Langlauf-Weltcupsieger Johannes Høsflot Klaebo über die Mission Titelverteidigung: «Ich kann von Dario Cologna viel lernen»

Der Langlauf-Weltcupsieger Johannes Høsflot Klaebo will seinen Titel verteidigen und bereitet sich schon auf Olympia 2020 vor. Der Norweger über seine neuen Trainingsgewohnheiten, den Wettstreit mit Dario Cologna und seinen YouTube-Kanal.

Natalie Ehrenzweig
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Johannes Klaebo (l.) und sein Grossvater und Trainer Kare Hoesflot nach dem Sieg in der Tour de Ski. (Bild: Alpe Cermis, 6. Januar 2019)

Johannes Klaebo (l.) und sein Grossvater und Trainer Kare Hoesflot nach dem Sieg in der Tour de Ski. (Bild: Alpe Cermis, 6. Januar 2019)

Der Sommer ist vorbei, am Wochenende startet die neue Saison. Wie geht es Ihnen?

Johannes Høsflot Klaebo: Ich glaube, ich liege gut drin mit meinen Vorbereitungen. Jetzt geht es darum, gesund zu bleiben.

Sie haben für diese Saison vom Sprint- ins norwegische Allround-Team gewechselt. Was hat das für Ihr Training bedeutet?

Mit dem Wechsel ins Allround-Nationalteam wurden meine Trainingseinheiten etwas länger und härter als letztes Jahr. Ich war aber auch im Trainingscamp mit dem Sprint-Nationalteam für mein Geschwindigkeitstraining.

Sie waren mit Ihrem Team auch im Höhentraining, obwohl Sie in den vorherigen Jahren darauf verzichtet haben. Warum gingen Sie dieses Jahr mit?

Der Grund, wieso ich früher auf das Höhentraining verzichtet habe, war, dass mein Grossvater und Trainer Höhentraining für unnötig für meine natürliche Entwicklung als Langläufer hielten. Die Olympischen Spiele in Peking 2022 finden aber in der Höhe statt, darum wurde es für mich wichtig, meinen Körper daran zu gewöhnen, in der Höhe Rennen zu laufen. Deshalb fuhr ich dieses Jahr mit. Ich habe wohl noch viel zu lernen über Wettkämpfe in der Höhe, aber ich habe zum Glück noch etwas Zeit.

In Ihrem wöchentlichen Vlog auf Youtube erfährt man viel über Ihre Trainingsstrategie. Was ist Ihre Herangehensweise, um die Konkurrenz zu schlagen?

Ich glaube, die meisten, die Spitzensport betreiben, trainieren heute sehr systematisch. Ich versuche mich auf kleine Details zu konzentrieren, die mir helfen, ein besserer Skiläufer zu werden. Mein Alltag besteht vor allem aus essen, trainieren und schlafen. Da ist es wichtig, diese Aspekte zu optimieren. Zwischendurch lege ich ein paar Trainingseinheiten in der Nacht ein, so dass ich trainieren kann, während meine Konkurrenten schlafen. Das gibt mir mentale Überlegenheit.

Zur Person

Der 23-jährige Norweger Johannes Høsflot Klæbo aus Trondheim bestritt sein erstes Weltcup-Rennen 2016. Inzwischen hat er nicht nur die Tour de Ski 2018/2019, sondern auch das olympischen Sprint-Rennen 2018 als Jüngster der Geschichte gewonnen. Insgesamt drei Olympia-Goldmedaillen, ebenso viele von der Weltmeisterschaft in Seefeld 2019 hat er sich erkämpft. Auch die letzten beiden Gesamtweltcups sicherte er sich. Johannes Høsflot Klæbo ist ein Familienunternehmen. Er wird schon seit vielen Jahren von seinem Grossvater Kåre Høsflot trainiert, sein Vater Haakon managt ihn und seine Mutter Elisabeth kümmert sich um die Finanzen. Der jüngere Bruder Ola produziert seine Videos. Die jüngere Schwester Ane tritt in diesen immerhin ab und zu auf. Über Johannes Klæbo und seinen Grossvater ist auch bereits ein Buch erschienen. Den Vlog von Johannes findet man hier.

