Eishockey
«Weltuntergang» in Langnau – 1:5 gegen den SC Bern

Die SCL Tigers versuchen im Berner Derby mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Eine fatale Einschätzung.

Klaus Zaugg, Langnau
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Langnaus Sebastian Schilt, Janis Elsener und Goalie Robert Mayer (von links) sind geschlagen, der Berner Simon Moser dreht sich jubelnd ab.

Langnaus Sebastian Schilt, Janis Elsener und Goalie Robert Mayer (von links) sind geschlagen, der Berner Simon Moser dreht sich jubelnd ab.

Marcel Bieri/Keystone (Langnau, 29. Oktober 2021)

Beginnen wir mit tröstlichen Worten für die Langnauer. Sie sind es – und nicht der SCB – die in dieser Saison für das erste ausverkaufte Hockey-Stadion im Bernbiet sorgen. Was bisher weder in Biel noch in Bern gelungen ist, dafür sorgten gestern die SCL Tigers. 6000 Fans. Ausverkauft. Aber das ist alles natürlich bloss billiger Trost nach einem – aus Langnauer Sicht – beinahe trostlosen Spiel. Nie in dieser Saison sind die Emmentaler gleich so zerzaust worden. Zweitens: noch immer gibt es eine Kennzahl, die in einer so schweren Derbynacht den Emmentalerinnen und Emmentalern ein wenig Trost spendet. Bisher haben die ausländischen SCB-Stürmer 49 Skorerpunkte (davon 21 Tore) gebucht. Diejenigen der Langnauer hingegen 81 (36 Tore).

Wie sehr alles durcheinandergeraten geriet, mag eine Szene aus der 16. Minute zeigen: die Schiedsrichter zeigen eine Strafe gegen Langnaus Larry Leeger an. Aber Robert Mayer läuft aus dem Tor, um einem sechsten Feldspieler Platz zu machen. Das Powerplay nützt der SCB zum 4:0. Vier Treffer nach 17 Minuten und 7 Sekunden. Schlimmer war es sogar letzte Saison nur ein einziges Mal: beim 4:9 gegen Zug fiel das 4:0 nach 16. Minuten und 50 Sekunden. Trostlos, wahrlich, trostlos. Bernhard Antener, ehemaliger SP-Gemeindepräsident, als Grossratspräsident einst auch höchster Berner und der politische Vater des Stadionumbaus ist eigentlich kein Mann der Emotionen. Nun ist er in der ersten Pause aufgebracht. Nach ein paar urchigen Kraftausdrücken sagt er:

«Das darf doch nicht wahr sein. Gegen Biel oder Davos ginge das ja noch. Aber ausgerechnet gegen den SCB! Es war so schön angerichtet für eine grosse Party. Es hätte sein können wie früher.»

Als er gefragt wird, ob dieses erste Drittel für ihn schlimmer gewesen sei als eine der struben Krisensitzungen im BLS-Verwaltungsrat, hält er inne und rückt die Dinge wieder ins Lot: «Das kann man denn doch nicht vergleichen.»

Mayer wird bei der ersten Gelegenheit überwindet

Die Frage ist nun, wie so etwas möglich ist? Der Optimist aus Langnauer Sicht wird sagen: die SCL Tigers sind einfach mit der Favoritenrolle nicht zurechtgekommen. Das liege in der DNA der Langnauer Hockeykultur. Hat denn nicht der SC Langnau im Frühjahr 1978 den Titel im allerletzten Heimspiel als himmelhoher Favorit durch eine 3:6-Niederlage gegen den SCB verspielt? Eben. Nun hat sich die Geschichte halt nach 43 Jahren wiederholt.

Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: bei den SCL Tigers passte gar nichts und beim SCB alles. Was durchaus logisch ist: in Langnau sind alle mit dem bisherigen Saisonverlauf überglücklich. In Bern hingegen sind die Partien gegen Servette (3:2 n. V.) gestern in Langnau und am Dienstag in Ajoie zur «Überlebenswoche» erklärt worden. Bei Langnau ging es um einen Derby-Sieg. Beim SCB um den Job von Trainer Johan Lundskog. Also sind alle parat: Philip Wüthrich verhindert gleich zu Beginn mit einer Glanzparade das 0:1. Robert Mayer wird hingegen bei erstbester Gelegenheit überlistet. Ausgerechnet von Dominik Kahun. Damit ist vorgegeben: Philip Wüthrich wird eine grosse Partie liefern, Robert Mayer kein Glück haben (83,87 Prozent Fangquote) und auch ein SCB-Ausländer kann die Differenz machen (zwei Tore durch Dominik Kahun). Die Langnauer gewinnen Spiele nur, wenn sie von der ersten Sekunde an auf den Zehenspitzen stehen und bissig sind. Sie sind spielerisch zu wenig gut, um einen Fehlstart zu korrigieren. Aber gestern haben sie es nur mit spielerischen Mitteln versucht.

SCL Tigers – Bern 1:5 (0:4, 0:1, 1:0)
Ilfishalle. – 6000 Zuschauer. – SR Wiegand/Borga.
Tore: 4. Kahun (Beat Gerber) 0:1. 5. Praplan (Bader, Mika Henauer) 0:2. 9. Jeremi Gerber (Mika Henauer, Neuenschwander) 0:3. 18. Kahun (Andersson, Praplan/Ausschluss Leeger) 0:4. 40. Praplan (Moser/Ausschluss Schmutz) 0:5. 54. Sareela (Pesonen, Elsener) 1:5.
Strafen: 4-mal 2 plus 5 Minuten (Schmutz) plus Spieldauer (Schmutz) gegen Langnau; 3-mal 2 Minuten gegen Bern.
SCL Tigers: Mayer; Erni, Blaser; Leeger, Schilt; Elsener, Grossniklaus; Aeschbach; Olofsson, Schmutz, Grenier; Pesonen, Saarela, Schweri; Sturny, Salzgeber, Petrini; Langenegger, Diem, Berger; Loosli.
Bern: Wüthrich; Mika Henauer, Untersander; Beat Gerber, Andersson; Colin Gerber, Thiry; Kast; Moser, Kahun, Thomas; Scherwey, Daugavins, Conacher; Bader, Praplan, Fahrni; Jeremi Gerber, Neuenschwander, Sciaroni; Berger.