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Interview

Mikaela Shiffrin eilt von Sieg zu Sieg: «Wendy kann das auch»

Mikaela Shiffrin ist die dominierende Figur im Weltcup. Die Amerikanerin über Träume, die sie abhaken kann, harte Konkurrenz aus der Schweiz und einen verrückten Tag vor fast sechs Jahren in Lenzerheide.
Interview: Valentin Oetterli (SDA),
Feierte am Freitag beim Riesenslalom in Courchevel bereits ihren 49. Weltcupsieg: die erst 23-jährige Mikaela Shiffrin. (Bild: Giovanni Auletta/AP (Courchevel, 21. Dezember 2018))

Feierte am Freitag beim Riesenslalom in Courchevel bereits ihren 49. Weltcupsieg: die erst 23-jährige Mikaela Shiffrin. (Bild: Giovanni Auletta/AP (Courchevel, 21. Dezember 2018))

Mit 23 Jahren hat Mikaela Shiffrin schon fast alles gewonnen, was es im alpinen Skirennsport zu gewinnen gibt: je zweimal den Gesamtweltcup und Olympia-Gold, drei WM-Titel im Slalom, sowie 49 Weltcuprennen in allen Disziplinen. Bleibt die hart arbeitende Super-Technikerin aus den USA gesund und behält sie ihre angeschlagene Pace nur annähernd bei, so wird sie von Rekordsieger Ingemar Stenmark (86 Weltcup-Siege) über ihre Landsfrau Lindsey Vonn (82) bis hin zum aktuellen Männer-Dominator Marcel Hirscher (63) bald alle überflügeln.

Mikaela Shiffrin, seit Ihrem Super-G-Triumph vor knapp drei Wochen in Lake Louise gehören Sie zu den wenigen Skifahrerinnen, die in allen Disziplinen gewonnen haben. Was bedeutet Ihnen dies?

Seit ich klein war, habe ich davon geträumt, in jeder Disziplin mindestens einmal zu siegen. Diesen Traum kann ich nun bereits abhaken. Das ist doch unglaublich, oder nicht?

Am Wochenende nach Lake Louise gewannen Sie in St. Moritz zuerst den Super-G, tags darauf dann den Parallelslalom. Spielt es Ihnen denn keine Rolle, auf welchen Ski Sie stehen?

Doch, das tut es. Aber St. Moritz war tatsächlich ein spezielles Wochenende. Zunächst ging mir im Super-G alles wie geplant auf, 24 Stunden später auch im Parallelslalom. Das war etwas weniger überraschend, denn auf den Slalomski fühle ich mich nach wie vor am wohlsten.

Sie verzichteten trotz Ihrer Topform danach auf die Speed-Rennen in Val Gardena und trainierten stattdessen in Skandinavien. Weshalb?

Diese Pause war so geplant. Die Bedingungen in Norwegen waren hervorragend. Schade war einzig, dass nach dem Parallelslalom mein Rücken verspannt war. Ich konnte deshalb nur relativ wenig und in geringer Intensität auf Ski trainieren. Dafür erholte ich mich sehr gut. Das war aber im Hinblick auf die vielen Rennen, die nun kommen, wohl gar nicht so schlecht.

Zwei Ihrer grössten Konkurrentinnen kommen aus der Schweiz. Was denken Sie von Wendy Holdener, welche wegen Ihnen schon mehrere Siege verpasst hat?

Auch wenn sie noch nicht so viele Rennen gewonnen hat, sehe ich Wendy doch auf einem wirklich hohen Level. Vor ­allem im Slalom und auch im Riesenslalom, aber immer mehr auch im ­Speed-Bereich.

Sie gehört definitiv zu den Anwärterinnen auf den Sieg im Gesamtweltcup.

Wenn ich sie so Skifahren sehe, dann glaube ich, dass auch sie in allen Disziplinen gewinnen kann. Zudem ist sie eine starke Wettkämpferin, auf welche ich Acht geben muss. So wie sie wohl mich in der Videoanalyse anschaut, schaue auch ich ihre Fahrten an.

Ihre Gedanken zu Michelle Gisin?