Ihr Grossvater ist auch Ihr Trainer. Kann das zu Schwierigkeiten führen, weil Sie sich in anderen Rollen begegnen?

Nein, mein Grossvater und ich kommen sehr gut miteinander aus. Er ist ein junger, 76-jähriger Mann, der mit der Zeit gelernt hat, mit jungen Leuten zusammen zu sein. Er bittet mich nur selten darum, die Musik leiser zu stellen, wenn wir auf dem Weg ins Training oder zu einem Wettkampf sind.

Wo sehen Sie Dario Cologna in dieser Saison?

Ich glaube Dario wird in dieser Saison stark sein. Er hat viel Erfahrung und mit einem harten Weltcup-Programm kann er von seiner Ausdauer und seiner Kraft profitieren. Wenn ich vor der Tour de Ski noch in Davos bleibe, hoffe ich, dass ich ein, zwei Trainingseinheiten gemeinsam mit ihm absolvieren kann. Er ist eine Person, vor der ich grossen Respekt habe als Sportler und von dem ich gern etwas lernen würde.

Was sind Ihre wichtigsten Ziele in dieser Saison?

Das Ziel ist den Gesamtweltcup zu gewinnen. Und ich habe grosse Lust, bei der Tour de Ski und der Tour de Trøndelag erfolgreich zu sein.

Wer sind Ihre schwierigsten Gegner?

Sicher der Russe Bolschunow, der unglaublich stark war sowohl im Sprint wie auch über die Distanzen. Ich glaube, wir können wirklich viel von Cologna erwarten. Dann gibt es noch ein paar starke Italiener und Russen und natürlich die norwegischen Läufer. Und wir dürfen den Finnen Niskanen nicht vergessen. Es gibt genug starke Gegner für mich.

Wie weit weg ist für Sie Olympia 2022?

Ich habe bereits mit den Vorbereitungen begonnen, in dem ich ins Höhentraining fuhr. Und ich habe diesen Sommer drei Rollskirennen in Peking bestritten.

Neben dem Spitzensport studieren Sie Wirtschaft. Wie wichtig ist das Studium?

Ich komme nicht dazu, viele Stunden zu belegen, aber ich besuche ein paar Vorlesungen in Wirtschaft und Administration an der Universität in Trondheim. Ich habe ausgerechnet, dass ich bei diesem Tempo mit 42 meinen MBA-Abschluss haben werde. Das Wichtigste ist mir, mich intellektuell herauszufordern, nicht nur Ski zu fahren. Vielleicht schliesse ich mehr Fächer ab, wenn ich älter und erfahrener bin.

Diesen Sommer haben Sie ein Haus gekauft, sind mit Ihrer Partnerin zusammengezogen. Leidet da die Selbstdisziplin?

Ich hatte es unglaublich gut bei meinen Eltern, aber es hat gutgetan, jetzt auszuziehen. Pernille und ich geniessen unser Haus. Es liegt in der Bymarka, mein wichtigstes Trainingsgebiet ist vor der Tür. Ich glaube, ich bin der Gleiche wie vor dem Umzug: Ich trainiere, esse und schlafe.

Jede Woche geben Sie einen Vlog heraus. Wieso investieren Sie darin so viel Zeit?

Der Vlog gibt mir Energie. Dass die Leute Lust haben, zu schauen, was ich in meinem Alltag mache, schätze ich sehr. Meine Followers in den sozialen Medien sind mir wichtig und sie feuern mich an und motivieren mich für meinen Job.

Sie sind Fussball-Interessiert. Verfolgen Sie auch den Schweizer Fussball?

Das bin ich. Ich habe vor ein paar Jahren den FC Basel etwas verfolgt, aber jetzt interessiert mich vor allem die Premiere League.

Was bedeutet Ihnen die Schweiz?

Die Schweiz hat eine fantastische Natur und perfekte Trainingsbedingungen für einen Langläufer. Auf eine Art finde ich, dass die Schweiz und Norwegen sich recht ähnlich sind. Mir gefällt es gut in der Schweiz und ich habe schöne Erinnerungen an Rennen hier.