Tatsache und das drohende Out gegen den Schweizer Aussenseiter veranlassten den reichsten Sportklub der Türkei nach einer guten Stunde, seine Offensivbemühungen zumindest im Ansatz zu verstärken. Dass der erste Schuss auf YB-Goalie Marco Wölfli erst in der 61. Minute abgegeben wurde, zeigte die Behäbigkeit des Heimteams aber auch statistisch auf.

Die einzige reelle Chance auf den Ausgleich vergab der eingewechselte Semih Sentürk in der Nachspielzeit. Der Joker scheiterte an Marco Wölfli, der in dieser Szene seine einzige, aber umso wichtigere Intervention hatte.