Tatsächlich zähle ich sie wie Wendy für die Gesamtwertung zu den stärksten Konkurrentinnen. Sie ist in den Speed-Disziplinen sehr stark. In diesem Winter fährt Michelle zudem sehr gut Slalom, und sie zeigt sich auch im Riesenslalom gegenüber früher verbessert.

Sie verzichtet auf die Rennen in Courchevel.

Leider ist es wegen Marcs schwerem Sturz in Val Gardena keine einfache Woche für Michelle und ihre Familie. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sie sich bei ihren Starts in Val Gardena gefühlt haben mag.

Ich wünsche Marc gute Besserung. Hoffentlich kommt er mit der Genesung voran.

Gleichzeitig ist das Ganze natürlich auch für Michelle ein grosser Einschnitt in die Saison, die zu einer ihrer besten werden könnte. Aber sie ist mental stark und hat zudem ihre Schwester Dominique an ihrer Seite.

Olympische Spiele, Weltmeisterschaften und Weltcup zusammengezählt, haben Sie auf oberster Stufe bereits über 50 Triumphe gefeiert. Können Sie sich noch an den ersten Ihrer acht Siege in der Schweiz erinnern?

Oh ja, das war in Lenzerheide (am 16. März 2013; Anm. der Red.). Eigentlich weiss ich von jenem Tag noch alles. Es ging für mich damals um meine erste Slalom-Kristallkugel. Ich kam mit sieben Punkten Rückstand auf Tina Maze zum letzten Slalomrennen der Saison und fühlte mich extrem unter Druck. Ich war so nervös und angespannt, dass ich nach dem ersten Lauf 1,17 Sekunden hinter der führenden Tina zurücklag. Ich dachte, ich hätte alles verloren. Dann aber baute mich meine Mutter im Gespräch auf. Wir gingen zudem lange frei skifahren, unterbrochen nur vom Besichtigen des zweiten Laufs. Danach gelang mir eine Topfahrt, Tina hingegen nicht. So ging die Kugel an mich. Es war ein wunderbar verrückter Tag.

Sie haben am Donnerstagabend in Courchevel mit dem früheren Bundesrat Adolf Ogi telefoniert. Um was ging es?

Herr Ogi war sehr nett und hat mir zunächst zu meinen Leistungen gratuliert. Dann hat er sich für meine Spende an seine «Freude herrscht»-Stiftung bedankt. Er fand es toll, dass ich einen Teil des bei meinen zwei Siegen in St. Moritz gewonnenen Preisgelds gespendet habe.

Warum taten Sie dies?

Ich hörte von Ogis Stiftung. Die Idee, dass Kinder und Jugendliche unter anderem in ihrer sportlichen Entwicklung gefördert werden, finde ich cool.

Denken Sie daran, eine eigene Stiftung zu gründen?

Noch nicht. Ich sehe natürlich andere Athleten um mich herum, die dies tun. Es gäbe so viele erstaunliche und wichtige Themen, die Aufmerksamkeit erfordern. Aber ich wüsste nicht, welches Thema ich herauspicken sollte. Zudem bin ich recht jung. Mein Fokus gehört noch ganz dem Skisport. Ich benötige dabei alle meine Energie, um in diesem Bereich weiterzukommen. Das mit der Stiftung kommt vielleicht nach meiner Karriere. Dann hätte ich Zeit, um mich wunschgemäss darum zu kümmern.

Ein bekannter Schweizer Sportler, den Sie in diesem Jahr schon zweimal getroffen haben, kennt sich in diesem Bereich gut aus …

Sie meinen Roger Federer, nicht wahr? Seine Stiftung soll wirklich sehr erfolgreich sein. Sein Status, den er sich in seinem Sport und auf der Welt erarbeitet hat, hilft ihm dabei sehr. Ich sehe mich bei weitem noch nicht auf seinem Level. Mein Name zieht nicht im selben Mass. Ich traf Roger heuer in Italien und in Chicago. Er hat coole und inspirierende Ideen, die über den Erfolg im Sport hinausgehen. Danach habe auch ich mir Gedanken gemacht, was es für mein Vermächtnis Wichtigeres geben könnte, als nur Rennen zu gewinnen.

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